Stand: 25.11.2019 14:00 Uhr  - NDR 1 Radio MV

FAQ: Fragen und Antworten zum Bauernprotest

Seit Wochen protestieren Landwirte gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. In Mecklenburg-Vorpommern arbeiten knapp 25.000 Menschen in der Landwirtschaft. Zum Thema beantworten wir die wesentlichen Fragen.

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Rund 1.000 Bauern aus Mecklenburg-Vorpommern haben in Berlin erneut gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Die Initiative "Land schafft Verbindung" organisierte die deutschlandweite Sternfahrt. mehr

Warum demonstrieren erneut so viele Landwirte?

Die Landwirte haben Angst um ihre Existenz, denn viele von ihnen befürchten, dass sie aufgeben müssen oder ihren Arbeitsplatz verlieren. Nach drei zudem witterungsbedingt eher schlechten Erntejahren sprechen sie von möglichen Insolvenzen. Die Landwirte kritisieren auch die bürokratischen Vorgaben, die mit dem Agrarpaket klar steigen werden. Zudem sind viele der Bauern sauer, weil sie nicht mitreden beziehungsweise mitbestimmen durften und sie mit dem Agrarpaket der Bundesregierung vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Das kritisieren auch Umwelt- und Naturschutzverbände und fordern Nachbesserungen, ebenso das Agrarministerium in Schwerin, dass Änderungsanträge im Bundesrat angekündigt hat.

Sind die Existenzängste berechtigt?

Erste Berechnungen haben ergeben, dass in Mecklenburg-Vorpommern rund 150.000 Hektar Ackerfläche vom Agrarpaket betroffen sein werden. Die Gründe sind vielfältig. Das liegt zum einen daran, dass in bestimmten Gebieten aus Naturschutzgründen künftig nichts mehr angebaut werden darf. Es geht vor allem um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die künftig entweder verboten werden oder nur noch eingeschränkt verwendet werden dürfen. Pflanzenschutz- und Agrarexperten sind sich einig, dass das weniger Ertrag zur Konsequenz hat - beispielsweise bei Weizen oder Raps. Für die Landwirte bedeutet das weniger Einnahmen. Auch die Wirtschaftszweige danach sind betroffen - etwa die Branche der Lebensmittelproduktion. Unter anderem befürchten Öl- und Getreidemühlen, dass sie künftig weniger regionale Produkte verarbeiten können. Nach Angaben des Landesbauernverbandes hängen an jedem Arbeitsplatz in der Landwirtschaft bis zu sieben weitere Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen. Der Verband macht darauf aufmerksam, dass bislang konventionell mit Weizen, Gerste, Roggen oder Erbsen bebaute Flächen künftig höchstens noch biologisch betrieben werden können. Der Ökomarkt aber sei voll, die Preise seien niedrig, so Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck.

Wo dürfen künftig weniger oder gar keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden?

Glyphosat soll ab 2024 deutschlandweit verboten und in der Zeit zuvor nur noch eingeschränkt eingesetzt werden. Dies gilt für Grünland, den Wald, für Weihnachtsbaumkulturen, Gleisanlagen, private Gärten und öffentliche Parkflächen. Ziel ist, den Glyphosateinsatz um 75 Prozent zu verringern. Wer Pflanzenschutzmittel anwendet, soll einen Mindestabstand zu Gewässern von zehn Metern halten. Ein Abstand von fünf Metern soll gelten, wenn die Abstandsfläche dauerhaft begrünt ist. Ab 2021 sollen Herbizide und Insektizide in Schutzgebieten verboten werden. Dazu gehören Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, Naturschutzgebiete, Nationalparks und Vogelschutzgebiete. Artenreiches Grünland, Streuobstwiesen und Trockenmauern sollen künftig als Biotop eingestuft werden. Auch dort sollen Einschränkungen für den Pflanzenschutz gelten.

Aber gegen mehr Umweltschutz, gegen mehr Insektenschutz können die Landwirte doch nichts haben?

Das haben sie auch nicht. Viele Landwirte weisen immer wieder darauf hin, dass sie das bereits jetzt leben und viel für den Naturschutz tun - beispielsweise Blühstreifen anlegen. Sie wollen nur nicht als Übeltäter schlechthin dargestellt werden. Ein Beispiel, das immer wieder genannt wird, ist das Thema "Zu viel Nitrat im Boden". Fakt ist, tierischer Dünger in Form von Gülle ist die Hauptursache. Aber an der Stelle wird immer wieder kritisiert, dass zu wenig Ursachenforschung betrieben wird und der Einfluss von natürlichen Prozessen im Boden oder Kläranlagen zu wenig berücksichtigt wird. Fakt ist aber auch, dass eine solche intensive Landwirtschaft, wie sie bislang betrieben wird, keine Zukunft haben wird. Darauf hat die Pflanzenschutzexpertin der Universität Rostock, Bärbel Gerowitt, im Gespräch mit NDR 1 Radio MV hingewiesen.

Was sieht das Agrarpaket für Nutztiere vor?

Es soll ein freiwilliges Tierwohllabel eingeführt werden. Das geplante Gütesiegel soll zeigen, ob Schweine - später auch Geflügel und Rinder - besser behandelt worden sind als gesetzlich vorgeschrieben. Für das Tierwohllabel müssen spezielle Anforderungen in der Haltung, beim Transport und bei der Schlachtung erfüllt werden. Diese müssen für das Tierwohllabel über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte Investitionszuschüsse für Tierhalter zu. Zugleich versprach die Ministerin, das Genehmigungsrecht für Stallumbauten für mehr Tierwohl zu verbessern.

Was bedeutet das Agrarpaket für uns Verbraucher?

Rein statistisch gesehen ernährt ein Landwirt heutzutage etwa 145 Menschen. In Zeiten des Klimawandels wird zunehmend für regionale Produkte geworben, um weltweite Importe zu verringern. Die Landwirte wollen auskömmliche Preise für ihre Produkte. Wir als Verbraucher müssen uns fragen, wie viel sind uns regionale Lebensmittel wert, wie viel wollen wir dafür ausgeben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.11.2019 | 16:00 Uhr

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