Einwohner und Einwohnerin aus Derental, Neuhaus und Umgebung posieren für ein Foto vor einem gesperrten Forstweg. © NDR Foto: Tullio Fancesco

Gesperrte Forststraße: Für Autos zu gefährlich, für Räder nicht?

Stand: 27.03.2023 17:45 Uhr

Pendler aus den Gemeinden Derental und Neuhaus sind sauer: Seit fünf Jahren dürfen sie die Forststraße zwischen den beiden Orten nicht nutzen. Das Forstamt will sie nicht freigeben. Die Gemeinden hoffen nun auf einen Kompromiss.

von Tullio Puoti

Windstürme mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde haben in den vergangenen Jahren viele Bäume im Waldgebiet Solling zerstört - unter anderem im Winter 2018 beim Sturmtief "Frederike". Seitdem ist die Forststrecke dicht, die von Derental zur B497 führt. Derental und Neuhaus sind zwei Gemeinden, die mit der Umgebung ungefähr 3.000 Einwohner haben. Aufgrund der gesperrten Strecke müssen viele von ihnen seit nunmehr fünf Jahren einen großen Umweg fahren.

Direkte Verbindung zwischen den Orten gekappt

Der direkte Weg für viele Autofahrer und Autofahrerinnen ist immer die Forststraße durch den Wald gewesen. Von der Sperrung betroffen ist unter anderem Kai Zimmermann, der seitdem deutlich mehr Geld für Benzin ausgeben muss. Er wohnt in Derental und hat Mietshäuser in Neuhaus. "Das ist ein riesiger Umweg, den ich da nehmen muss", sagte er im Gespräch mit dem NDR in Niedersachsen. Auf der Straße durch den Wald waren es zwölf Kilometer zwischen Derental und Neuhaus. Jetzt muss er 22 Kilometer fahren - zehn Kilometer mehr für jede Strecke. Zimmermann pendelt eigenen Angaben zufolge jeden zweiten Tag zwischen den Ortschaften, manchmal auch öfter. "Was da an zusätzlichen Kosten für Benzin zusammenkommt, möchte ich gar nicht ausrechnen", sagte er.

Die Strecke ist für den Radverkehr weiterhin frei

Die Aufräumarbeiten auf dem Forstweg seien zu aufwendig geworden. Es sei zu gefährlich, die Strecke wieder für alle freizugeben, erklärte das Forstamt Neuhaus. Vor allem in den vergangenen Jahren habe es immer mehr Totholz gegeben, das mit großen Transportern und Lkw abtransportiert werden musste. "Den hohen Standard an die Verkehrssicherheit einer öffentlichen Straße können wir nicht garantieren", teilte der Leiter des Forstamtes, Wolf Ebeling, mit. Es sei eine reine Sicherheitsentscheidung. Die Straße ist ein Privatweg, der nur noch zu forstwirtschaftlichen Zwecken genutzt werde. Der öffentliche Pkw-Verkehr werde nicht mehr geduldet. Für den Radverkehr bleibt die Strecke aber frei.

Unverständnis bei den Einwohnern

Derentals Ortsbürgermeister Günter Rehling (parteilos) sieht die Lage anders. "Es gab immer Forstarbeiten mit Holztransporten und dabei gab es nie Probleme", sagte er. Nach seiner Kenntnis habe es auch nie einen schweren Unfall gegeben. "Ich sehe nicht, dass in den letzten fünf Jahren der Aufwand so viel größer geworden ist und dass diese Sperrung notwendig ist", sagte Rehling. Es gebe zu viele Widersprüche mit dem, was die Einwohner und Einwohnerinnen über Jahre erlebt hätten. Dass Kai Zimmermann mit dem Fahrrad die Strecke fahren könnte, sei auch ein Widerspruch. Denn die Geschwindigkeit sei schon immer auf 40 Kilometer pro Stunde begrenzt gewesen. Zimmermann erkennt in dieser Regelung keinen Sinn: Ein Auto dürfe die Strecke mit Tempo 40 nicht befahren, ein Radfahrer oder E-Bike-Fahrer, der auch bis zu Tempo 40 erreichen könne, dürfe das aber schon. Dabei sei ein Radfahrer doch viel gefährdeter", meint Zimmermann.

Gemeinde hofft auf Kompromiss

Die Landesforsten widersprechen und sagen: Ein Fahrrad sei langsamer und könne einfacher einem Holz-Lkw ausweichen. Die Straße bleibe für Autos gesperrt. Als Eigentümer sei das ihr gutes Recht. Rechtlich scheint das alles so zu sein, räumte auch Derentals Ortsbürgermeister Rehling ein. "Hier geht es aber um den gesunden Menschenverstand", so Rehling. In dieser Woche soll noch ein gemeinsames Gespräch mit dem Forstamt Neuhaus stattfinden. Die Gemeinden hoffen, dass dabei noch ein Kompromiss gefunden wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 27.03.2023 | 15:00 Uhr

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