Stand: 21.08.2020 17:07 Uhr

Hätten Polizisten einen tödlichen Unfall verhindern können?

Eine Unfallwarnung auf einem Fahrzeug der Polizei. © dpa Foto: Carsten Rehder
Bei einem schweren Verkehrsunfall auf der A20 sind zwei Menschen ums Leben gekommen. (Symbolbild)

Zwei Menschen sterben auf der A20 - einer wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht: Der erste Sonntag im August 2020 beginnt mit einem folgenschweren Verkehrsunfall. Um zwei Uhr nachts fährt ein 28-Jähriger kurz vor dem Kreuz Wismar in Fahrtrichtung Rostock mit seinem BMW auf einen Skoda auf. Beim Aufprall kommen der 45-jährige Fahrer des Skoda und eine 19-jährige Mitfahrerin ums Leben - ein weiterer Mitfahrer, ebenfalls 19 Jahre alt, wird mit einem Rettungshubschrauber in die Klinik gebracht. Alle drei stammen aus Vorpommern.

Zeuge hatte vor Unfallfahrer gewarnt

Im BMW sitzt ein 28-Jähriger aus Eberswalde in Brandenburg. Er fällt schon vor dem Unfall auf. Ein Autofahrer ruft die Polizei in Schleswig-Holstein an, berichtet, dass ein Wagen in Schlangenlinien in Richtung Rostock fährt. Polizisten aus einem Revier in Bad Oldesloe kontrollieren den 28-Jährigen auf einem Parkplatz - einen Atemalkohol-Test soll er abgelehnt haben. Stattdessen messen die Beamten den Alkoholgehalt der Umgebungsluft im Auto, aber sie finden keine Indizien dafür, dass der spätere Unfallfahrer Alkohol getrunken hat. Das teilt die Staatsanwaltschaft Lübeck mit.

Polizeikontrolle bleibt ergebnislos

Kein Alkohol in der Umgebungsluft, keine alkoholischen Getränke im Auto - lediglich müde habe der BMW-Fahrer gewirkt, heißt es. Der gibt an, 48 Stunden nicht geschlafen zu haben. Die Polizisten weisen den Mann an, eine Ruhepause einzulegen. Zu einer Atemalkohol-Kontrolle oder einer Blutprobe hätten ihn die Polizisten nicht zwingen können, so die Staatsanwaltschaft.

Polizisten melden sich selbst

Am nächsten Tag hören die beiden Polizisten von dem tödlichen Unfall bei Wismar. Sie melden sich selbstständig bei ihrem Dienststellenleiter, berichten von der Kontrolle, schildern ihre Beobachtungen. Sie seien fassungslos gewesen, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck. Die leitet ein Ermittlungsverfahren gegen die Beamten ein, wegen fahrlässiger Tötung. Zeugen werden vernommen. In einem Monat rechnet die Staatsanwaltschaft mit Ergebnissen.

Unfallverursacher bleibt unverletzt

Beim Unfall, der nur eine Stunde nach der Kontrolle geschieht, passiert dem BMW-Fahrer nichts. Ein Atemalkohol-Test ergibt einen Wert von 2,11 Promille. Die Autobahn wird in Richtung Rostock für mehrere Stunden gesperrt, erst am Morgen kann sie wieder freigegeben werden. Zwei Menschen sind tot - ein weiterer ist schwer verletzt.

Weitere Informationen
Eine nächtliche Unfallwarnung bei einem Einsatz auf einem Fahrzeug der Polizei. © Stefan Tretropp Foto: Stefan Tretropp

A20: Zwei Tote bei Unfall unter Alkoholeinfluss

In der Nacht auf Sonntag sind bei einem Verkehrsunfall auf der A20 nahe Wismar zwei Menschen ums Leben gekommen. Der mutmaßliche Unfallverursacher war betrunken. Er blieb unverletzt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.08.2020 | 17:07 Uhr

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