Stand: 26.05.2018 14:23 Uhr

Julian Barlen wird SPD-Generalsekretär in MV

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Julian Barlen ist neuer Generalsekretär der SPD in Mecklenburg-Vorpommern. Barlen war von Ministerpräsidentin Schwesig vorgeschlagen worden.

Julian Barlen war gerade mitten in seiner Vorstellungsrede, da brandete im Saal Beifall auf, aber nicht für ihn, sondern für einen überraschenden Gast des SPD-Sonderparteitags in Golchen bei Sternberg. Harald Ringstorff, der erste Regierungschef der SPD in Mecklenburg-Vorpommern, schaute erstmals seit langem bei einem Parteitag vorbei und die mehr als 100 Delegierten und Gäste erwiesen ihm ihre Referenz  - mit stehendem Beifall.

Viel Applaus für Harald Ringstorff

Ringstorff, der im nächsten Jahr 80 wird, waren solche minutenlangen Ovationen während seiner aktiven Zeit eigentlich immer zuwider. Das Klatschen in Golchen wirkte, also wollten sich viele Genossen an die starken Zeiten der SPD erinnern - mit Landtagswahlergebnissen auch mal über 40 Prozent. Bei der vergangenen Bundestagswahl holten die Sozialdemokraten im Nordosten magere 15,1 Prozent und landeten hinter CDU, AfD und Linke auf Platz 4.

Barlen soll Abteilung "Attacke" verstärken

Der 38-jährige Barlen soll die SPD aus diesem Tal herausführen, und persönlich machte er schon mal eine Art Anfang mit einem deutlich besseren Ergebnis: 84,4 Prozent der Delegierten wählten ihn zum ersten Generalsekretär in der Geschichte des jungen Landesverbandes. Barlen, Ex-Landtagsabgeordneter und bisher Vize-Parteichef, soll die Abteilung "Attacke" verstärken, der SPD schärferes Profil jenseits ihrer Rolle als Regierungspartei verschaffen und die Genossen kampagnenfähig machen.

Seine erste Bewährungsprobe wird der Kommunalwahlkampf im nächsten Jahr sein, denn der SPD fehlen Kandidaten, obwohl ihre Mitgliederzahl zuletzt auf 3.200 gestiegen ist. Parteilose sollen begeistert werden, auf den Listen der SPD anzutreten.

"SPD auf Achse" im Flächenland MV?

Barlen rief seine Genossen nach 20 Jahren an der Regierungsspitze zu Selbstbewusstsein auf, die SPD sei die Partei mit der "klaren Haltung" für sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stärke. Sie müsse aber immer überprüfen, ob sie inhaltlich noch auf "Ballhöhe" sei und die Zeichen der Zeiten richtig deute. Dazu gehörten auch, klare Botschaften zu formulieren und Schwachstellen zu benennen. Konkret wurde er nicht, bis auf eine Passage:

Die SPD, so meinte Barlen da, könne zwar nicht überall mit Büros vertreten sein,  aber so wie es das Projekt "Demokratie auf Achse" gebe, könnte die Partei doch einen Bus mit dem Titel "Die SPD auf Achse" anbieten. Der Beifall dafür fiel eher spärlich aus.

Schwesig zieht erste Zwischenbilanz

Nach seiner Wahl gab's Blumen von der Chefin. Barlen ist der Intimus von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, einer, der ihr jetzt lästige Aufgaben im Parteiamt abnehmen soll. Die Regierungschefin hat in Golchen auch eine Art Zwischenbilanz gezogen, nach knapp einem Jahr als Ministerpräsidentin. Die beschlossene Kita-Gebührenfreiheit, das Vergabegesetz für bessere Löhne und die Investitionen in die Digitalisierung verbuchte sie als Erfolge.

Ein Redner warnt vor weiteren Entfremdung vom Wähler

Eine kontroverse Debatte blieb weitgehend aus, es gab stattdessen viele Vorschusslorbeeren für Barlen. Nur Einer machte - wie so oft - beim Thema "Kritik" eine Ausnahme: Christian Reinke, ehemaliger Bundestagskandidat aus Rostock, warnte vor einer weiteren Entfremdung zwischen Wählern und Politikern auch der SPD. Es sei doch "erschreckend", wenn Bürger anerkennen und schätzen würden, dass Kommunalpolitiker der SPD mit der Straßenbahn fahren. "Es ist bedenklich, dass die Menschen uns schon für so abgehoben halten." Und, schob Reinke, hinterher, es sei schade, dass die SPD flächendeckend nicht im Land vertreten sei. Viel zu tun für den neuen "General" Barlen.

Sternberg wird Vize

Für Barlen rückt der Grabower Bürgermeister Stefan Sternberg in das Trio der Schwesig-Vize nach. Sternberg bekam bei seiner Wahl 69,3 Prozent der Delegierten-Stimmen. Morgen stellt er sich einer anderen Wahl - er ist Landratskandidat in Ludwigslust-Parchim, der Parteitag in seinem Heimatkreis sollte ihm noch einmal Rückenwind geben. Sternberg und Barlen können am Abend intern Werbung in eigener Sache machen - beim Grillen nach dem Parteitag, Landesschatzmeisterin Iris Hoffmann spendet einige Steaks extra.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.05.2018 | 13:00 Uhr

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