Stand: 22.01.2020 17:00 Uhr

Online-Glücksspiel: Einigung wirft Fragen auf

Die Bundesländer haben sich auf einen Entwurf für einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag geeinigt. Dieser soll ab Sommer 2021 in Kraft treten. Dann läuft der aktuelle Vertrag aus. Die größte Neuerung: Online-Casino-Spiele um Geld sollen in Deutschland künftig erlaubt werden.

Ein Kommentar von Philipp Eckstein, NDR

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"Es ist gut, dass es bald bundesweit für alle die gleichen Regeln gibt", findet Philipp Eckstein.

Es gibt sie: Eine Einigung aller 16 Bundesländer. Das ist eine gute Nachricht. Und eine Nachricht, die nicht selbstverständlich ist. Wer beobachtet hat, wie intensiv in den vergangenen Monaten und Jahren über das Thema Online-Glücksspiel gestritten wurde, der weiß - lange Zeit sah es ganz und gar nicht danach aus, dass die Länder einen Kompromiss finden würden. Es drohte ganz konkret, dass ab Sommer 2021 in vielen Bundesländern unterschiedliche Regeln gelten würden. Dass Spieler beispielsweise in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Bayern online zocken dürfen, es in den anderen Ländern aber verboten ist.

Länder-Flickenteppich nicht vermittelbar

Schon heute gibt es mit Schleswig-Holstein einen solchen Sonderfall. Dort darf online in Casinos um Geld gespielt werden, überall sonst ist es illegal. Vermittelbar ist ein solcher Länder-Flickenteppich im Internet den Menschen nicht. Deshalb ist es gut, dass es bald bundesweit für alle die gleichen Regeln gibt. Und doch: Die Einigung wirft Fragen auf. Vor allem: Wer wird damit eigentlich belohnt?

Seit Jahren wächst in Deutschland der Schwarzmarkt für Glücksspiel im Internet. Immer mehr Anbieter werben offensiv um deutsche Spielerinnen und Spieler. Suchtforscher warnen: Online-Glücksspiel ist besonders gefährlich. Spieler können in kürzester Zeit große Mengen Geld verspielen. Niemand kontrolliert, ob ein Spieler am Computer betrunken ist oder ein Suchtproblem hat. Und auch dafür gibt es viele Hinweise: Die Anbieter verdienen gerade an solchen Spielern gut, die eigentlich Hilfe brauchen.

Behörden haben zu wenig unternommen

Dass der Online-Schwarzmarkt in Deutschland überhaupt zu einem Milliarden-Markt werden konnte, liegt vor allem daran, dass viele Glücksspiel-Aufsichtsbehörden der Länder und die Staatsanwaltschaften in den vergangenen Jahren zu wenig dagegen unternommen haben. Deutsche Spieler können problemlos Geld bei Online-Casinos einzahlen. Kaum eine deutsche Bank unterbindet das illegale Geschäft. Konsequenzen? Fehlanzeige!

Gleiches gilt für Werbung: In fast allen Fußball-Bundesligastadien werben sogenannte Sportwettanbieter für ihr Angebot. Dieses umfasst aber regelmäßig auch illegale Online-Casinos. Auch hier fürchten die Anbieter offensichtlich keine Konsequenzen. Erst recht, da viele von ihnen ihren Sitz im Ausland haben.

Offensiv haben viele genau dieser Anbieter eine Legalisierung des Marktes gefordert und für diese Lobby-Arbeit auch viel Geld ausgegeben. Anbieter, die sich bislang an keine Regeln gehalten haben, werden jetzt scheinbar belohnt.

Können Länder strenge Regeln durchsetzen?

Der neue Vertrag sieht tatsächlich eine Legalisierung der Online-Casino-Angebote vor - wenn auch mit strengen Regeln. Den Beweis, dass die Länder die neuen, strengen Regeln diesmal tatsächlich konsequent durchsetzen, müssen sie erst erbringen. Ein erster Schritt wäre, all die Anbieter, die jahrelang offen gegen Glücksspielgesetze verstoßen haben, vom neuen, legalen Markt auszuschließen.

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NDR Info | Kommentar | 22.01.2020 | 17:08 Uhr