Stand: 10.08.2020 17:00 Uhr

Scholz Kanzlerkandidat: "SPD macht eine Menge richtig"

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zieht als Kanzlerkandidat seiner Partei in die Bundestagswahl 2021. "Ich freue mich über die Nominierung und ich will gewinnen", sagte er am Montag. Der Parteivorstand hatte Scholz kurz zuvor einstimmig als Kanzlerkandidaten nominiert. Der Koalitionspartner Union kritisierte den Zeitpunkt der Nominierung und warnte die SPD davor, mitten in der Corona-Pandemie den Wahlkampf zu starten.

Ein Kommentar von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Porträtfoto von Angela Ulrich, Studioleiterin und Hörfunkkorrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio Berlin. © ARD-Hauptstadtstudio Berlin Foto: Reiner Freese
Für Angela Ulrich ist die Kanzlerkandidatur von Scholz die richtige Entscheidung.

Die SPD hat vorgelegt - und den Richtigen zum Kanzlerkandidaten gemacht. Olaf Scholz: keine Plaudertasche, kein begnadeter Redner, kein Emotions-Bolzen - aber: verlässlich, zupackend, ein erprobter Krisenmanager, der im Zweifel die Milliarden springen lässt. Woran erinnert diese Art, Politik zu machen? Genau - an Angela Merkel. Und nur weil die geht, und eine Leerstelle hinterlässt, hat die SPD überhaupt eine Chance, so klein sie auch sein mag. Aber mit einem pragmatischen Kandidaten anzutreten, Typ "Merkel in der SPD", könnten die größten Chancen für die Sozialdemokraten liegen, doch noch aus dem Umfragekeller aufzutauchen. Vielleicht sogar die Grünen zu überflügeln.

Alle anderen Parteien wirken unsortiert - die SPD nicht

Auch der Zeitpunkt, überraschend früh, hat etwas für sich. Alle anderen Parteien wirken unsortiert. Die SPD ausnahmsweise nicht - ein Gefühl, das die Genossen auskosten dürften. Allerdings liegt hier auch die Gefahr der langen Strecke, die dringend ohne neuerliches internes Zerfleischen bewältigt werden muss. Und das kann die SPD normalerweise nicht besonders gut: Geschlossen sein, einig hinter ihrem Kandidaten stehen, Gemeinsamkeit beweisen.

Erste Mäkeleien an Olaf Scholz gibt es auch schon, doch nur von Randfiguren. In der Präsentation mit den beiden Parteichefs Esken und Walter-Borjans hat das Teamspiel erstmal gut geklappt: das Wort "Gemeinsam" wiederholte sich in Endlosschleife. Aber können und wollen die Sozialdemokraten das durchhalten, jetzt noch mehr als ein Jahr lang? Darauf wird es ankommen.

Scholz ist Sozialdemokrat durch und durch

Außerdem darauf, auch heimatlose Merkel-Wähler anzusprechen, die den Typ "unideologischer Krisenmanager" weiter haben wollen - wenn die Kanzlerin selbst abtritt. Und die bei Scholz kaum merken, dass der Mann in einer anderen Partei ist. Dass die SPD dazu noch ein eher linkes Programm beschließen wird, ist weniger Dilemma, als es aussieht – denn Scholz ist Sozialdemokrat durch und durch. Früher ein linker Juso, jetzt einer, der in der Corona-Krise die Schwarze Null abhakt und Hilfspakete herauswummst - das geht zusammen. Und stärkt die Einigkeit in der Partei, mit linker Spitze und gemäßigtem Kanzlerkandidaten. Also: diesmal eine Menge richtig gemacht SPD - wenn die eigene Geschlossenheit hält.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

 

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Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, spricht bei einer Pressekonferenz, auf der er als Kanzlerkandidat seiner Partei für die Bundestagswahl 2021 vorgestellt wird. © picture alliance/dpa Foto: Kay Nietfeld

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NDR Info | Kommentar | 10.08.2020 | 17:08 Uhr