Das Bild zeigt eine Grabstätte zweier Polizisten im Solling. © NDR

Polizistenmord von 1991: Verurteilter beantragt Entlassung

Stand: 19.01.2021 14:14 Uhr

Vor rund 30 Jahren tötete Dietmar J. im Solling zwei Polizisten. Das Landgericht Hildesheim verurteilte J. zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung. Nun möchte der Doppelmörder entlassen werden.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim bestätigte gegenüber dem NDR in Niedersachsen, das J. im August 2020 einen Antrag auf Haftentlassung gestellt hat. Demnach habe die Strafverfolgungsbehörde widersprochen. Die Entscheidung darüber, ob der heute 59 Jahre alte Mörder der beiden Beamten aus Holzminden und Lüchtringen (Landkreis Höxter) freigelassen wird, trifft allerdings das Landgericht Lüneburg. Gerichtssprecherin Susanne Ehret geht davon aus, dass diese Entscheidung "eher nicht vor den kommenden drei bis vier Monaten" gefällt wird. Die Richter hatten in ihrem Urteil vom Februar 1995 eine besondere Schwere der Schuld festgestellt und Sicherungsverwahrung angeordnet.

Gutachter muss Gefährlichkeit untersuchen

Der Vorgang liegt nun bei der dem Landgericht Lüneburg zugeordneten Auswärtigen Stafvollstreckungsbehörde in Celle. Diese hatte 2010 entschieden, dass J. mindestens 25 Jahre im Gefängnis bleiben muss. "Eine vorzeitige Haftentlassung hängt von der Gefährlichkeit des Verurteilten ab und ob diese fortbesteht", sagte Ehret dem NDR. "Um das beurteilen zu können, wird ein Gutachter beauftragt." Nach Erstellung des Gutachtens gibt es eine Anhörung sowie Stellungnahmen, unter anderem von der Verteidigung. Darüber vergehe einige Zeit. J. ist laut Ehret derzeit in der Justizvollzugsanstalt Celle inhaftiert. Er hat im Dezember 2019 eine gesetzlich vorgeschriebene Haftprüfung aus unbekannten Gründen abgelehnt.

Per Notruf in einen Hinterhalt gelockt

Das Verbrechen im Solling sorgte bundesweit für Aufsehen. Dietmar J. hatte die beiden Beamten in der Nacht zum 12. Oktober 1991 per Notruf auf einen Waldparkplatz bei Boffzen im Landkreis Holzminden gelockt. Dort eröffnete der damals 29 Jahre alte Mann mit einem Sturmgewehr das Feuer auf den Wagen der Fahnder. Wenig später entdeckten Polizisten auf dem Parkplatz Blut und Patronenhülsen, doch von dem Auto und den Kollegen fand sich vorerst keine Spur. Jäger entdeckten das zerschossene und ausgebrannte Fahrzeug Stunden später auf dem Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn.

Leichen sind in Waldstück vergraben

Die Leichen der Beamten blieben verschwunden. Eine Veröffentlichung des Notrufs mit der Stimme des Anrufers führte dann zur Identifizierung von J. als mutmaßlichem Täter. Am 16. Oktober stürmte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei das Haus von J. im Kreis Höxter und nahm ihn und seine beiden Brüder fest. Kurz darauf legte J. ein Geständnis ab und führte die Ermittler zu den toten Beamten, die er in einem Waldstück auf dem Truppenübungsplatz vergraben hatte. Die Dienstwaffen hatte J. in einem Erdversteck verborgen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 19.01.2021 | 13:30 Uhr

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