Stand: 12.10.2016 15:31 Uhr

Vor 25 Jahren: Tödlicher Hinterhalt im Solling

Am Abend klingelt das Telefon in der Wache der Polizei Holzminden. Ein Mann meldet sich. "Gut'n Tach, Meier mein Name. Ich hab'n Wildunfall gehabt", sagt er. Zwei Beamte machen sich auf den Weg. Es ist der 12. Oktober 1991. Die beiden Polizisten, Andreas Wilkending und Jörg Lorkowski, 34 und 30 Jahre alte Familienväter, sind kurz darauf tot. Dietmar J., ein damals 29 Jahre alter Maschinenschlosser aus Bredenborn im Landkreis Höxter (Nordrhein-Westfalen), lockt sie in einen Hinterhalt und erschießt sie mit einem Schnellfeuergewehr. Neun Kugeln treffen die Polizeibeamten. Das Gewehr hat der Täter zuvor bei einem Überfall auf einen Soldaten erbeutet.

Taucher, Hubschrauber und Militärjets im Einsatz

Dietmar J. wurde 1995 vom Landgericht Hildesheim zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Doch es dauerte lange, bis die Ermittler ihm auf die Schliche kamen. Vorangegangen war eine der größten Suchaktionen der Polizeigeschichte. August-Wilhelm Winsmann, damals Leiter der Nachtschicht bei der Holzmindener Polizei, wurde stutzig, als seine Streife sich nicht zurückmeldete. Er schickte weitere Kollegen an den vermeintlichen Unfallort, einen Waldparkplatz. "Dort war zunächst überhaupt nichts zu entdecken", berichtet Winsmann. Erst als der Parkplatz ausgeleuchtet wurde, fand die Polizei im Scheinwerferlicht erste Hinweise auf ein Verbrechen: Blutspritzer und eine Patronenhülse. Doch vom Polizeiauto und den beiden Beamten fehlte jede Spur. Wie auch von dem oder den Tätern. Tausende Einsatzkräfte wurden alarmiert, Taucher und Hubschrauber unterstützten die Suche. Sogar britische Militärjets waren dabei.

Die heiße Spur

Das Polizeiauto wurde einen Tag später gefunden, ausgebrannt auf einem Truppenübungsplatz bei Bielefeld. Doch erst die Ausstrahlung des eingegangenen Notrufs brachte die ersehnte heiße Spur. "Ein Mitarbeiter der JVA Brackwede erkannte offensichtlich genau diese Stimme. Es handelte sich um jemanden, der schon mal in der JVA eingesessen hatte", so Winsmann. Vier Tage später nahm ein Spezialeinsatzkommando Dietmar J. fest, außerdem zwei seiner Brüder. Einer der beiden erhielt später eine zehnjährige Haftstrafe wegen Beihilfe, der andere bekam eine Bewährungsstrafe - allerdings wegen anderer Delikte. Dietmar J. legte zuvor ein Geständnis ab und verriet den Ort, an dem die Leichen der Polizisten verscharrt worden waren.

Persönliche Niederlagen - J. gab Polizei die Schuld

Es war "allgemeiner Hass auf Polizisten", der Dietmar J. zu seiner Tat trieb. So stellte es das Landgericht Hildesheim 1995 fest. Der Maschinenschlosser war Waffen- und Jagdnarr. Nach Angaben des Gerichts wuchs er in problematischen Verhältnissen auf, lebte offenbar isoliert und ohne große soziale Kontakte. Seinen Nebenjob als Jagdaufseher hatte er zuvor verloren. Der Grund war offenbar ein Streit mit dem Pächter. Es folgten unterschiedliche Straftaten, darunter Wilderei. Die Folge: J. verlor auch seine Jagdberechtigung und seine Waffenerlaubnis. Die Schuld gab er offenbar der Polizei. Seine Wut auf Polizisten wuchs immer weiter - und gipfelte schließlich in dem Doppelmord.

Polizisten gedenken ihrer Kollegen

Am Tatort und im Holzmindener Polizeigebäude erinnern Steintafeln an die getöteten Beamten. Heute gedenkt die Polizei in Holzminden mit einer nicht öffentlichen Feier ihrer ermordeten Kollegen. Dietmar J. sitzt noch immer in Haft. Es sei nicht zu erwarten, dass er in absehbarer Zeit auf freien Fuß kommt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim.

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Aktuell | 12.10.2016 | 08:00 Uhr

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