Auf einem Schild vor der Bundesagentur für Arbeit steht "Arbeit", dahinter stehen mehrere Personen. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Zahl der Arbeitslosen steigt im Vergleich zum Vorjahresmonat

Stand: 02.11.2022 12:04 Uhr

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Oktober im Vergleich zum Vormonat saisonüblich zurückgegangen. Dieser Trend wurde auch in allen norddeutschen Bundesländern registriert. Allerdings lagen die Zahlen höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Die Arbeitslosenzahlen stiegen bundesweit gegenüber dem Oktober des vergangenen Jahres um 65.000, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Damals hatte die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt noch einen doppelt so hohen Rückgang der Arbeitslosenzahl um damals 88.000 bewirkt. Allerdings geht die Bundesagentur weiter davon aus, dass die Geflüchteten aus der Ukraine derzeit einen Effekt auf die Zahl der Arbeitslosen haben. Die Arbeitslosenquote verringerte sich gegenüber dem Vormonat September um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent - im Oktober 2021 hatte sie 5,2 Prozent betragen.

Niedersachsen: Langzeitarbeitslose wieder vermehrt in Beschäftigung

Auch die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen ging bis Mitte Oktober erneut leicht zurück. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren in Niedersachsen rund 234.400 Menschen ohne Job gemeldet. Das sind 1,5 Prozent weniger als im September. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg ihre Zahl allerdings um 12.439 Personen. Die Quote blieb bei 5,4 Prozent. Eine Ursache für die Entwicklung sei, dass etliche junge Leute nach dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres eine Lehrstelle oder nach dem Ende ihrer Ausbildung nun einen Job gefunden hätten. Daneben kämen auch Langzeitarbeitslose wieder vermehrt in Beschäftigung. Gleichzeitig suchen viele Betriebe weiter händeringend nach qualifiziertem Personal. BA-Regionalchef Johannes Pfeiffer wies darauf hin, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung noch immer steige und die Zahl der gemeldeten Stellen weiter hoch sei. Arbeitgeber seien wegen der Energieknappheit und Inflation vorsichtiger: "Sie werden jedoch auch in einer drohenden Krise eine langfristige Fachkräftestrategie benötigen", sagte er.

SH: 2,3 Prozent mehr Menschen arbeitslos als vor einem Jahr

In Schleswig-Holstein nahm die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich ebenfalls zu. Im Oktober waren im nördlichsten Bundesland 81.400 Frauen und Männer ohne festen Job, wie die Agentur für Arbeit berichtete. Dies seien 2,3 Prozent mehr gewesen als im gleichen Monat des Vorjahres. Gegenüber dem Vormonat September gab es einen Rückgang um 0,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt nunmehr wie im September 5,2 Prozent, nach 5,0 Prozent vor einem Jahr. Der Arbeitsmarkt habe im Oktober im Vergleich zum September von einer zwar gedämpften, aber saisonal typischen Herbstbelebung profitiert, kommentierte der Regionalchef der Arbeitsagentur, Markus Biercher, diese Entwicklung. Im Vorjahresvergleich habe besonders der Übergang ukrainischer Schutzsuchender in die Grundsicherung eine Zunahme der Arbeitslosigkeit bewirkt. Biercher betonte, dass sowohl die Zahl junger Arbeitsloser als auch die der Langzeitarbeitslosen spürbar zurückgegangen sei.

MV: Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich leicht gestiegen

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sank die Zahl der Arbeitslosen im Oktober gegenüber dem Vormonat leicht, bleibt aber ebenfalls weiter über dem Vorjahresniveau. Wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit mitteilte, sind im Nordosten 58.300 Menschen ohne Job. Das sind 700 weniger als im September, jedoch 3.700 mehr als im Oktober 2021. Die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern beträgt aktuell 7,2 Prozent. Im September waren es 0,1 Prozent weniger. Bemerkenswert findet Biercher, dass - im Vergleich mit dem Vormonat September - die jeweilige Arbeitslosenzahl aller Alters- und Personengruppen gesunken sei. "Speziell in der Altersgruppe 'unter 20' ist der Rückgang im Vormonatsvergleich mit einem Minus von 13,5 Prozent überdurchschnittlich", betonte er. Denn wie schon im Vormonat konnten auch im Oktober speziell die jungen Fachkräfte, die nach erfolgreichem Berufsabschluss nicht übernommen wurden, die Phase der sogenannten Übergangsarbeitslosigkeit frühzeitig beenden. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen habe im Vormonats- und im Vorjahresvergleich erneut abgenommen.

Hamburg: Rekord bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

Im Oktober sank die Arbeitslosigkeit auch in Hamburg im Vergleich zum September - sie fiel um 1,3 Prozent auf 74.450 Menschen. Im Vergleich zum Oktober 2021 stieg sie jedoch um 0,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vormonat von 7,0 auf 6,9 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 6,8 Prozent gelegen. Wer jetzt einen Job sucht, habe aber weiterhin sehr gute Chancen: Der Arbeits- und Fachkräftebedarf bleibe auf hohem Niveau, berichtete die Arbeitsagentur in Hamburg. Konkret seien dort derzeit mehr als 13.000 freie Stellen gemeldet. Gleichzeitig verzeichne die Stadt wieder einen Rekord bei der sozialversicherungspflichtigen Gesamtbeschäftigung: Im August hätten 1.048.400 Frauen und Männer in Hamburger Unternehmen gearbeitet - gut 13.000 mehr als noch im Monat davor. Innerhalb eines Jahres hätten in der Stadt alle Branchen zugelegt, so die Arbeitsagentur.

 

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NDR Info | Aktuell | 02.11.2022 | 10:00 Uhr

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