Stand: 03.06.2017 12:10 Uhr

360-Grad-Blick von der Rekord-Hängebrücke

von Tino Nowitzki

Die Hängebrücke über das Rappbode-Tal ist momentan eine der gefragtesten Attraktionen im Harz: Offizielle Besucherzahlen will der Betreiber Harzdrenalin zwar nicht herausgeben. Die Erwartungen seien aber erfüllt worden, heißt es auf Anfrage. Einen Rekord hat das Bauwerk mindestens schon gebrochen: Anfang Mai eröffnet, ist die "Titan RT" - RT für Rappbodetalsperre mit 458,5 Metern die derzeit längste Seilhängebrücke der Welt. Damit hat sie ihre Verwandten im russischen Sotschi (439 Meter) und im österreichischen Reutte (406 Meter) hinter sich gelassen. Weil das Bauwerk aber auch 100 Meter über dem Flüsschen Rappbode schwebt, ist sie für Menschen mit Höhenangst eine ordentliche Herausforderung. NDR.de war wagemutig und ist mit einer 360-Grad-Kamera auf der Hängebrücke unterwegs gewesen. Sehen Sie hier den Rundumblick von der "Titan RT".

360°-Video: Einmal über die Rappbodetal-Brücke

Vor rund einem Monat wurde die längste Hängebrücke der Welt im Harz für Fußgänger eröffnet. Kommen Sie mit uns entlang der Talsperre in diesem 360-Grad-Video.

Von Bungee-Plänen zur Hängebrücke

Dabei war der Superlativ "längste Hängebrücke der Welt gar nicht das erklärte der Ziel der beiden Harzdrenalin-Chefs Maik und Stefan Berke. Normalerweise bieten sie unter ihrer Marke Freizeit-Erlebnisse für Nervenkitzel-Suchende an, bei denen man eine Staumauer herunter laufen oder an einem Seil über die Rappbode sausen kann. Vor der Hängebrücke selbst habe dann auch die Idee eines Pendelsprungs gestanden, sagt Maik Berke: Eine Art Bungee-Sprung, bei dem das Seil am Ende nicht straff gezogen wird sondern sich der Springer nach dem freien Fall wie ein Uhrenpendel hin und her wiegt. Berke: "Dafür brauchten wir aber eine Brücke, auf der das möglich ist". Die Spannweite des Rappbodetals habe letztlich dann die Länge des Bauwerks bestimmt: Allein die unmittelbar benachbarte Staumauer der Rappbode-Talsperre misst eine Kronenlänge von 415 Metern. Ingesamt ist die "Titan RT" sogar 483 Meter lang: 458,5 Meter hängen frei, weitere 24,5 Meter reichen auf beiden Seiten über die Talkante hinaus.

Schaukelnd über den Abgrund

Knifflige Bauarbeiten

Dreieinhalb Jahre Planung und zehn Monate Bauzeit brauchte es, bis die Brücke in diesem Frühjahr fertig geworden ist. Konstruiert wurde sie von der Tiefbau-Firma HTB aus Österreich. Dort hat man zwar bereits Erfahrung im Bau von Hängebrücken. Die "Titan RT" habe dann aber doch eine andere Dimension gehabt, sagt Bauleiter Manuel Thurner von HTB. Vor allem die Witterungsverhältnisse seien schwierig gewesen, denn die Bauarbeiten fanden größtenteils im Winter statt. Im Dezember begannen die Brückenspezialisten damit, ein dünnes Nylonseil durch das Rappbode-Tal zu ziehen. An diesem entlang wurden zwei Montage-Seile geführt, die einen Korb für die Bauteile tragen konnten. "Wir mussten den Korb speziell entwickeln", sagt Thurner. Grund sei der enge Zeitplan gewesen, damit die Brücke im Mai eröffnet werden konnte. Insgesamt wurden 120 Tonnen Stahl verbaut - ein Gewicht, das an einer Hängebrücke an nur zwei Enden und ohne zusätzliche Pfeiler gehalten werden muss. 24 Zug-Anker trieben die Österreicher deswegen bis zu 25 Meter tief in das Felsgestein des Rappbode-Tals. Jede Befestigung hält eine Last von 1.000 Tonnen aus.

Sicher auch bei Wind

Denn tragen muss die Hängebrücke eine Menge: Zwar achtet der Betreiber darauf, dass nie mehr als 210 Personen gleichzeitig auf ihr spazieren. Allerdings gibt es in luftiger Höhe noch Winde, die an dem Bau zerren. Zur Sicherung flankieren die Brücke deshalb sogenannte Windseile, die für die nötige Stabilität sorgen sollen. Zusätzlich sei die "Titan RT" auf alle Windlasten getestet worden, versichert Maik Berke von Harzdrenalin. Erst ab Windstärke 6 - also bei etwa 39 bis 49 km/h - werde die Brücke gesperrt. Auch bei Gewitter dürfen zur Sicherheit keine Besucher mehr drauf. Zusätzlich gibt es Warnschilder, die über das Verhalten bei bestimmten Wetterlagen informieren. Die Brücke schaukelt natürlich trotzdem. "Das ist durchaus erwünscht und sollte bei einer Hängebrücke nicht fehlen", sagt Berke. Ein 1,30 Meter hohes Geländer soll verhindern, dass dabei jemand herunterfällt. Nutzungs-Verbote gibt es auf der "Titan RT" derweil nicht. "Außer für sperrige Gegenstände, Stühle oder Radau-Macher", scherzt Berke.

Immenses Parkplatz-Problem

Der Besucheransturm in den ersten Wochen nach Eröffnung der Brücke hat für die Betreiber derweil auch einen kleinen Wermutstropfen: Regelmäßig kommt es zu Engpässen auf dem Parkplatz an der Rappbode-Talsperre. "Selbst vor Harzdrenalin war der Parkplatz zu Stoßzeiten regelmäßig überlastet", sagt Berke. Durch den neuen Besucherstrom sei dies aber stärker und häufiger zu erwarten. Um neue Parkplätze bauen zu können, haben die Betreiber schon vor der Brücken-Öffnung Gespräche mit der zuständigen Kommune, der Stadt Oberharz am Brocken, geführt. Laut Bürgermeister Frank Damsch (SPD) wolle man eine schnelle Lösung der Parkplatz-Frage voran treiben. So soll in der nächsten Stadtratssitzung am 13. Juni über einen Bebauungsplan abgestimmt werden. Allerdings: Nichts geht ohne die Zustimmung des Landes Sachsen-Anhalt, denn ihm gehören die Flächen um die Rappbode-Talsperre. Aktuell laufen Gespräche zwischen den Berkes und dem Land. Die Betreiber wollen in der Zwischenzeit versuchen, einen Shuttle-Verkehr einzurichten.

Dieses Thema im Programm:

Nordtour | 26.05.2017 | 15:37 Uhr

Startschuss für die längste Seilbrücke der Welt

An der Rappbodetalsperre im Oberharz können Fußgänger ab sofort über die weltweit längste Hängeseilbrücke laufen. Die Brücke ist 483 Meter lang und hundert Meter hoch. (07.05.2017) mehr

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