Emil Reisinger, Leiter der Abteilung für Tropenmedizin und Infektiologie der Unimedizin Rostock.

Tropenmediziner hält Triage in MV "in ein bis zwei Wochen" für möglich

Stand: 24.11.2021 15:48 Uhr

Der Rostocker Tropenmediziner Prof. Emil Reisinger hält es für möglich, dass einzelne Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern in ein bis zwei Wochen die Triage durchführen müssen. An der Uniklinik in Rostock wurde unterdessen ein Covid-Ethikrat gegründet, der sich mit solchen Fragen befasst.

Reisinger warnte im Gespräch mit NDR MV Live vor einer kritischen Lage in den Krankenhäusern wegen der rasant steigenden Zahlen an Neuinfektionen und Krankenhauseinlieferungen. "Ich denke, dass wir in ein bis zwei Wochen durchaus in die Situation kommen können, in einzelnen Krankenhäusern triagieren zu müssen." Das bedeute, dass wenn ein Bett auf der Intensivstation frei ist und zwei Patienten intensivpflichtig werden, einer auf der Intensivstation aufgenommen werden kann und der andere dann auf die Normalstation kommt, wo er "aber auch nach bestem Wissen und Gewissen behandelt wird."

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"Unser Limit von 100 noch nicht überschritten"

Reisinger verwies darauf, dass in den vergangenen Tagen einige Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern bekannt gegeben hatten, dass sie keine Intensivpatienten mehr aufnehmen könnten. "Insgesamt haben wir mit circa 66 Covid-Patienten auf Intensivstationen unser Limit von 100 noch nicht überschritten, aber bei den steigenden Inzidenzzahlen und Krankenhausaufnahmen werden wir in den nächsten Tagen und Wochen auch hier in Mecklenburg-Vorpommern unser Limit erreichen", so der amtierende Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Rostock, der in der Corona-Pandemie auch die Landesregierung berät. Laut Reisinger gibt es im Land genügend Betten und Ausrüstung. "Das Nadelöhr sind aber die Pflegestellen, die Schwestern und Pfleger auf Intensivstationen", so Reisinger weiter.

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Gremium soll Uniklinik auf Triage-Fragen vorbereiten

Angesichts der sprunghaft zunehmenden Zahl von Corona-Infizierten und der hohen Auslastung der Intensivstationen hat die Universitätsmedizin Rostock unterdessen einen Covid-Ethikbeirat gebildet. Dieser besteht aus etwa fünf Medizinern und soll den Intensivmedizinern bei ihren Entscheidungen zur Seite stehen, so Reisinger. "Wir haben in den letzten Jahren schon die Situation, dass wir bei bestimmten Patienten Ethikkonzile anfordern beziehungsweise machen. Diese Ethikkonzile werden jetzt ausgebaut zu einem einem Covid-Ethikrat." Wenn es zu einer Triage kommen sollte, müsse man darauf vorbereitet sein, so der Mediziner.

Die jüngsten Verschärfungen der Corona-Regeln in Mecklenburg-Vorpommern bezeichnete Reisinger als Versuch, die vierte Welle zu brechen. "Wir werden in einer Woche bis zehn Tagen sehen, ob es gelingt." Eine 1G-Regel (nur getestet) sieht Reisinger nicht als Option.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 24.11.2021 | 15:50 Uhr

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Coronavirus

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