Stand: 04.01.2015 11:18 Uhr

Stillgelegte Gleise: Wo fahren bald wieder Züge?

Nachdem jahrelang immer mehr Menschen vom Zug auf das Auto umgestiegen sind, geht der Trend inzwischen wieder in die andere Richtung. In Niedersachsen sollen deshalb stillgelegte Bahnstrecken reaktiviert werden, wie Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) im März ankündigte. Acht Strecken wurden ausgesucht, die in den vergangenen Monaten genauer untersucht wurden. "Anfang 2015 ist die externe Begutachtung abgeschlossen", gab Lies nun bekannt. Aus den acht Kandidaten können eine oder zwei Strecken auf einen Neustart für die kommenden 20 Jahre hoffen. Die Auswahl soll in Kürze bekanntgegeben werden. Die besten Chancen haben offenbar die Strecken nach Aurich und Nordhorn.

Kommunen fehlt das Geld

Die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecken ist allerdings nicht jeder Stadt und jedem Landkreis recht. Denn die Kommunen sollen ein Viertel der Kosten für den Neustart selbst tragen. So habe beispielsweise die Lüneburger Kreisverwaltung kein Interesse am Wiederaufleben der Strecke zwischen Lüneburg und Soltau, sagt Landrat Manfred Nahrstedt (SPD). Der Grund dafür seien die finanziellen Lasten. Im Landkreis Harburg, wo es um die Strecke zwischen Buchholz und Maschen geht, sieht man das ähnlich. "Die Initiative ist gut. Aber was, wenn wir uns das gar nicht leisten können", fragt Landkreissprecher Johannes Freudewald. Zur Finanzierung habe Lies auch auf Nachfrage keine klaren Daten liefern können.

"Ein lang gehegter Wunsch"

Die Kommunen des Heidekreises und des Großraums Braunschweig reagieren abwartend auf die Reaktivierung der Strecken. "Solange das nicht konkret wird, werden die Gremien sich damit nicht befassen",  sagt Heidekreis-Sprecher Andreas Pütz. Die Stadt Einbeck setzt sich hingegen für ein Comeback der Bahnanbindung ein und ziehe an einem Strang mit dem Landkreis Northeim, so ein Sprecher. Die nötigen Investitionen beliefen sich auf rund 300.000 Euro. Die kreiseigene Bentheimer Eisenbahn sei sogar schon in Vorleistung getreten, um den Anschluss nach Nordhorn zu ermöglichen, sagt Stadtentwicklungsdezernent Michael Kiehl. Die Strecke nach Nordhorn ist neben der Strecke nach Aurich die aussichtsreichste Kandidatin auf Wiederbelebung. Die Verbindung nach Aurich wurde 2008 für den Güterverkehr reaktiviert. "Der Personenverkehr nach Emden ist ein lang gehegter Wunsch", sagt Berend Voss, Geschäftsführer der mehrheitlich von der Stadt Aurich betriebenen Strecke.  

Auch andere Strecken von Interesse  

Es gibt jedoch auch Kommunen, die laut Landkreissprecher Freudewald verärgert seien, dass sie zu dem Projekt gar nicht gefragt wurden. Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt die Initiative. Denn Niedersachsen hinke im Vergleich zu anderen Bundesländern bei der Reaktivierung von stillgelegten Bahnstrecken trotz großer Pendlerströme hinterher, sagt der niedersächsische Pro Bahn-Vorsitzende Björn Gryschka. Das Auswahlverfahren stelle sicher, dass das Geld in die sinnvollsten Strecken investiert werde. Dass nur eine bis zwei Strecken ausgewählt werden, heiße nicht, dass die anderen Strecken nicht von Interesse seien, sagte Lies. Einige der insgesamt 25 geprüften Strecken seien für den Güter- oder Touristenverkehr interessant.

Karte: Stillgelegte Strecken mit Zukunft

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 15.05.2017 | 07:30 Uhr

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