Größe des Findlings in Altentreptow ist rekordverdächtig

Stand: 07.05.2021 16:27 Uhr

Der "Große Stein" in Altentreptow bei Neubrandenburg ist offenbar deutlich schwerer als bislang angenommen. Mit geschätzten 465 Tonnen fehlen ihm nur etwas mehr als fünf Tonnen, um als größter Findling Deutschlands zu gelten.

In Altentreptow bei Neubrandenburg ist der Findling "Großer Stein" seit Donnerstag mit hydraulischen Pumpen um 2,90 Meter aus der Erde nach oben gepresst worden und ist im vollen Umfang sichtbar. Nach einer ersten Schätzung ist er etwa 20 Kubikmeter größer und damit auch 65 Tonnen schwerer als bislang angenommen, so Karsten Schütze vom Geologischen Landesdienst Mecklenburg-Vorpommern. Mit nun 465 Tonnen ist er vermutlich nur fünf Tonnen leichter als Deutschlands größter Findling, dem "Kleinen Grafenstein" südlich von Berlin, der auf 470 Tonnen Gewicht geschätzt wird. "Wir wollen das Volumen des Granitsteins nochmal Ende Mai genau messen, wenn die Hebekonstruktion abgebaut ist und er stabil auf dem Untergrund liegt", sagte Schütze zum "Großen Stein" in Altentreptow. Dann wird sich herausstellen, ob der "Große Stein" auf Rang 2 bleibt.

Hebekonstruktion am Limit

Zentimeter für Zentimeter hob sich der Findling in den vergangenen 36 Stunden in die Höhe. Für die Hebung wurden Fundamente gegossen und eine tonnenschwere Stahlkonstruktion gebaut, an der zwei reißfeste Spezialgurte hängen, die unter dem Koloss hindurchgezogen wurden. Hydraulische Pressen, die sonst bei Brückenanhebungen benutzt werden, hievten den Findling samt Konstruktion hoch. Aufeinander gestapelte Betonplatten drohten am Ende unter dem hohen Druck zu zerbröseln. Nun soll das Loch unter dem Findling mit Schotter, Sand und Beton aufgefüllt und dauerhaft stabilisiert werden.

"Großer Stein" soll in ganzer Pracht aus dem Boden ragen

Bislang ragte der Stein nur etwa 2,60 Meter aus dem Erdreich. Durch das Anheben des "Große Steins" erhofft sich die Stadt Altentreptow einen Besuchermagneten im sanierten Park am Klosterberg. Initiiert hatte die Aktion die Stadtvertretung von Altentreptow. Der Findling ist etwa acht Meter lang und fünf Meter hoch.

Altentreptower Stein auf Platz zwei der Findlinge in Deutschland

Schon lange gilt der Stein als zweitgrößter Findling der nördlichen Eiszeiten auf dem deutschen Festland. Nach Angaben von Karsten Schütz ist er etwa zwei Milliarden Jahre alt und kam mit der Weichsel-Eiszeit vor etwa 25.000 Jahren aus Schweden in die Region. Auf Rang drei der Findlinge in Deutschland liegt übrigens der "Alte Schwede", der in Hamburg 1999 von einem Rostocker Bergungs-Unternehmen aus der Elbe geborgen wurde und auf 217 Tonnen Gewicht kommt. Als größter Riesen-Findling wird der Buskam vor der Küste Rügens eingeschätzt, der aber im Ostseewasser liegt und nur oberflächlich herausragt. Seine Maße werden mit 200 Kubikmeter Volumen und 550 Tonnen Gewicht angegeben.

Videos
Realer Irrsinn: Steinhöherlegung in Altentreptow
3 Min

Realer Irrsinn: Steinhöherlegung in Altentreptow

In Altentreptow gibt es den größten Findling Norddeutschlands. Doch der guckt nur drei Meter aus der Erde. Deshalb soll der große Stein jetzt angehoben werden. 3 Min

Bund der Steuerzahler kritisiert Geldverschwendung

In die Verschönerung des Klosterparks in Altentreptow sollen insgesamt rund 1,3 Millionen Euro fließen. Allein die Kosten für die Findlings-Hebung wurden zuletzt mit  264.000 Euro beziffert. Sie liegen damit deutlich höher als ursprünglich veranschlagt. Das Findlings-Projekt wird mit je 70.000 Euro aus dem Vorpommern-Fonds und dem Strategiefonds MV gefördert. Der Eigenanteil der Kommune erhöhte sich von 40.000 auf aktuell knapp 124.000 Euro. Der Bund der Steuerzahler hatte die Hebung als "Verschwendung von Steuergeldern" kritisiert. Das Projekt wurde ins "Schwarzbuch" aufgenommen. Die Kostensteigerungen bei der Steinhebung würden "einen deutlichen Einfluss" auf das Gesamtprojekt zur Entwicklung des Klosterberges haben, so die Landesgeschäftsführerin des Bundes der Steuerzahler, Diana Behr.

Weitere Informationen
Der Findling Buskam in der Ostsee vor Göhren © Kurverwaltung Ostseebad Göhren/Alexander Stein Foto: Kurverwaltung Ostseebad Göhren/Alexander Stein

Rügen: Riesen-Findling ist "Nationales Geotop"

Der vor Rügen liegende Findling Buskam ist zum "Nationalen Geotop" erklärt worden. Wegen seiner Lage wird Norddeutschlands größter Findling hin und wieder für einen Wal gehalten. mehr

Stamm eines mächtigen Eichenbaumes im Waldgebiet Ivenacker Eichen ©  TMV/Growe-Lodzig

Ivenacker Eichen: Baumriesen und Baumkronenpfad in Mecklenburg

Seit 1.000 Jahren wachsen in einem Waldstück bei Stavenhagen knorrige Eichen. Dazwischen weiden Hirsche und Schweine. mehr

Malerischer Blick vom Reiherberg über den Naturpark Feldberger Seenlandschaft auf Feldberg. © picture-alliance / HB Verlag Foto: Jörg Axel Fischer

Mecklenburgische Seenplatte: Sehenswertes rund um die Müritz

Seen, Kanäle und teils unberührte Natur prägen die Region an der Seenplatte. Sie ist ideal für Wassersportler. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.05.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine Discokugel hängt in einem Club über tanzenden Menschen. © picture alliance

NDR MV Live: Club-Betreiber bleiben skeptisch

Am Freitag endet eine lange Durststrecke - in Discos und Clubs in MV darf wieder getanzt werden, Feste dürfen wieder stattfinden. mehr