Stand: 23.07.2020 18:53 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Nord Stream 2: Pipeline-Schach in der Ostsee

von Martin Möller, Nordmagazin

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Das russische Verlegeschiff "Akademik Tscherski" wartet auf den Einsatz. (Archivbild)

Mehr als ein halbes Jahr ist es nun schon her, als die Verlegeschiffe der Schweizer Firma Allseas Knall auf Fall die Anker vor der Insel Bornholm lichteten. Kurz vorher hatte US-Präsident Donald Trump das Gesetz "Zum Schutz von Europas Energiesicherheit" unterzeichnet, besser bekannt als Sanktionen gegen Nord Stream 2. Als Ersatz holten die Russen die "Akademik Tscherski" aus dem Japanischen Meer. Eine Reise um die halbe Welt.  

Keine Bewegung bei Nord Stream 2

Nordmagazin -

Kopenhagen gab zwar kürzlich das Okay für die russische Rohrlegerflotte für Nord Stream 2, aber nun laicht der Dorsch im Seegebiet. Alle Bauaktivitäten sind bis zum 1. Oktober verboten.

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Verlegepause wegen der Dorsch-Laichzeit

Seit über zwei Monaten dümpelt der russische Rohrleger nun schon arbeitslos im Hafen von Mukran auf der Insel Rügen. Ein zweites russisches Spezialschiff, die "Fortuna", wartet im Hafen Rostock. Die letzten 120 Kilometer der Gasleitung Nord Stream 2 führen südöstlich der Insel Bornholm durch dänische Gewässer. Dort wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Tausende Tonnen Giftgasmunition versenkt. Deshalb brauchten die Russen eine Genehmigung, denn ihr Schiff wird mit Hilfe von Ankern positioniert.

Nach langem Warten gab Kopenhagen vor zwei Wochen sein Okay, aber auslaufen kann die russische Rohrlegerflotte immer noch nicht. Nun liegt es am Dorsch. Das Seegebiet gilt als Laichplatz. Alle Bauarbeiten haben die dänischen Behörden bis Ende September aus Naturschutzgründen verboten. "Russia Today", der staatseigene Auslandssender, sieht das allerdings als faule Ausrede. Der sozialdemokratischen Regierung in Kopenhagen kommt der Dorsch vermutlich gerade recht, denn ein heikler Gast aus Washington hatte sich angekündigt, US-Außenminister Mike Pompeo, einer der schärfsten Gegner von Nord Stream 2.

Fast beste Freunde

Die dänische Premierministerin Mette Frederiksen und ihr Außenminister Jeppe Koefod empfingen den ehemaligen CIA-Direktor am Mittwoch in Kopenhagen. Und der redete auch nicht lange drum rum. Seiner Ansicht müssten die USA ihre geopolitischen Interessen gegenüber Russland und China offensiver verteidigen. In der Vergangenheit sei man zu naiv gewesen. Er forderte unbedingte Loyalität von den dänischen Verbündeten. Die Sicherheitsexpertin Trine Villumsen Berling von der Universität Kopenhagen hatte eigentlich damit gerechnet, dass Mike Pompeo bei seinem Dänemarkbesuch schärfere Sanktionen gegen Nord Stream 2 verkündet, die vor allem Firmen und Institutionen in Mecklenburg-Vorpommern treffen würden. Aber das ist nicht geschehen.

Stattdessen wurde das Thema hinter verschlossenen Türen erörtert. Nach Einschätzung von Trine Villumsen Berling sind sich beide Seiten darin einig, dass sie das deutsch-russische Infrastrukturprojekt ablehnen. Die Dänen dürften ihrer Meinung nach allerdings auch klargemacht haben, dass sie sich an alle Gesetze halten, die für solche grenzüberschreitenden Projekte gelten. Das bedeutet: Die Einspruchsmöglichkeiten des Königreiches sind nun erschöpft, Streit mit dem größten Handelspartner Deutschland vermieden.

Showdown unausweichlich  

Eine Konfrontation zwischen den USA und Deutschland hingegen ist nach Ansicht der Sicherheitsexpertin kaum noch zu verhindern. Trine Villumsen Berling vermutet, dass Pompeo bis zum 1. Oktober weitere Sanktionen verkünden wird. Denn dann ist die Laichschonzeit zu Ende und der Kampf um Nord Stream 2 kann in die Schlussrunde gehen.   

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.07.2020 | 19:30 Uhr

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