Ein Aktivist hat sich unter einem Kohlezug an den Schienen festgekettet. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Pistorius kritisiert VW-Blockade von Klima-Aktivisten

Stand: 04.06.2021 21:22 Uhr

Volkswagen hat am Freitagmittag Aktionen einer Klima-Gruppe rund um das Stammwerk in Wolfsburg kritisiert. Inzwischen hat sich auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zu Wort gemeldet.

Pistorius fand deutliche Worte zu dem Eindringen der Aktivisten auf VW-Gelände. "Die Aktionen heute in Wolfsburg oder in der vergangenen Woche in Emden führten teilweise zu einem Millionenschaden und waren mit erheblichen Einschränkungen für völlig unbeteiligte Personen verbunden", sagte Pistorius am Freitag in Hannover. "Wo Gesetze gebrochen und Unbeteiligte in Mitleidenschaft gezogen werden und in das Eigentum anderer eingegriffen wird, muss eine klare Grenze gezogen werden."

VW prüft rechtliche Schritte und Schadenersatz

Der Konzern wies die Vorwürfe der Klima-Aktivisten zurück. VW setze sich aktiv für einen schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien ein und habe sich als erster Autohersteller zu den Pariser Klimazielen bekannt, hieß es in einer Mitteilung. Man sei zu Diskussionen bereit. Das Eindringen auf VW-Gelände sei allerdings illegal. Der Konzern werde rechtliche Maßnahmen und etwaige Schadenersatzansprüche prüfen, hieß es. Der Betrieb sei allerdings so gut wie gar nicht eingeschränkt worden.

Gruppe fordert Mobilitätswende

Aktivisten haben während einer Blockadeaktion ein Transparent an einem Kran auf dem Gelände des VW-Kohlekraftwerks gehisst. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
Aktivisten haben sich unter anderem von einem Kran abgeseilt und an Schienen angekettet.

Rund 40 Aktivisten der Gruppe "Runter vom Gas" hatten sich am Morgen nach eigenen Angaben an einer Baustelle für eine Gasleitung zum Kraftwerk im Landkreis Gifhorn und einem Kraftwerk bei Volkswagen in Wolfsburg getroffen. Einige von ihnen, laut Polizei 14 Personen, seilten sich mit Transparenten von Kohlebaggern ab, andere ketteten sich an Bagger und Schienen fest. Sie forderten eine Mobilitäts- und Verkehrswende mit Lösungen wie einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, autofreie Städte und den Ausbau des Schienennetzes.

Verdacht auf Landfriedensbruch: Polizei leitet Verfahren ein

Am Nachmittag hatten Beamte die angeketteten Protestierenden befreit und die Baustelle geräumt. Gegen einige der Beteiligten leitete die Polizei nach eigenen Angaben Verfahren unter anderem wegen des Verdachts auf den gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr, Landfriedensbruch, Nötigung und Widerstand ein.

Kraftwerk soll bis 2022 auf Gasbetrieb umgerüstet sein

Indes rüstet VW das von der Aktion betroffene Kraftwerk bereits seit Jahren vom Kohle- auf den Gasbetrieb um. Die Umrüstung soll bis 2022 abgeschlossen sein. Das Unternehmen will den CO2-Ausstoß damit um rund 60 Prozent senken.

Emden: Greenpeace stoppt Verladung von Pkw

In der vergangenen Woche hatten Greenpeace-Aktivisten die Verladung von Fahrzeugen in Emden blockiert. Sie zogen mehrere Hundert Schlüssel ab und brachten einen Teil davon mit einem Boot an einen unbekannten Ort. Die Polizei ermittelt.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 04.06.2021 | 15:00 Uhr

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