Sendedatum: 26.03.2019 18:45 Uhr

"Dunkeldeutschland"? Naturpark wäre stolz darauf

von Isabelle Vidos und Laura Borchardt
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"Dunkeldeutschland" muss kein Schimpfwort sein: Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide funkeln wegen der Dunkelheit die Sterne.

Als Sternenpark werden besonders dunkle Orte ausgezeichnet, wo man den Nachthimmel gut beobachten kann. Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide ist so eine Region und will zum ersten Sternenpark in Norddeutschland werden.

Ralf Koch hält ein kleines Messgerät in die stockfinstere Nacht. Nach einigen Sekunden leuchtet das Display auf: 22,04. Der Leiter des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide bestimmt mit der Messung die Nachthelligkeit des Himmels über seinem Revier. "Alles, was über dem Wert 21 liegt, ist gut. Damit entspricht unser Himmel den Kriterien, die man für die Bewerbung zum Sternenpark erfüllen muss", erklärt Koch. Die Einheit, in der gemessen wird, lautet mag/arcsec².

Optimale natürliche Voraussetzungen

Zum Vergleich: In Großstädten wie Hamburg liegt der Wert zwischen 17 und 18 mag/arcsec². Die Lichtverschmutzung der Metropolen strahlt stark in den Himmel ab; die Nacht erscheint dort deutlich heller. Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide leben hingegen nur neun Menschen pro Quadratkilometer und verursachen wenig künstliches Licht. "Unsere natürlichen Voraussetzungen sind somit ideal, um als Sternenpark ausgezeichnet zu werden", sagt Koch.

Jahrelanger Bewerbungsprozess

Internationale Experten vergeben das Prädikat. Bisher tragen erst vier Gebiete in Deutschland den Titel. Der Naturpark in Mecklenburg-Vorpommern könnte zum fünften Sternenpark werden - und zur ersten so ausgezeichneten Region in Norddeutschland. Doch die Bewerbung ist umfangreich: Die Messung der Nachthelligkeit muss Koch über mehrere Jahre dokumentieren. Immer im Frühjahr und im Herbst. Der Naturparkleiter macht das nicht nur für die Sterne: "Mich treibt der Umweltgedanke an. Viele Insekten sind durch das ständig strahlende Licht irritiert. Sie finden ihre Flugrouten nicht mehr und verenden. Mehr Dunkelheit ist nicht nur wichtig für das Funkeln der Sterne, sondern auch für unser Ökosystem."

Straßenlaternen mit Bewegungsmelder

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Die Straßenlaternen in 19 Gemeinden sollen noch umgerüstet werden, damit sie weniger Licht machen.

Zusätzlich zu den Messungen muss Koch die 19 Gemeinden, die im Park liegen, überzeugen, die Straßenlaternen umzurüsten. Diese sollen nur warmes Licht streuen, dürfen nur nach unten strahlen und Bewegungsmelder müssen an jeder Laterne installiert werden. Geht niemand die Straße entlang, leuchten die Lampen kaum. Erst zwei Dörfer haben bisher ihre Beleuchtung ausgetauscht. "Durch die Umrüstungen fallen zusätzliche Kosten für die Gemeinden an. Doch die neuen Lampen sparen Strom und die Ausgaben werden sich nach einigen Jahren ausgleichen", erklärt Koch seine Strategie, um die Gemeinden von der Investition zu überzeugen. Nicht alle Gemeinden müssen die Umrüstung bis zur Auszeichnung beendet haben - mehrere Jahre haben sie nach der Titel-Vergabe Zeit, um auf "sternenpark-konforme" Beleuchtung umzusteigen.

Klarer Blick auf die Sterne am Firmament

Sollte der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide zum Sternenpark werden, hofft Koch auf einen Anstieg der Besucherzahlen. Schon jetzt gibt es Sternguckerabende, zukünftig sollen diese Veranstaltungen häufiger stattfinden. "Ist es wolkenlos, können wir von hier die Milchstraße, den Orionnebel und entfernte Planeten deutlich sehen."

Astronomen vergeben Sternenpark-Prädikat

Die Auszeichnung Sternenpark wird von der internationalen Dark Sky Association verliehen. Die Organisation ist ein Zusammenschluss von Astronomen und will auf zunehmende Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Den Titel Sternenpark vergibt die Organisation seit 2006. In Deutschland sind bisher der Nationalpark Eifel und die Winkelmoosalm sowie die größeren Sternenreservate Naturpark Westhavelland und das Unesco Biosphärenreservat Rhön ausgezeichnet worden.

Sternenpark 2020?

Koch ist optimistisch, dass sein Park ausgezeichnet wird. Wann der Titel kommt, ist allerdings ungewiss. Ein nächster möglicher Termin wäre im kommenden Jahr. "Insgesamt sind wir auf einem guten Weg und die meisten Gemeinden begreifen den Sternenpark auch als Chance. Wir werden sehen, wie schnell wir es dahin schaffen." Ständige Gespräche mit den Gemeinden gehören bis dahin weiter zu seinem Alltag. Genau wie die regelmäßigen Sternguckerabende. Ein Teleskop und Liegestühle mit wärmenden Lammfellen schleppt er dafür auf die Lichtung - für den perfekten Blick auf das Firmament. Auf dem Weg dorthin geht Koch vorbei an den bereits umgerüsteten Laternen, die hinter ihm langsam wieder dunkel werden.

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Dieses Thema im Programm:

DAS! | 26.03.2019 | 18:45 Uhr

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