Stand: 04.06.2020 19:23 Uhr

Göttingen: Corona-Massentest startet am Freitag

Das Iduna-Zentrum in Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner
Der Schwerpunkt des Corona-Ausbruchs in Göttingen liegt in diesem Hochhaus am Rand der Innenstadt.

Nach dem Corona-Ausbruch in Göttingen will die Stadt am Freitag einen Massentest starten. Bis Sonntag sollen alle Bewohner des am stärksten betroffenen Hochhauskomplexes auf Infektionen mit dem Coronavirus untersucht werden, teilte Sozialdezernentin Petra Broistedt am Donnerstagabend auf einer Pressekonferenz mit. In der Anlage sind rund 600 Menschen gemeldet. Die Verwaltung geht aber davon aus, dass dort sehr viel mehr Personen leben. Die Stadt will zur Not mit Hilfe der Polizei durchsetzen, dass alle Bewohner zu dem Test erscheinen.

VIDEO: Göttingen verschärft erneut Corona-Maßnahmen (2 Min)

Schulen und Sportvereine dicht

Die Zahl der Corona-Infizierten in diesem Zusammenhang ist nach Angaben der Stadt auf 120 Personen gestiegen. Das Virus hatte sich infolge von Familienfeiern verbreitet. Knapp 220 Menschen seien als Kontaktpersonen ersten Grades in Quarantäne, so die Stadt. Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hat die Stadt das öffentliche Leben in Teilen wieder eingeschränkt. Vereine, die Mannschafts- oder Kontaktsportarten betreiben, müssen den Betrieb einstellen. Denn viele Kontaktpersonen sind nach Angaben der Stadt in den Vereinen aktiv. Darüber hinaus sind alle Schulen in der Stadt bis einschließlich Sonntag geschlossen. Auch fünf Kindergärten und mehrere Schulen im Landkreis dürfen erst in der kommenden Woche wieder öffnen.

Mitarbeiter in Pflegeheim infiziert

Außerdem müssen am Freitag knapp 250 Bewohner und Mitarbeiter eines Göttinger Altenheims auf das Coronavirus getestet werden. Dort war am Mittwoch bei einem Mitarbeiter eine Infektion mit dem Virus festgestellt worden. Zudem darf ein Freibad nicht mehr öffnen, weil dort ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Mobiles Testzentrum im Hochhaus

Für die Untersuchungen in dem Hochhauskomplex soll ein mobiles Testzentrum aufgebaut werden, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Hausverwaltung wurde darüber hinaus aufgefordert, ein Hygienekonzept für das Gebäude zu erstellen und umgehend vorzulegen. "Es sind dort mehrere große Familienverbände - nicht einer, sondern mehrere - Verursacher dieser Situation", sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) am Dienstagabend.

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Polizeibeamte stehen vor einem Hochhaus in Göttingen. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

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Verstöße bei Feiern und in Shisha-Bar

Die besagten Feiern hatten zum Zuckerfest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan stattgefunden. Dabei war es laut Oberbürgermeister zu Verstößen gegen Hygiene- und Abstandsregeln gekommen - allerdings nicht in Moscheen, sondern bei "privaten Begrüßungen und Feierlichkeiten", so Köhler weiter. Auch eine Shisha-Bar habe eine "nicht unwesentliche Rolle" gespielt. Dort sollen mehrere Personen mit einem Mundstück geraucht haben. Ob die Verstöße strafrechtliche Konsequenzen haben, ist noch offen. Die Stadt sei vorerst damit beschäftigt, die Infektionsketten nachzuvollziehen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Wenn sie etwas mehr Luft haben, werden sie entscheiden, gegen wen Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet und gegen wen Strafanzeigen erstattet werden sollen."

Weitere Infektionen in Niedersachsen

In Niedersachsen hat es jüngst weitere große Coronavirus-Ausbrüche gegeben: Im Landkreis Leer hatten sich Mitte Mai bei einer Feier zur Wiedereröffnung eines Restaurants 39 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 281 Menschen aus diesem Umfeld befinden sich in Quarantäne. In Cuxhaven und Bremerhaven haben sich mindestens Dutzende Angehörige einer freikirchlichen Gemeinde mit dem Virus infiziert. Auch dort befindet sich eine dreistellige Zahl von Personen in Quarantäne. Bremerhaven hat am Donnerstag den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner überschritten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.06.2020 | 07:00 Uhr

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