Vier Bomben in Göttingen kontrolliert gesprengt

Stand: 31.01.2021 15:27 Uhr

In der Nacht zu Sonntag sind in Göttingen vier Zehn-Zentner-Bomben kontrolliert gesprengt worden. Es wurde niemand verletzt, drei Gebäude sind allerdings bis auf Weiteres nicht bewohnbar.

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, weisen die Mehrfamilienhäuser in der Pfalz-Grona-Breite 1 und 3 sowie im Narzissenweg 2 größere Schäden auf. Die betroffenen Häuser befinden sich dort, wo zwei Blindgänger nebeneinander gefunden und zeitgleich gesprengt werden mussten. 34 Bewohnerinnen und Bewohner können vorerst nicht in ihren Wohnungen zurückkehren. Sie wurden von der Stadt deshalb bis auf Weiteres woanders untergebracht.

Detonationen erst nach Mitternacht

Nach Angaben eines Stadtsprechers konnten die ersten drei Blindgänger um kurz nach Mitternacht direkt hintereinander in die Luft gejagt werden, beim vierten verzögerte sich die Explosion zunächst aus technischen Gründen. Die Sprengmeister mussten im Dunkeln die Elektronik bei einer Funkzündeanlage austauschen. Um 0.46 Uhr meldete die Stadt schließlich: "Die vierte Sprengung ist erfolgt". Ab etwa 3.30 Uhr konnten mehr als 8.000 Personen wieder in ihre Wohnungen zurückkehren, und auch der Bahnhof ist nicht mehr gesperrt. Noch in der Nacht kontrollierten Experten alle Gebäude rund um den Sprengungsbereich unter anderem mit einer Drohne auf Schäden.

Lob vom Oberbürgermeister für die Bevölkerung

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) zeigte sich erleichtert, dass alles weitestgehend nach Plan verlief. "Mein großer Dank gilt vor allen Dingen auch den Menschen, die in dem Viertel wohnen und sehr diszipliniert und hilfsbereit miteinander umgegangen sind", sagte Köhler.

Container und Wassersäcke um den Fundort

Rund um die Fundstellen am Leineufer waren zuvor Überseecontainer aufgestellt worden, die zusätzlich mit 24.000-Liter-Wassersäcken gefüllt waren. Diese sollten die Wucht der Detonation abfangen und die Druckwelle von umliegenden Gebäuden weglenken. Die Polizei warnte die Bevölkerung vor der Sprengung mit Durchsagen aus Lautsprecherwagen. Auch außerhalb des Evakuierungsgebietes waren Anwohnerinnen und Anwohner gebeten, zum Schutz in ihren Wohnungen zu bleiben. "Trotz des Schutzwalls um die Fundstellen können Splitter weit fliegen", hieß es.

Alle vier Verdachtspunkte bestätigen sich

Bei den Blindgängern handelte es sich nach Angaben der Stadt um Zehn-Zentner-Bomben mit Langzeitzündern, die sich nicht entschärfen ließen; deshalb die kontrollierte Sprengung. Im Verlauf des Sonnabends hatten sich alle vier Verdachtspunkte bestätigt. Ein Blindgänger lag am Leineufer, zwei weitere in einem Wohngebiet vor einer Kirche, ein vierter ebenfalls im Bereich um die Godehardstraße. Die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes sicherten die Stellen ab. Der Sprengstoffexperten gingen mit viel Geduld und Vorsicht vor, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, auch um ein Unglück wie im Jahr 2010 zu verhindern. Damals war in Göttingen eine Zehn-Zentner-Bombe unkontrolliert explodiert, drei Sprengmeister starben. Die Erinnerung an das Unglück war dieses Wochenende präsent, sagte Stadtsprecher Dominik Kimyon. "Das schwebte natürlich über allem und hat die Stimmung geprägt. Jetzt sind alle sehr erleichtert."

Tausende mussten Häuser im Sperrgebiet verlassen

Zuvor hatten bereits am Sonnabendmorgen rund 8.300 Menschen ihre Häuser und Wohnungen in dem Sperrgebiet in der Weststadt verlassen müssen. Es umfasste einen Radius von 1.000 Metern rund um die Fundorte in der Nähe der Godehardstraße. Polizei und Technisches Hilfswerk (THW) setzten Drohnen mit Wärmebildkamera ein, um zu überprüfen, dass sich niemand mehr in dem Gebiet aufhielt. Weil anschließend jedoch zweimal Radfahrer entlang der Leine gesichtet wurden, mussten die Sprengmeister ihre Arbeit unterbrechen.

Eigene Corona-Regeln für Zusammenkünfte

Wegen des erwartbar langen Einsatzes hatte die Stadt die Anwohner aufgerufen, sich um eine Unterkunft außerhalb der Sperrzone zu bemühen - etwa im privaten Umfeld oder in einem Hotel. Aufgrund der besonderen Situation hatte das Land Niedersachsen die Corona-Regeln im Hinblick auf Bombenentschärfungen und Evakuierungen ergänzt. Wer das Gebiet verlassen musste, durfte auch mit mehreren Personen in einem anderen Haushalt unterkommen. Davon machten offenbar die meisten Betroffenen Gebrauch. In den Evakuierungszentren der Stadt hielten sich am Abend lediglich 280 Menschen auf. Die Stadt achtete eigenen Angaben zufolge auf eine "pandemiegerechte" Unterbringung.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 31.01.2021 | 19:30 Uhr

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