Stand: 05.01.2022 17:32 Uhr

Kommentar: Keine Bühne für Hass auf Telegram!

Im Messenger-Dienst Telegram gibt es praktisch täglich Tötungsaufrufe gegen prominente Politiker, Wissenschaftler und Journalisten. Das geht aus einer Recherche von tagesschau.de hervor. Danach kommen die Urheber der Hass-Botschaften aus der Szene der Impfgegner und Verschwörungs-Anhänger.

Ein Kommentar von Nils Kinkel, NDR Info

NDR Info Redakteur Nils Kinkel © NDR Foto: Christian Spielmann
"Keine Bühne für Hass auf Telegram", fordert Nils Kinkel.

Telegram ist die wichtigste Plattform für viele Querdenker. Keine Frage: Der Hass, der hier verbreitet wird, ist widerlich. Den Messenger deshalb in Deutschland abzuschalten oder zu blockieren, ist aber keine gute Lösung. 330.000 Menschen haben beispielsweise den Corona-Infokanal der Bundesregierung abonniert. Hier wird aufgeklärt, mit Videos und guten Argumenten für eine Booster-Impfung, die sich auf dem Handy leicht teilen lassen. Klar, radikale Impfgegner wird man damit nicht erreichen. In einer Demokratie ist aber jeder Kontakt wichtig, damit sich Lügen in Sprachnachrichten nicht so schnell verbreiten. In vielen antidemokratischen Ländern wird der Messenger auch von Regimekritikern genutzt. Weil Telegram sich weigert, Daten seiner Nutzer an Dritte weiterzugeben.

Straftäter verurteilen - Hassprediger-Accounts löschen

Was hilft also gegen Hass, Terror und Aufrufe zur Gewalt? Dies sind eindeutig Straftaten, hier müssen die Behörden genauso die Absender aufsuchen wie zuletzt bei YouTube, Facebook oder Twitter. Das ist mühsam, kostet Geld und verlangt viel Umstrukturierung. In Sachsen und auch Mecklenburg-Vorpommern ermittelt das LKA nach einem Mordaufruf auf Telegram. Erst wenn Beamte an der Haustür klingeln und Straftäter verurteilt sind, wird sich am Umgangston vielleicht etwas ändern.

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Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man das Logo der Messenger App Telegram © picture alliance/dpa | Fabian Sommer Foto: Fabian Sommer

Täglich Tötungsaufrufe auf Telegram

Eine Recherche zeigt, dass es seit Mitte November täglich Tötungsaufrufe aus der Querdenker-Szene gibt. extern

Und was muss Telegram ändern? Die Accounts von Hasspredigern löschen, wie im Sommer beispielsweise den Kanal von Attila Hildmann. Auch nach dem Sturm auf das US-Kapitol vor einem Jahr hat Telegram dem Druck nachgegeben und Dutzende Accounts von Rechtsradikalen gelöscht.

Digitale Brandstifter dürfen keine Bühne mehr haben

Erst wenn die digitalen Brandstifter keine Bühne mehr haben, verlieren sie auch an Bedeutung und an der Gefahr, auf der Straße zu mobilisieren. Twitter, Facebook und YouTube haben es vorgemacht, sie haben die reichweitenstarken Accounts von Donald Trump einfach gesperrt. Weil er wiederholt gegen die Regeln verstoßen hat.

Und wenn sich Telegram weiterhin nicht an diese Regeln von Apple und Google hält, dann müssen die wertvollsten Unternehmen der Welt ihre eigenen Geschäftsregeln konsequent überprüfen. Sollte Telegram weltweit aus den App-Stores fliegen, wäre das wirkungsvoller als jeder Bußgeldbescheid aus Deutschland. Ohne Reichweite lässt sich mit keinem Messenger der Welt Geld verdienen.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin / des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gibt im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ihre erste Regierungserklärung nach der Wiederwahl ab. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Morddrohung gegen Schwesig - LKA ermittelt

Die Drohung wurde über den Messenger-Dienst Telegram veröffentlicht. Innenminister Pegel verurteilte die Drohung scharf. mehr

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NDR Info | Kommentar | 05.01.2022 | 17:08 Uhr