Stand: 12.11.2015 07:30 Uhr  | Archiv

VW-Skandal: Zeit für Kronzeugen wird knapp

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Bei Volkswagen wächst der Druck auf Mitarbeiter, die mit der Kronzeugenregelung ihren Job retten wollen. (Archivbild)

In der Abgas-Affäre erhöht Volkswagen den Druck auf mögliche Mitwisser im eigenen Unternehmen. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung will der Konzern das erst kürzlich aufgesetzte Amnestieprogramm für Beschäftigte bis Ende November befristen. Nur bis dahin können in die Manipulationen verwickelte Mitarbeiter mit einem Geständnis ihren Job retten. Ein VW-Sprecher wollte sich dazu am Mittwochabend nicht äußern. "Wir diskutieren eine solche Thematik", sagte der Sprecher auf Anfrage. Einzelheiten wollte er aber nicht nennen. Der Konzern will offenbar geständige Mitarbeiter, die an den Manipulationen beteiligt gewesen sind, weder rauswerfen noch auf Schadenersatz verklagen.

Befristung wegen Druck aus den USA?

Die Befristung der firmeninterne Kronzeugenregelung hängt möglicherweise mit Druck aus den USA zusammen. Bei VW wird dem Bericht zufolge befürchtet, dass die US-Behörden ungeduldig werden könnten, wenn VW bei seinen internen Ermittlungen nicht bald Ergebnisse liefert. Konzernkreise räumten demnach ein, das Amnestieangebot hätte bereits eher erfolgen müssen. Etliche Ingenieure und Techniker hätten sich aus Angst um ihren Job mit Aussagen bisher zurückgehalten.

Winterkorn tritt als Aufsichtsratschef von Audi zurück

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Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn ist ab sofort auch nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender bei Audi. (Archivbild)

Der frühere Konzernchef Martin Winterkorn hat unterdessen im Zuge der Abgas-Affäre mit sofortiger Wirkung auch sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender bei der VW-Tochter Audi niedergelegt. Ein Audi-Sprecher bestätigte einen Bericht der Ingolstädter Tageszeitung "Donaukurier". Winterkorn war nach Bekanntwerden der Manipulationen Ende September von seinem Posten als VW-Vorstandschef zurückgetreten. Mitte Oktober legte er auch den Chefposten bei der Porsche-Holding PSE nieder.

Aufarbeitung des Abgas-Skandals mit neuem Chef-Ermittler

Eine weitere wichtige Personalie bei VW wurde am Mittwoch bekannt. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen hat der Konzern mitten im Abgas-Skandal seinen Chef-Aufklärer ausgetauscht. Der bisherige Leiter der Konzernrevision, Peter Dörfler, ist demnach in den vorzeitigen Ruhestand gegangen. Die interne Aufklärungsarbeit im Diesel- und Kohlendioxid-Dschungel wird kommissarisch von Markus Eberl übernommen. Der bisherige Leiter der technischen Revision von Porsche hat sein neues Amt bereits angetreten.

VW-Chef Müller setzt auf Vertraute von Porsche

Wie NDR 1 Niedersachsen aus Konzernkreisen erfuhr, setzt VW-Konzernchef Matthias Müller, der lange Porsche-Chef war, bei der Aufklärung mehr auf die Zusammenarbeit mit vertrauten Porsche-Kollegen. Außerdem, so heißt es, bringe Eberl ein hohes technisches Verständnis mit, was gerade in dieser Krise entscheidend sei. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es, die Personalie sei eine gute Entscheidung. Die Konzernrevision hat bei der Aufarbeitung des Skandals eine Schlüsselposition, unter anderem informiert die Abteilung den VW-Aufsichtsrat regelmäßig über die Ermittlungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.11.2015 | 07:00 Uhr

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