Loch im Pflaster, wo ein Stolperstein herausgebrochen wurde. Daneben eine Kerze und eine Rose. © dpa - Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Güstrow: Gestohlene Stolpersteine sollen schnell ersetzt werden

Stand: 20.12.2020 07:36 Uhr

Vier Stolpersteine, die am vergangenen Wochenende in Güstrow gestohlen worden sind, sollen möglichst bald ersetzt werden. Neben der Stadt selbst engagieren sich dafür auch einige Bürgerinnen und Bürger.

Man stehe mit dem Künstler in Kontakt, der die gestohlenen Steine ursprünglich angefertigt hatte, sagte eine Sprecherin der Stadt Güstrow. Er soll, falls die Steine nicht wieder auftauchen, vier neue anfertigen. Ein Stein kostet 120 Euro. Der Kunst- und Altertumsverein der Stadt Güstrow habe bereits angeboten, Spenden dafür zu sammeln.

Drei weitere Stolpersteine geplant

Darüber hinaus setzen sich die Lehrerin Peggy Tetzlaff und der Gastronom Andy Haensch dafür ein, dass zusätzlich drei weitere Steine eingesetzt werden. "Wir haben sowieso schon geplant, dass drei Steine hinzukommen sollen von der Familie Wolf. Das haben wir die Woche schon mit dem Bürgermeister abgesprochen. Und wir haben unsere Hilfe und Unterstützung angeboten." Die Unterstützung geht soweit, dass für die drei neuen Steine sogar schon die Finanzierung geklärt ist: Die Familie eines verstorbenen Ehrenbürgers von Güstrow, der sich viel für jüdische Themen engagiert hat, kündigte an, das Kondolenzgeld - also Geld, das Menschen z.B. in Trauerkarten legen - für neue Stolpersteine zu spenden.

Schulkinder putzten Gedenksteine

Lehrerin Peggy Tetzlaff hatte die bisherigen Stolpersteine jahrelang mit Schülerinnen und Schülern gereinigt und gepflegt. Tetzlaff sagte, die Kinder und Jugendlichen seien geschockt gewesen von der Nachricht über den Diebstahl. Die vier Stolpersteine in Güstrow waren im Jahr 2009 verlegt worden, am vergangenen Wochenende hatten bisher unbekannte Diebe die Steine gestohlen. Stolpersteine sollen an das Schicksal der Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert oder vertrieben wurden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.12.2020 | 07:00 Uhr

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