Stand: 02.04.2019 14:23 Uhr

Erdkabel-Test: Forscher simulieren Stromtransport

Bei Göttingen wollen Wissenschaftler herausfinden, welche Auswirkungen unterirdische Stromtrassen auf die Vegetation haben.

Der Windstrom muss vom Norden in den Süden - aber viele Bürger protestieren gegen riesige Höchstspannungs-Freileitungen. Aber auch die Alternative Erdkabel ist umstritten. Nun untersuchen Wissenschaftler der Universität Göttingen erstmals, wie sich unterirdische Stromtrassen auf die Böden auswirken. Südlich von Göttingen entsteht daher am Versuchsgut Reinshof ein Testfeld, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Auf einer Strecke von rund 100 Metern werden in fünf Metern Tiefe zwei unterirdische Trassen angelegt. Anschließend soll die zu erwartende Wärme simuliert werden. Auf fünf verschiedenen Versuchsflächen werden über Sensoren die Auswirkungen auf Wasserhaushalt und Bodentemperatur gemessen.

Tennet baut Erdkabel-Testfeld

Netzbetreiber ist Projekt-Auftraggeber

Die Untersuchungen der Agrarwissenschaftler sollen Aufschluss darüber geben, wie sich der Boden verändert, wenn er ausgebaggert und anschließend wieder verfüllt wird. Zudem soll auf dem Feld Getreide angepflanzt werden, um zu untersuchen, ob es durch die Wärme abstrahlenden Kabel zu Ernteeinbußen kommen könnte. Das Projekt ist auf sechs Jahre angelegt. Auftraggeber ist der Netzbetreiber Tennet. Ab dem Spätsommer sollen bei Salzgitter Erdkabel der Stromtrasse verlegt werden. Diese Trasse führt teils unterirdisch vom niedersächsischen Wahle im Landkreis Peine ins hessische Mecklar. Sie kostet nach Angaben von Tennet eine Milliarde Euro und soll Ende 2021 in Betrieb gehen. Die Strom-Autobahnen - unter anderem SuedLink - sollen künftig Windstrom von Norddeutschland in den Süden der Bundesrepublik bringen.

Stadt Einbeck klagt gegen oberirdischen Trassenverlauf

Ein Streit über den Verlauf der Trasse von Wahle nach Mecklar beschäftigt heute zudem das Bundesverwaltungsgericht. Die Stadt Einbeck hat gegen den Trassenverlauf geklagt. Im Rathaus sieht man sich in der kommunalen Planungshoheit verletzt. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte in ihrem Entwurf den Verlauf für Überlandstromkabel über städtische Flächen geführt. Das sei ein Verfahrensfehler, heißt es in der Klage. Gefordert wird nun, dass der Planfeststellungsbeschluss aufgehoben wird. Es könne aber auch der Verlauf der Trasse geändert werden oder der Strom über Erdkabel geführt werden. Zwei private Grundstückseigentümer haben sich dieser Klage angeschlossen. Ein Urteil könnte am Nachmittag fallen.

Weitere Informationen
00:21

Erdkabel auf dem Prüfstand

Die Uni Göttingen und der Stromnetzbetreiber Tennet testen, wie sich unterirdische Leitungen auf Pflanzen auswirken. Tennet plant eine 230 Kilometer lange Stromtrasse. (02.04.2019) Video (00:21 min)

Stromtrasse SuedLink: Da soll's langgehen

Die Betreiber von SuedLink haben ihren Trassenverlauf-Vorschlag vorgestellt. Demnach soll die Leitung westlich von Hannover verlaufen. Das letzte Wort hat aber die Bundesnetzagentur. (21.02.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.04.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

06:08
Hallo Niedersachsen
04:52
Hallo Niedersachsen
03:29
Hallo Niedersachsen