Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpocken-Viren. © RKI/dpa Foto: Andrea Männel/Andrea Schnartendorff

Experten: Ausbreitung der Affenpocken eher unwahrscheinlich

Stand: 27.05.2022 14:17 Uhr

Gelangt das Affenpocken-Virus auch in Europa ins Tierreich, könnte es immer wieder neue Ausbrüche bei Menschen geben. Das Friedrich-Loeffler-Institut schätzt das Risiko allerdings als gering ein.

Ein dauerhaftes Vorkommen von Affenpocken in Tieren ist laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Europa sehr unwahrscheinlich. Dafür müsste der Erreger von Menschen auf Tiere überspringen und sich in einer Population ausbreiten. Es sei aber fraglich, dass es in Europa Tierspezies gibt, die als geeignete Reservoirwirte infrage kommen, schreibt das für Tiergesundheit zuständige Bundesforschungsinstitut. Dennoch müsse die weitere Entwicklung beobachtet werden.

Warnung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hatte davor gewarnt, dass die Affenpocken endemisch werden könnten, sollte der Erreger von Menschen auf Tiere überspringen und sich in einer Tierpopulation ausbreiten. Die Gefahr wäre dann, dass das Virus immer wieder auf den Menschen überspringen könnte. Nagetiere sind das natürliche Reservoir des Virus, weshalb eine Rückübertragung auf bestimmte Haustiere möglich sei, obwohl dies bisher nicht beschrieben wurde.

VIDEO: Affenpocken: Wie gefährlich ist das Virus? (4 Min)

Das Risiko einer Rückübertragung des Affenpocken-Virus vom Menschen auf Nagetiere in Europa sieht das FLI "als sehr gering an, insbesondere aufgrund des notwendigen sehr engen Kontakts, um eine effiziente Übertragung überhaupt zu ermöglichen", teilte eine Sprecherin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

Dass das Virus über Abwasser vom Menschen wieder zu den Nagetieren übertrage werde, sei ebenfalls unwahrscheinlich, da die Ausscheidung hauptsächlich über Pockenläsionen - also den direkten Kontakt - stattfindet.

Bislang weder Studien noch Fälle bei Haustieren

Das FLI schreibt, dass es bisher weder Studien noch gemeldete Fälle gebe, bei denen sich Haustiere wie Katze, Hund oder Hamster infiziert hätten. "Lediglich für Kaninchen konnte experimentell gezeigt werden, dass sie an Affenpocken erkranken." Es sei aber nicht auszuschließen, dass auch andere Haustierarten empfänglich sind, schreibt das FLI. Soweit möglich sollten Haustiere aus der direkten Umgebung von erkrankten Personen deshalb ausgeschlossen werden.

Erreger erstmals 1958 nachgewiesen

Affenpocken sind eine Viruserkrankung. Der Erreger wurde erstmals 1958 in einem dänischen Labor bei Affen nachgewiesen - daher der Name Affenpocken. Fachleute vermuten allerdings, dass der Erreger eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert. Affen gelten - wie auch der Mensch - als sogenannte Fehlwirte. Affenpocken-Infektionen beim Menschen waren bislang vor allem aus Regionen West- und Zentralafrikas bekannt.

Weitere Informationen
Eine elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2003, die von den Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellt wurde, zeigt reife, ovale Affenpockenviren (l) und kugelförmige unreife Virionen. © CDC/AP/picture-alliance Foto: Russell Regner

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Mehrere Fälle in Deutschland

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall bei einem Menschen in Großbritannien nachgewiesen worden. Seitdem berichten immer mehr Staaten, in denen das Virus bislang eigentlich nicht vorkam, von nachgewiesenen Ansteckungen von Mensch zu Mensch. Auch mehrere Bundesländer in Deutschland sind betroffen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 26.05.2022 | 12:00 Uhr

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