Stand: 06.03.2018 17:21 Uhr

Caritas wirbt für Transparenz in der Wohlfahrt

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Die katholische Caritas macht sich für umfassende Transparenz bei den Wohlfahrtsverbänden stark - und fordert die anderen auf, mitzuziehen.

Die Debatte um mehr Transparenz bei den Sozialverbänden in Mecklenburg-Vorpommern gewinnt an Fahrt. Die katholische Caritas hat in Schwerin neue Vorschläge auf den Tisch gelegt. Der kleinste Verband innerhalb der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege macht sich für die "Initiative transparente Zivilgesellschaft" stark. Im Caritas-Verband des Erzbistums Berlin - zu dem Vorpommern gehört - werden diese Regeln nach eigenen Angaben bereits seit 2012 umgesetzt. Geschäftsführer-Gehälter sind demnach öffentlich - genauso wie Geldquellen und Finanzanlagen. Im Internet ist außerdem nachlesbar, wofür die staatlichen Mittel und Spenden ausgegeben werden.

Öffentlich geförderte Verbände tragen Verantwortung

Offengelegt werden außerdem Geschäfts- und Lageberichte und die Personalstruktur. Die Caritas-Direktorin für Berlin, Ulrike Kostka, setzt darauf, dass auch die übrigen Mitglieder in der Liga dem Beispiel ihres Verbandes folgen. Jeder öffentlich geförderte Verband habe Verantwortung, meinte sie. Steffen Feldmann, der Caritas-Direktor im Erzbistum Hamburg, will dem Beispiel der Berliner Caritas jetzt folgen. Für den Landesteil Mecklenburg würden dann im Verband die gleichen Regeln gelten.

Ämtervergabe nicht über Parteizugehörigkeit

Für die Caritas bedeute Transparenz aber auch eine "konstruktiv-kritische Distanz zur Politik", sagte Kostka. Man setze nicht nur auf eine Partei, sondern spreche mit allen Abgeordneten. Parteizugehörigkeit dürfe nicht über Ämtervergabe entscheiden. Da gelte allein die Frage, ob jemand fachlich geeignet sei. Hinzu komme das Vier-Augen-Prinzip: Niemand entscheide ganz allein. Es gebe eine klare Trennung zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat. Die Mitarbeiter müssten außerdem einen sensiblen Blick auf mögliches korruptives Verhalten haben, sagte ihr Kollege Feldmann aus Hamburg.

Treffen mit Antikorruptions-Organisation

Am kommenden Freitag sind die Vorschläge auch Thema bei einer neuen Runde im Sozialministerium in Schwerin. Ministerin Stefanie Drese (SPD) hat dazu auch die Antikorruptions-Organisation Transparency International eingeladen. Möglicherweise werden dann konkrete Dinge verabredet. Allerdings könnte das für Verbände wie der AWO nicht einfach werden: Auch wenn der Landesverband sich den Transparenz-Regeln unterwerfen sollte - die immerhin noch 15 Kreisverbände sind wirtschaftlich und rechtlich eigenständig. Sie können vom Landesverband nicht gezwungen werden, sich dem anzuschließen.

"Brauchen unbequeme Wohlfahrt"

Die Caritas-Spitze wiederholte am Mittwoch, dass die Verfehlungen Einzelner nicht dazu führen dürften, dass die gesamte Branche unter Generalverdacht gestellt werde. Dennoch sei ein beherztes Vorgehen für mehr Transparenz wichtig: Denn die Debatte führe gelegentlich dazu, dass die eigentliche Aufgabe der Verbände, sich um Menschen zu kümmern, in den Hintergrund gerade. Ulrike Kostka warb angesichts von "Sozialabbau in einzelnen Kommunen" für ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber der Politik: Wohlfahrtsverbände seien Anwalt über Benachteiligte und Dienstleister für Menschen in Not. "Mecklenburg-Vorpommern braucht auch eine unbequeme Wohlfahrt, die sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, und es ist wichtig, dass diese Stimme auch da ist."

Positives Echo in der Politik

Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Ehlers begrüßte den Transparenz-Vorstoß der Caritas "als ein gutes Zeichen". Der AfD-Abgeordnete Thomas de Jesus Fernandes erklärte, die Caritas sei ein Vorbild für alle Sozialverbände. Sozialministerin Drese meinte, für gemeinnützige Organisationen, "die mit Fördergeldern und Spenden arbeiten, ist eine hohe Transparenz unumgänglich". Sie begrüße deshalb, dass die Caritas die Transparenz-Standards ausweite. "Das ist eine gute Grundlage für das Treffen am Freitag bei mir im Sozialministerium."

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.03.2018 | 17:00 Uhr

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