Stand: 01.05.2020 13:29 Uhr

Perkussive Klangreisen

CD-Cover "Myriad" © GLM Music GmbH Foto:
Das Album "Myriad" erscheint digital als Digipack sowie auf Vinyl.

Zwei Herren im Studio: Der eine setzt sich ans Klavier, der andere baut eine Wagenladung voller fremdländischer Trommeln auf. Der eine sucht die Reibungspunkte im Jazz, der andere studiert mit Vorliebe die Taktfolgen außereuropäischer Musik. Begegnet sind Chris Gall und Bernhard Schimpelsberger sich schon oft - auf der Bühne und im Studio. Doch ein richtiges Album-Projekt haben sie erst jetzt umgesetzt: "Myriad" heißt das Ergebnis und schlägt einen Bogen von Jazz-Elegien über eine John Cage-Komposition bis hin zum abenteuerlich präzisen indischen Sprachgesang Konnakol.

Alles wird rhythmischer

Und alle Stücke haben eins gemeinsam: das perkussive Herangehen. Der bayerische Pianist und der österreichische Perkussionist mit Wohnsitz London erforschen Rhythmen bis in ihre feinste Verästelungen. Minimalistische Melodieschleifen haben genauso ihren Platz wie ein fast schon enthusiastischer Überschwang, wenn das alles nur geerdet ist in oft höchst kniffligen Taktfolgen. Schimpelsberger schreibt Gall ins Gästebuch, oder genauer: ins CD-Booklet: "Ich glaube ja, dass sich im letzten Jahrhundert die Rhythmik von allen musikalischen Elementen am schnellsten entwickelt hat. Ob in der Klassik oder elektronischen Musik, alles wird rhythmischer". Und damit zur Spielwiese für die beiden Musiker, die sich erst wochenlang Ideen und Skizzen per Internet zuschickten und dann zwei Wochen lang im Probenraum all ihre Ideen ausprobierten und auf Tauglichkeit überprüften, bevor sie schließlich beim Bayerischen Rundfunk für die Sessions zu "Myriad" vorsprachen: "Die meisten Stücke sind auf diese Weise komplett neu entstanden und fast alle extra für unser Duo komponiert worden", so Gall.

Wunderbare Freiheit

Wie man sich die Sessions dann vorstellen muss, zeigen einige Fotos, auf denen beide Musiker im Korpus des Flügels zueinander finden mit Klöppeln auf den Saiten, mit kleinen Becken und Trommeln. Hier ist dann eben alles Rhythmus. Jazz und Weltmusik finden sich fast spielerisch. Wahrlich kein neues Konzept, es wird hier nur ungemein überzeugend umgesetzt. Gerade Gall liebt solche Begegnungen, spielte bereits mit dem Pop-Avantgardisten Enik oder suchte den "Tango for Two" mit dem Quadro Nuevo. Und fühlte sich von Schimpelsberger herausgefordert: "Ich war mir nicht sicher, ob dir auch bewusst ist, dass ich nur zwei Hände habe. Du hast schließlich zwei Hände und zwei Füße, um deine vielen Rhythmus-Ebenen übereinander zu legen", so Gall im Booklet-Dialog zu seinem Mitstreiter.

Traumprojekt

Dabei haben Gall und Schimpelsberger versucht, die Waage zu finden zwischen niedergeschriebenen Ideen und deren spontaner Umsetzung: "Die Kompositionen dienen uns als Kompass auf diesen Klangreisen", so Schimpelsberger: "Wir folgen ihnen, dazwischen gibt es aber auch immer sehr viel Platz für Improvisation". Diese "wunderbare Freiheit" ist ein großes Glück für den Trommler: "Alles mögliche auszuprobieren. Freude daran zu haben und gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen". So schwärmt man von einem Traumprojekt. Dieses "Myriad" ist so eins.

Myriad

Label:
GLM
Veröffentlichungsdatum:
24.04.2020
Preis:
17,99 €
Länge:
49:52

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Jazz | 04.05.2020 | 22:05 Uhr

NDR Info Livestream

Das Informationsprogramm - Die Nachrichten für den Norden.

14:00 - 17:05 Uhr
Live hören