Stand: 03.06.2018 09:30 Uhr

Tausende protestieren friedlich gegen rechts

Rund 3.000 Menschen haben am Sonnabend in Goslar gegen eine Veranstaltung von Rechtsextremen protestiert. Sie zogen ab dem Morgen durch die Stadt und versammelten sich am Nachmittag zu einer Kundgebung. Die Rechtsextremen starteten ihre Kundgebung gegen "überfremdung" am Mittag und marschierten anschließend durch den Stadtteil Georgenberg. Anlass war der sogenannte Tag der deutschen Zukunft. Laut Polizei nahmen insgesamt etwa 260 Personen teil.

Demonstranten in Goslar tragen ein Banner, auf dem "Kein Platz für Rassismus!" steht.

Demo in Goslar: Tausende geben Neonazis Kontra

Hallo Niedersachsen -

Etwa 260 Neonazis wollten in Goslar gegen "Überfremdung" demonstrieren. Das rief rund 3.000 Gegendemonstranten auf den Plan, darunter auch Ex-Außenminister Sigmar Gabriel.

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Anschlag auf Bahnstrecke

Viele der Rechten waren mit Zügen angereist. Einige wurden dabei offenbar aufgehalten: Auf der Bahnstrecke zwischen Halberstadt (Sachsen-Anhalt) und Goslar hatten Unbekannte nach Angaben der Bundespolizei bei Ilsenburg (Sachsen-Anhalt) Kabel in einem Kabelschacht in Brand gesetzt, einen brennenden Reifen ins Gleis gelegt und Beton auf eine Schiene gegossen. Die Strecke wurde für mehrere Stunden gesperrt. Ob der Anschlag mit den Veranstaltungen in Goslar im Zusammenhang stand, werde geprüft. Am Einsatzort fanden die Beamten einer Sprecherin zufolge einen Zettel mit der Aufschrift "Stellt den Bahnverkehr ein". Die Buchstaben seien aus Zeitungen ausgeschnitten worden.

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Demo gegen rechten Aufmarsch in Goslar

Im Goslar haben am Sonnabend etwa 3.000 Menschen gegen eine Demonstration von rund 260 Rechtsextremen protestiert. Die Veranstaltungen blieben friedlich. (02.06.2018) Bildergalerie

Friedlicher Protest - mit Ex-Außenminister

Unter die Gegendemonstranten in Goslar mischte sich auch der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). "Die rechtsradikalen Gruppen, die sich heute in meiner Heimat Goslar treffen, sind nicht Deutschland. Im Gegenteil: WIR sind Deutschland", schrieb Gabriel auf Twitter. Beteiligt am Protest waren auch Gewerkschaften, Kirchen und Parteien. Organisator Michael Ohse hatte gegenüber NDR 1 Niedersachsen eine friedliche Aktion angekündigt: Man wolle "mit Familien mit Kindern und einfach allen ein Fest für Toleranz und Vielfalt auf die Beine stellen". Auch die Polizei hatte beide Seiten dazu aufgerufen, sich friedlich zu verhalten. Um Gewalt gar nicht erst zu ermöglichen, wurden die Teilnehmer aus der bundesdeutschen rechten Szene von den Gegendemonstranten strikt getrennt. Etwa 2.000 Polizisten waren in Goslar vor Ort, es war der größte Einsatz in der Geschichte der Stadt. Größere Zwischenfälle blieben aus. Nur in einem Fall wendeten Beamte laut Polizei "körperlichen Zwang" an, als einige Demonstranten eine Polizeisperre durchbrechen wollten. Zwei Personen seien vorübergehend in Gewahrsam genommen worden.

Kritik an Stadt und Polizei

Zur Gegendemo aufgerufen hatte das "Bündnis gegen Rechtsextremismus" aus Goslar. Dieses hatte zuvor Kritik an Politik und Polizei geäußert. Sowohl die Polizeiführung als auch Teile der Stadtverwaltung würden davon ausgehen, "dass von unseren Gegenprotesten eine größere Gefahr ausgeht als von den Neonazis", hieß es in einer Mitteilung. Die Stadt Goslar hätte den Aufmarsch der Rechten durch den Stadtteil Georgenberg verbieten und ihnen lediglich einen kleinen Platz am Bahnhof zuweisen sollen, so das Bündnis.

Rechte wollen in die "Reichsbauernstadt"

Rechtsextreme Parteien und Organisationen veranstalten seit zehn Jahren in unterschiedlichen Städten den sogenannten Tag der deutschen Zukunft. Er gilt als größtes Vernetzungstreffen der deutschen Neonazi-Szene. Vor knapp einem Jahr wurde verkündet, dass zum Jubiläum die Zusammenkunft in der "Reichsbauernstadt" Goslar stattfinden solle. "Reichsbauernstadt" war der nationalsozialistische Titel für Goslar in den Jahren 1936 bis 1945.

Kundgebung in Hildesheim fällt aus

Eine rechte Kundgebung mit etwa 200 Teilnehmern war nach Angaben der Polizei für Sonnabendnachmittag auch auf dem Bahnhofsvorplatz in Hildesheim angemeldet. Wie die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" berichtete, versammelten sich einige Gegendemonstranten am Bahnhof und blockierten die Ausgänge. Aus einem Zug aus Goslar stiegen dann jedoch laut Bericht nur drei Rechtsextreme - die Bundespolizei schickte diese mit einem anderen Zug weiter und baute ihre Sperren auf dem Bahnhofsvorplatz wieder ab.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.06.2018 | 18:00 Uhr

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