Stand: 12.12.2019 15:15 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Drohende US-Sanktionen: Baustopp für Nord Stream 2?

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Die Verlegefirmen haben bereits angekündigt, nach Inkrafttreten der US-Sanktionen ihre Arbeit in der Ostsee zu stoppen. (Archivbild)

Die USA haben die angekündigten Sanktionen gegen die Ostseepipeline Nord Stream 2 auf den Weg gebracht. Das Repräsentantenhaus stimmte dafür, Strafen gegen am Bau beteiligte Firmen zu verhängen. Die Sanktionen sehen unter anderem vor, gegen Manager der Firmen im Zusammenhang mit der Erdgas-Pipeline und deren Hauptaktionäre mit Kontrollmehrheit Einreiseverbote in die USA zu verhängen. Auch bestehende Visa sollen widerrufen sowie Transaktionen der Betroffenen, die sich auf ihren Besitz oder ihre geschäftlichen Interessen in den USA beziehen, blockiert werden können. Noch ist das Gesetz allerdings nicht von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet. Zunächst muss der Senat den Maßnahmen zustimmen. Die Verlegefirmen drohen jedoch mit einem Bau-Stopp, sobald die Sanktionen greifen.

Baustopp für Ostseepipeline Nord Stream 2?

Nordmagazin -

Die USA haben die angekündigten Sanktionen gegen die Ostseepipeline auf den Weg gebracht. Die Verlegefirmen drohen mit Baustopp. Ein Interview mit Stefan Niemann in Washington .

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Sanktionen vor allem gegen Spezialfirmen

Die angekündigten Sanktionen sollen sich vor allem gegen die Spezialfirmen richten, die die Pipelinerohre mit Schiffen auf dem Ostseeboden verlegen. Weltweit gibt es nur sehr wenige dieser Spezialschiffe, die auf der Ostsee im Einsatz sind. Für Nord Stream 2 verlegen zwei Firmen die Rohrleitungen, die ihren Sitz in der Schweiz und Italien haben. Nicht betroffen ist das Rohrummantelungswerk in Mukran. Dieses sei nicht mehr in Betrieb, die letzten Rohre würden nun aus Mukran abtransportiert und auch die Anlandestation für die Pipeline in Lubmin sei so gut wie fertig.

Fertigstellung der Pipeline in Gefahr?

Beide Verlegefirmen haben bereits angekündigt, nach Inkrafttreten der US-Sanktionen ihre Arbeit in der Ostsee zu stoppen. Neben den angekündigten Sanktionen fürchten diese auch, lukrative Aufträge im Golf von Mexiko zu verlieren sowie finanzielle Sanktionen. Nach Angaben von Nord Stream 2 sind bislang 2.100 Kilometer des Doppelstrangs in der Ostsee verlegt worden. Es fehlen noch rund 300 Kilometer. Ob diese nach der Entscheidung des Repräsentantenhauses überhaupt noch vollständig verlegt werden können, ist unklar.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.12.2019 | 15:00 Uhr

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