Hamburger Unternehmen steigt bei Nord Stream 2 aus

Stand: 24.02.2021 05:02 Uhr

Immer mehr Unternehmen ziehen sich vom Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zurück. Eine Rostocker Firma will die Aufgaben eines Hamburger Offshore-Spezialisten bei dem Pipelineprojekt übernehmen.

von Martin Möller, NDR 1 Radio MV

Wegen drohender US-Sanktionen zieht sich die Robert Krebs GmbH aus dem Pipelineprojekt Nord Stream 2 zurück. Das ist das Ergebnis einer Recherche des NDR und der Süddeutschen Zeitung. Die Hamburger Krebs Gruppe, Spezialist für Offshore-Projekte, besitzt Niederlassungen in ganz Norddeutschland. In Mecklenburg-Vorpommern liegen diese in Wismar, Rostock, Stralsund, Sassnitz und Lubmin. Die Hamburger Firma hatte unter anderem die russischen Verlegeschiffe "Fortuna" und "Akademik Tscherski" aus- und umgerüstet und den Schiffsverkehr rund um die Pipeline-Baustelle überwacht. Laut Vertrags- und Rechnungsunterlagen, die dem NDR und der Süddeutsche Zeitung vorliegen, waren allein für den Umbau der "Fortuna" über 26 Millionen Euro vereinbart.

Rückzug wegen drohender Sanktionen

Die Krebs GmbH war Dienstleister und Vermittler für andere Firmen. Im Vertrag mit dem russischen Betreiber der "Fortuna" ist auch die Commerzbank genannt. Vor allem Kreditinstitute fühlen sich durch die US-Sanktionen bedroht. Für Michael Harms vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft ist das keine Überraschung: "Banken sind eher bereit auf lukrative Geschäfte zu verzichten als wissentlich amerikanische Sanktionen zu verletzten." Das gilt auch für Versicherer, die Technik, Personal und Einsätze versichern.

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Neustart in Rostock

Nach dem Ausscheiden von Krebs hat ein ehemaliger Mitarbeiter mit einem Geschäftspartner eine neue Firma gegründet, die von Rostock aus den Pipelinebau betreuen soll. Dabei geht es um den Umschlag von Versorgungsgütern und Baumaterial sowie um die Ausrüstung von Schiffen. Bereits ein Dutzend Versorger, Transporter und Verleger sind beim Bau der Pipeline im Einsatz. Einem entsprechenden Pachtvertrag für eine Fläche im Rostocker Hafen hat der Hauptausschuss der Bürgerschaft bereits zugestimmt.

Weiterbau trotz Gegenwind

Im Seegebiet zwischen den Inseln Rügen und Bornholm laufen die Verlegearbeiten für Nord Stream 2 unterdessen weiter. Auch deshalb fordert der US-Kongress schärfere Sanktionen von der Biden-Administration. Sie sollen das Projekt doch noch auf den letzten Kilometern stoppen. Das US-Außenministerium hat Ende letzter Woche eine entsprechende Liste mit 18 Firmen vorgelegt, die vorsichtshalber aus dem Projekt ausgestiegen sind. Direkte Sanktionen betreffen bislang unmittelbar nur die Betreibergesellschaft der russisch bereederten "Fortuna". Mitarbeitern der Geschäftsführung drohen demnach Einreisesperren und die Beschlagnahme von Vermögen in den USA.

Fertigstellung nicht vor 2022

Solange die US-Regierung noch keine Sanktionsliste mit europäischen oder deutschen Firmen veröffentlicht, gehen die Verlegearbeiten weiter. Ziel des Nord-Stream-Konsortiums ist es, noch in diesem Jahr beide Stränge der Gasleitung durch die Ostsee fertigzustellen. Mit der Inbetriebnahme wird in Fachkreisen aber nicht vor 2022 gerechnet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.02.2021 | 18:10 Uhr

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