Stand: 20.10.2019 09:15 Uhr

Neue Attacke gegen "Bündnis gegen Rechts"-Sprecher

Unbekannte haben in der Nacht zu Sonnabend erneut die Haustür des Mehrfamilienhauses, in dem David Janzen, Sprecher des Braunschweiger "Bündnis gegen Rechts" wohnt, beschmiert. Ein Foto davon hat Janzen auf Twitter veröffentlicht. Eine Sprecherin der Polizei in Braunschweig bestätigte NDR.de den Vorfall. Gegen 1.30 Uhr sei bei der Polizei ein Hinweis eingegangen, dass die Haustür mit einer roten, zähflüssigen Substanz beschmiert worden sei. Die Kriminalpolizei sei vor Ort gewesen und habe die Spuren gesichert, sagte die Sprecherin. Die Substanz werde untersucht, vermutlich handele es sich um Ketchup.

"Sind bemüht, weitere Straftaten zu verhindern"

Ob - und wenn ja welche - Konsequenzen die Polizei aus dem Vorfall zieht, wollte die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Die Polizei sei in Kontakt zu Janzen. "Wir bewerten die Lage täglich neu und sind bemüht, weitere Straftaten zu verhindern", so die Sprecherin. Wer für die jüngste Schmiererei verantwortlich ist, sei Gegenstand der Ermittlungen.

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Attacken gegen "Bündnis gegen Rechts"

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Was ist los in Braunschweig? Erneut ist die Haustür von David Janzen, Sprecher des "Bündnis gegen Rechts", beschmiert worden. Hat die Stadt ein Naziproblem? Video (01:45 min)

Kritik an Arbeit der Polizei

Janzen warf der Polizei dagegen vor, zu wenig zu tun. Die Ermittler seien "offensichtlich nicht in der Lage oder nicht Willens, Menschen ausreichend zu schützen, die sich gegen Rechts engagieren und deshalb von Neonazis bedroht werden", teilte er mit. Nach den Angriffen der vergangenen Tage sei mit weiteren Attacken zu rechnen gewesen. Das "Bündnis gegen Rechts" werde nun darüber nachdenken, selbst für den nötigen Schutz zu sorgen, so Janzen. Zugleich werde das Bündnis politisch Druck machen. Eine Polizeisprecherin sagte, die Polizei treffe alle geeigneten und erforderlichen Maßnahmen, um weiteren Straftaten vorzubeugen. "Wir haben Herrn Janzen im Auge und stehen mit ihm in Kontakt."

Ver.di: Braunschweig tut zu wenig

Unterstützung bekommt Janzen von der Gewerkschaft ver.di: "Seit Jahren laufen in unserer Stadt gewalttätige Rechtsextremisten herum, greifen Menschen an, beschmieren Wände und Mauern mit Nazisymbolen und Nazipropaganda und bedrohen alle, die ihrem Menschenbild nicht entsprechen", sagte Geschäftsführer Sebastian Wertmüller am Sonnabend. Es fehle in Braunschweig an Institutionen und Einrichtungen zur Demokratieförderung und gegen Diskriminierung. "Seit Jahren steht die Forderung nach einer unabhängigen Antidiskriminierungsstelle im Raum, seit Jahren fehlt eine Anlaufstelle für von rechter Gewalt Betroffene und seit Jahren zeigt man wenig Energie, wenn es um das Auftreten von Rechten geht", so Wertmüller weiter.

Säurehaltige Flüssigkeit im Briefkasten

Bereits am Donnerstag war die Eingangstür des Wohnhauses mit einer roten Flüssigkeit bespritzt worden. Janzens Angaben zufolge wurde zudem eine säurehaltige Flüssigkeit in seinen Briefkasten gekippt. Am Haus hätten zudem mehrere Sticker rechter Gruppierungen geklebt. Entsprechende Fotos hatte Janzen via Facebook veröffentlicht. Er forderte ein konsequenteres Vorgehen der Behörden. Janzen war nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke bereits mehrfach von Mitgliedern der rechten Szene mit dem Tod bedroht worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 19.10.2019 | 16:00 Uhr

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