Stefan Marzischewski-Drewes (AfD), Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Niedersächsischen Landtag, spricht während einer Sitzung im Plenarsaal. © picture alliance/dpa | Michael Matthey Foto: Michael Matthey

Marzischewski-Drewes: "Führe vertrauliche Gespräche"

Stand: 17.08.2023 10:18 Uhr

Der NDR in Niedersachsen bittet die Spitzen im Landtag zum Sommerinterview. Nun war AfD-Politiker Stefan Marzischewski-Drewes dran. Martina Thorausch, Leiterin der Redaktion Landespolitik, hat den AfD-Fraktionschef zum Spaziergang in Gifhorn getroffen.

von Helmut Eickhoff

Die Politiker suchen sich den Ort des Sommerinterviews selbst aus. Stefan Marzischewski-Drewes wählt seine Heimatstadt Gifhorn. "Ich schätze hier die Idylle. Hier ist die Welt noch vermeintlich in Ordnung." Der Interviewtermin fällt auf einen sonnigen und trockenen Tag. Nicht selbstverständlich in einem sehr wechselhaften Sommer.

Klimawandel hat "kosmische Gründe"

Zum Klimawandel hat der AfD-Fraktionsvorsitzende seine eigenen Ideen, sieht "kosmische Gründe" dafür. "Der entscheidende Klimamotor ist die Sonne." Es sei falsch zu sagen, dass der Mensch allein für den Klimawandel verantwortlich sei. Den Ausbau der erneuerbaren Energien lehnt Marzischewski-Drewes ab. Die Ideologie, noch mehr Windräder zu bauen, führe zu einer Landschaftszerstörung. Stattdessen möchte der AfD-Politiker abgeschaltete Kernkraftwerke reaktivieren und den Atommüll dauerhaft oberirdisch lagern, "um jederzeit darauf zugreifen zu können. Es besteht eine Gefahr, aber diese ist beherrschbar".

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Marzischewski-Drewes: Kleinkinder sollen zuhause betreut werden

Wenn Marzischewski-Drewes über Bildungspolitik spricht, könnte man den Eindruck gewinnen, dass er die Zeit zurückdrehen möchte. Das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasien, Haupt- und Realschulen will er stärken und auch die Förderschulen erhalten. Die Ganztagsbetreuung will er einschränken. "Es ist schön, sie an einzelnen Schulen möglich zu machen." Es müsse aber eine Steuer- und Familienpolitik gemacht werden, die es möglich mache, dass beide Elternteile nicht ganztags arbeiten müssten. Auch das System der Kindertagesstätten möchte Marzischewski-Drewes nicht ausbauen. Er fordert, dass Kinder in den ersten drei Lebensjahren möglichst zuhause betreut werden, "weil Eltern die besseren Erzieher sind als die staatlichen Erzieher". Eltern wüssten genau, was für ein Kind gut oder schlecht sei. Jeder, der sein Kind zuhause betreue, solle dafür Geld bekommen - bis zu 300 Euro pro Monat und Kind. Er kritisiert aber auch, dass "manche Eltern heutzutage viel zu sehr am Handy spielen statt sich um die Kinder zu kümmern".

Umerziehung der Gesellschaft durch Transgender-Menschen

"Es gibt keine Transgender-Menschen“, behauptet Marzischewski-Drewes klar und deutlich. Eine Minderheit stilisiere sich hoch, werde bevorzugt und bekomme in den Medien viel Raum. Für den AfD-Fraktionsvorsitzenden ist das eine "Umerziehung". Er befürchtet dadurch einen "Identitätsverlust von Nation und Gesellschaft". Als Kernfamilie bezeichnet er "Mann, Frau und Kinder".

Keine Distanzierung von Höcke

Von Björn Höcke und dessen AfD-Landesverband Thüringen, den der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch einstuft, distanziert sich Marzischewski-Drewes weiterhin nicht. Björn Höcke stehe als Beamter auf dem Boden des Grundgesetzes. Den Bundesverfassungsschutz-Präsidenten Thomas Haldenwang bezeichnet er als Parteisoldat, "der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die AfD zu diskreditieren".

Landtagswahl 2027: 20+X Prozent

In Niedersachsen lehnen andere Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ab. Marzischewski-Drewes glaubt, dass diese "Angstmauer" nicht lange hält. Er führe jetzt schon vertrauliche Gespräche. "Ich bin Arzt. Ich weiß also, was Vertraulichkeit ist." Für die nächsten Landtagswahlen gibt Marzischewski-Drewes das Ziel "20+X Prozent" aus. "Ich erwarte, dass es anschließend Gespräche geben wird - entweder mit der CDU oder der SPD".

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Hallo Niedersachsen | 17.08.2023 | 19:30 Uhr

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