Stand: 04.06.2020 18:59 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Ermittler gehen im Fall "Maddie" von Tötung aus

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Die Eltern von Madeleine Beth McCann wissen nichts über das Schicksal ihrer Tochter, die 2007 als Dreijährige an der Algarve verschwand.

Im Fall der vor 13 Jahren in Portugal verschwundenen Madeleine Beth McCann, genannt "Maddie", ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen Mordverdachts gegen einen 43-jährigen Deutschen. "Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist", sagte der Erste Staatsanwalt Hans Christian Wolters am Donnerstag bei einem Pressestatement. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die Ermittlungen übernommen, weil der Beschuldigte vor seinem Auslandsaufenthalt seinen letzten Wohnsitz in diesem Gerichtsbezirk hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA) und in Kooperation mit der britischen und portugiesischen Polizei.

Verdächtiger wegen Sexualdelikten vorbestraft

Der Verdächtige sei mehrfach wegen Sexualstraftaten - auch an Kindern - vorbestraft und sitzt aktuell in Kiel im Gefängnis. Mit Hinweis auf die aktuellen Ermittlungen sagte der Staatsanwalt nichts über Einzelheiten zu den Tatvorwürfen oder zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen. Die damals dreijährige "Maddie" war im Mai 2007 aus einer Ferienanlage in Portugal verschwunden. Der Fall hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Erste Hinweise schon vor sieben Jahren

Der Fall "Maddie" war am Mittwochabend Thema in der Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Auf die Spur des Tatverdächtigen waren die Ermittler bereits im Oktober 2013 gekommen, nachdem der Fall in der ZDF-Sendung behandelt worden war. "Die damaligen Informationen reichten nicht für Ermittlungen aus und schon gar nicht für eine Festnahme", sagte ein BKA-Ermittler in der Sendung. Auch ein weiterer Hinweis im Jahr 2017 habe noch nicht ausgereicht.

Drogenhandel und Einbrüche für den Lebensunterhalt?

Der Beschuldigte lebte den Angaben des BKA zufolge zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. In letzterem Ort lag die Ferienanlage, in der Familie McCann untergekommen war. Der damals etwa 30-jährige Verdächtige habe in dieser Zeit mehrere Gelegenheitsjobs gehabt, unter anderem in der Gastronomie. Zudem gibt es den Behörden zufolge Anhaltspunkte, dass er seinen Lebensunterhalt durch Einbruchsdiebstähle in Hotelanlagen und Ferienwohnungen sowie Drogenhandel bestritten hat. Das BKA hofft auf nun weitere Hinweise zu dem Fall und hat ein Portal für Hinweise zur Aufklärung der Tat eingerichtet. Dort hat die Behörde unter anderem Fotos von zwei möglichen Tatfahrzeugen veröffentlicht.

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Nachbarin beschreibt Verdächtigen als "aggressiv"

Eine frühere Nachbarin aus Portugal hat den Verdächtigen in einem Interview mit dem britischen Sender Sky News als aggressiv beschrieben. Im Jahr 2006 sei er aus seiner Unterkunft verschwunden. Die Polizei geht aber davon aus, dass er sich weiterhin in der Umgebung aufhielt. Die Nachbarin half eigenen Angaben zufolge beim Aufräumen seiner ehemaligen Unterkunft. Dort habe sie Perücken und "seltsame Kleidungsstücke" - möglicherweise für Kostümierungen, gesehen, sagte sie dem Fernsehsender.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.06.2020 | 12:00 Uhr

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