Kabinett macht Druck bei Corona-Impfungen

Stand: 20.04.2021 15:55 Uhr

Bis Sonntag sollen die AstraZeneca-Impfdosen in Mecklenburg-Vorpommern aufgebraucht werden. Derzeit sind noch rund 30.000 Dosen bei den Hausärzten im Land und rund 3.000 weitere in den Impfzentren. Wer das nicht schafft, soll später anteilig weniger Biontech-Impfstoff bekommen.

Ab sofort können Hausärzte über die Kassenärztliche Vereinigung AstraZeneca-Impfdosen an andere Praxen oder Impfzentren abgegeben, wenn sie diese bis Sonntag nicht mehr verimpfen könne, hieß es nach der Corona-Kabinetsssitzung am Dienstag in Schwerin. Die Kreise sind angehalten, alle Impfstoff-Dosen aufzubrauchen. Bislang hätten das nur die Stadt Schwerin und der Kreis Mecklenburgische Seenplatte geschafft, so Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Laut Ministerpräsidentin Schwesig werden den Kreisen und kreisfreien Städten, die es bis Sonntag nicht schaffen, alle AstraZeenca-Dosen zu verimpfen, in den kommenden Wochen anteilig weniger BioNTech Dosen geliefert. Insgesamt sei man zufrieden, dass die Impfkampagne an Fahrt aufgenommen habe, hieß es.

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Pädagogen sollen durchgeimpft werden

In der kommenden Woche sollen Lehrer an weiterführenden Schulen geimpft werden. Das Land geht davon aus, dass von den rund 10.000 Pädagogen im Land bereits die Hälfte durch die Grundschulen ein Impfangebot erhalten hat. Die Impfungen der Lehrer sollen entweder von mobilen Teams durchgeführt werden oder es werden zwei feste Impftage am 30. April und 1. Mai festgelegt. Ziel ist es laut Glawe, alle Lehrer bis zur Schulöffnung mit einer Impfung zu schützen. Wie der Minister weiter berichtete, läuft das Online-Impfportal des Landes mittlerweile automatisiert, so dass sich die Mitarbeiter der Hotline nicht mehr darum kümmern müssen. Dadurch werde das Procedere beschleunigt. Schwesig brachte zudem die Bundeswehr ins Spiel. Die Soldaten könnten künftig mit mobilen Teams in der Fläche des Landes impfen.

Glawe: Im Mai kommen 300.000 Impfdosen nach MV

Aktuell hätten rund 20 Prozent der Menschen im Nordosten eine erste Impfung erhalten, so Schwesig.Gesundheitsminister Glawe erwartet im Mai rund 300.000 Impfdosen, die Hälfte stamme von Biontech. AstraZeneca werde nur noch für Zweitimpfungen bei den über 60-Jährigen bestellt. Im Juni folgten insgesamt rund eine halbe Million weitere Impfdosen, so Glawe.

Kassenärzte kritisieren Impfstoff-Vergabe

Unterdessen übten die Kassenärzte Kritik an der Vergabe des Astrazeneca-Impfstoffs. Einerseits erschwere das sinkende Vertrauen in das Präparat bei vielen Patienten ein schnelles Impfen in den Praxen, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern am Dienstag. Andererseits habe das Gesundheitsministerium auf einer Mindestbestellmenge von 100 Dosen je Arzt bestanden. "Die Kassenärztliche Vereinigung MV hatte empfohlen, möglichst kleine Mengen je Arzt abzugeben, zum Beispiel 10 bis 20 Dosen, um einerseits vielen Ärzten kurzfristig den Zugang zu diesem Impfstoff zu ermöglichen und anderseits eine schnelle Verimpfung zu fördern." Dieser Vorschlag sei jedoch aufgrund arzneimittelrechtlicher Bedenken durch das Gesundheitsministerium abgelehnt worden. "Wir können diese Bedenken nicht verstehen, da zum gleichen Zeitpunkt der Impfstoff von Biontech bereits in einzelnen Fläschchen mit jeweils sechs Dosen an Ärzte durch Apotheken ausgeliefert wurde."

Impfgipfel am Montag

Mit Blick auf den für Montag anberaumten Impfgipfel der Länder und des Bundes sagte Schwesig, dass es auch darum gehe, wieviel Impfstoffe die einzelnen Länder bekämen. So hatte das Saarland wegen der drohenden Mutation und der Nähe zu Frankreich zuletzt mehr Impfstoff bekommen als die anderen Länder. Da sich das Saarland aber für Öffnungen entschieden hatte trotz der Mutationsgefahr, möchte Schwesig nun, dass das Bundesland in der kommenden Runde anteilig weniger Impfstoff bekommt. Zudem sprach sie sich dafür aus, dass sich auch der Bund Optionen an dem russischen Vakzin Sputnik V sichern sollte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 20.04.2021 | 16:00 Uhr

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