Blick auf die Salimya-Moschee in Göttingen. © picture alliance/imageBROKER Foto: Thomas Robbin

Antisemitismus-Vorwürfe: DITIB-Vorsitzender tritt zurück

Stand: 04.03.2021 16:37 Uhr

Der Vorsitzende des deutsch-islamischen Moscheeverbandes (DITIB) in Göttingen, Mustafa Keskin, ist von seinem Amt zurückgetreten. Er soll Hassbotschaften gegen Juden und Armenier verbreitet haben.

Keskin wies den Antisemitismus-Vorwurf zurück. Er kündigte juristische Schritte an. Die Vorwürfe stammen von der sozialistischen Jugendorganisation "Die Falken". Keskin soll israelische Soldaten etwa als "jüdische Hunde" bezeichnet haben. Einige seiner Posts suggerierten, dass Juden und Israelis gezielt Kinder töten würden. Außerdem habe er mehrfach das Erkennungszeichen der islamistischen Muslimbruderschaft verwendet. Im WhatsApp-Profil habe der Ex-Ditib-Vorstand ein Bild verwendet, das Donald Trump und Joe Biden als Marionette des Investmentbankers Jacob Rothschild darstelle. Die Familie Rothschild dient in antisemitischen Verschwörungsmythen als Platzhalter für "die Juden", die vermeintlich Finanzmärkte und Regierungen steuern sollen.

Keskin: Kritik an Israels Politik

Mustafa Keskin bei einer Kundgebung des DGB. © NDR Foto: Wieland Gabcke
Der Göttinger DITIB-Vorsitzende hat sein Amt niedergelegt. (Archivbild)

Keskin gab an, dass er mit seinen Beiträgen nur die israelische Politik kritisieren wollte. Er war jahrelang im interreligiösen Dialog engagiert und beteiligte sich unter anderem am "Runden Tisch der Religionen Abrahams".

Verband distanziert sich

Der Verband hat sich am Donnerstag unterdessen von den Äußerungen Keskins distanziert. "Keine der Postings und Meinungen des besagten Vorsitzenden kann auch nur ansatzweise eine Haltung wiedergeben, die bei einem DITIB-Funktionär Duldung finden könnte", sagte der Abteilungsleiter im Bundesverband, Zekeriya Altuğ. Der Verband habe den sofortigen Rücktritt gefordert. Die Vorfälle sollen nun aufgearbeitet werden.

Wofür steht DITIB?

DITIB ist eine Abkürzung für "Diyanet İşleri Türk İslam Birliği", auf Deutsch: "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion". Der größte islamische Dachverband bundesweit hat seinen Sitz in Köln und umfasst rund 900 Moscheegemeinden. Das Ziel von DITIB ist es nach eigenen Angaben, Muslimen einen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zu geben und einen Beitrag zur Integration zu leisten. Neben Gemeindezentren organisiert der Verein Bildungs-, Sport- und Kulturangebote. Immer wieder wird allerdings kritisiert, dass die DITIB der türkischen Religionsbehörde unterstehe und eine zu große Nähe zum türkischen Staat und der regierenden AKP von Präsident Erdogan habe.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 04.03.2021 | 08:30 Uhr

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