Stand: 10.12.2019 19:45 Uhr

Tabakwerbeverbot: Ein halbherziger Plan

Plakatwerbung fürs Rauchen soll in Deutschland nach dem Willen der Union ab 2022 schrittweise verboten werden. Deutschland hat schon 2005 einen völkerrechtlich bindenden Vertrag der Weltgesundheitsorganisation WHO ratifiziert, der ein umfassendes Werbeverbot für Tabakerzeugnisse vorsieht. Jetzt scheint es einen neuen Anlauf zu geben, nachdem im Oktober die neue Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig von der CSU ein Verbot von Außenwerbung nicht nur für Tabakprodukte, sondern auch für E-Zigaretten gefordert hatte. Christina Sartori kommentiert das Positionspapier von CDU/CSU zu einem Tabakwerbeverbot in Deutschland:

Ein Kommentar von Christina Sartori, WDR

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Beim Tabakwerbeverbot muss gehandelt werden - und zwar jetzt, meint Christina Sartori vom WDR.

Wir befinden uns im Jahr 2019 nach Christus. Alle Länder der europäischen Union verbieten Außenwerbung für Tabakprodukte … Alle Länder der EU? Nein! Ein Land hört nicht auf, der Vernunft Widerstand zu leisten: In Deutschland können heute noch Philip Morris und Co. für Zigaretten, E-Zigaretten und Tabakerhitzer auf Plakaten, Litfaßsäulen und im Kino werben. Sie dürfen auch regionale Veranstaltungen sponsern, zum Beispiel Parteiveranstaltungen, und Gratisproben auf Festivals verteilen.

Wissenschaftlich bewiesen: Rauchen ist schädlich

Aber jetzt, jetzt scheint sich etwas zu verändern, kommt Bewegung in die Sache. Möglicherweise wird es doch noch auch in Deutschland ein umfassendes Tabakwerbeverbot geben. Endlich - könnte man meinen, denn seit mehr als 50 Jahren ist wissenschaftlich bewiesen: Rauchen fördert Lungenkrebs und schädigt das Herz.

Aber wer das Positionspapier der CDU/CSU liest, der erkennt: Hier wird weiterhin verzögert und halbherzig agiert.

Beispiel 1

Außenwerbung für Tabakprodukte soll abgeschafft werden. Aber: Erst ab dem Jahr 2022, also in zwei Jahren. Dabei hat das renommierte deutsche Krebsforschungszentrum klar festgestellt: Diese Werbung animiert zum Rauchen, gerade Jugendliche. Und: alle anderen Länder der EU verbieten dies heute schon - warum braucht man in Deutschland dazu weitere zwei Jahre?

Beispiel 2

Für E-Zigaretten soll das Verbot erst ab 2024 gelten. Dabei zeigen aktuelle Untersuchungen, dass gerade E-Zigaretten Jugendliche ansprechen, mit Geschmackssorten wie Apfel oder Popcorn. Mag sein, dass einige Erwachsene mit Hilfe der E-Zigarette mit dem Rauchen aufhören und damit ihrer Gesundheit weniger schaden als vorher. Aber: Auch E-Zigaretten sind ungesund und haben daher in den Fingern von Jugendlichen nix zu suchen.

Beispiel 3

Die Kinowerbung für Zigaretten wird nicht verboten, nein - sie wird eingeschränkt. Bisher darf das Publikum ab 18 Uhr durch Werbefilme für Zigaretten, und E-Zigaretten in Stimmung gebracht werden. Ab 2021 soll das nur noch bei Filmen ab 18 Jahren erlaubt sein.

Diese Positionen sind nicht umfassend, sie sind halbherzig. Die Wissenschaft hat schon vor langer Zeit festgestellt: Krebs und Herzkrankheiten entstehen zu einem großen Teil durch das Rauchen. Ein Bündnis aus 22 Wissenschaftsorganisationen fordert, jetzt schnell ein Tabakwerbeverbot umzusetzen. Zeit für Deutschlands Regierung, auf die Wissenschaft zu hören: Mit einem umfassenden Tabakwerbeverbot, das jetzt umgesetzt wird, nicht erst in den nächsten Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 10.12.2019 | 18:30 Uhr