Göttinger entwickeln Corona-Antikörper mithilfe von Alpakas

Stand: 28.07.2021 20:46 Uhr

Ein Team des Göttinger Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie und der Uniklinik hat nach eigenen Angaben hochwirksame Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt. Sie stammen aus Alpakas.

Die im Labor entwickelten Wirkstoffe docken an der Oberfläche des Coronavirus an und machen es unschädlich. Derzeit bereiten die Göttinger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler klinische Tests für ihr Medikament vor. Die Mini-Antikörper, sogenannte Nanobodies, sollen das Virus 1.000-Mal besser neutralisieren als zuvor entwickelte Antikörper. "Sie vereinen erstmals extreme Stabilität und höchste Wirksamkeit gegen das Virus und dessen Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Varianten", sagte Institutsdirektor Dirk Görlich.

Nanobodies halten hohe Temperaturen aus

Die Mini-Antikörper können den Angaben zufolge auch extreme Hitze überstehen. So könnten sie im Körper lange genug aktiv bleiben, um zu wirken. Temperaturstabile Nanobodies ließen sich außerdem einfacher herstellen, verarbeiten und lagern. So könne man das Mittel kostengünstig und schnell in großen Mengen herstellen, um den weltweiten Bedarf an Covid-19-Medikamenten zu decken.

Mit drei Alpakas fing alles an

Die Alpakas Britta, Nora und Xenia gucken in die Kamera. © Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie/Carmen Rotte Foto: Carmen Rotte
Die Alpakastuten "Britta", "Nora" und "Xenia" haben einen wichtigen Anteil an der Gewinnung der sogenannten Nanobodies.

"Nanobodies stammen aus Alpakas und sind deutlich kleiner und einfacher aufgebaut als herkömmliche Antikörper", sagte Görlich. Das Forscherteam habe den drei Alpakas "Britta", "Nora" und "Xenia" aus der Herde am Max-Planck-Institut mehrmals einen Teil des Spike-Proteins des Coronavirus injiziert, teilten die Forschenden mit. Die Tiere bildeten daraufhin Antikörper gegen diesen Proteinteil. Anschließend wurde ihnen eine kleine Menge Blut entnommen. Die Belastung für die Tiere sei sehr gering, heißt es: "Die weiteren Schritte erfolgen mithilfe von Enzymen, Bakterien, sogenannten Bakteriophagen und Hefen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 27.07.2021 | 06:30 Uhr

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