Teilen statt Kaufen: Start-up macht privates Verleihen sicher

Stand: 30.05.2023 13:45 Uhr

Ob Heckenschere, Schlauchboot oder Bluetooth-Box: Viele Dinge des alltäglichen Lebens stehen die meiste Zeit rum, statt genutzt zu werden. Trotzdem sind sie in vielen Haushalten vorhanden. In Hamburg haben Wirtschaftsstudenten aus diesem Grund eine Verleih-Plattform eröffnet.

von Simon Ritter und Merle von Kuczkowski

Die Fainin-Gründer auf ihrem Balkon. © Screenshot
Hier entstand die Idee: Die Gründer auf einem Balkon über der Alster.

Maximilian Lehmann ist Student an der Universität Hamburg und wohnt direkt am Alsterkanal. Für ihn war es immer selbstverständlich, sein Schlauchboot mit anderen zu teilen. Doch er erkannte, dass die Hemmschwelle bei vielen Menschen hoch ist, weil sie Sorge haben, dass ihr Eigentum kaputt oder verloren geht.

Die Auswahl an Nachbarschafts- und Verleih-Plattformen ist groß, doch die private Vermietung ist hier nicht versichert und andere Secondhand-Formate wie Flohmarkt-Apps sind nur auf Verkauf statt Vermietung ausgerichtet.

Neue Sharing-Community aus Hamburg: Teilen statt Kaufen

Zusammen mit zwei Studienfreunden hat Lehmann deshalb eine Verleih-Plattform gegründet, die besonders sicher sein soll: "Fainin". Der Name steht für "Find Anything In Your Neighbourhood (deutsch: Finde alles in deiner Nachbarschaft). Das Unternehmensmotto lautet "Teilen ist das neue Haben", das Logo ist ein Bumerang.

"Fainin" gibt es als Internetseite und App. © Screenshot
"Fainin" gibt es als Internetseite und App.

Gründer Lehmann: "Es gibt unglaublich viele Sachen, die 90 Prozent der Zeit rumliegen und eigentlich von anderen Leuten mitbenutzt werden könnten. Aber es gibt keine Möglichkeit, dass Menschen diese Dinge sicher vermieten können." Deshalb taten sich die Hamburger mit einer großen Versicherung zusammen und eröffneten einen Online-Marktplatz, bei der alle Vermietungen bis 15.000 Euro versichert sind. Zudem müssen sich Mieter und Vermieter mit Personalausweis, Reisepass oder Führerschein registrieren. Die Identität wird von einem Partnerunternehmen verifiziert.

Online-Marktplatz für Technik, Party- und Haushaltsbedarf

Die Bedienung der Plattform ist simpel: Zuerst einen Account anlegen, Produktfotos hochladen und einen kleinen Text schreiben. Dann die Verleihdaten und den Preis angeben. Der potenzielle Mieter kann den Artikel in der Übersicht auswählen und anfragen. Wenn alles passt, findet die Übergabe persönlich statt oder der Gegenstand wird verschickt. In diesem Fall teilen sich Vermieter und Mieter das Porto.

Mehr als 6.000 Nutzer sind bei der Sharing-Community bereits registriert. Die meisten möchten allerdings etwas leihen, statt Privateigentum zu teilen. Neben Bierbänken und Küchengeräten liegt der Fokus vor allem auf Elektronik. Geld verdient "Fainin" über eine Servicegebühr.

Maximilian Lehmann © Screenshot
AUDIO: Teilen statt Kaufen: Start-up macht privates Verleihen sicher (4 Min)

Mit ähnlichen Geschäftsmodellen sind in Deutschland schon mehrere Unternehmen an den Markt gegangen - und nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Heute seien die technischen Voraussetzungen besser, meinen die Hamburger Gründer. Gesellschaftlich ist die "Sharing Economy" auf jeden Fall etabliert: Autos und Wohnungen werden vor allem in Städten in großem Maßstab als kurzzeitige Mietobjekte genutzt.

Gründer wollen Nachhaltigkeit und soziale Nähe fördern

Gründer Lehmann verfolgt einen weiteren Aspekt: "Wir kooperieren mit Hochschulen, Universitäten, grundsätzlich mit Schulen." Das soll jungen Menschen die Möglichkeit geben, Geld zu verdienen und günstig etwas zu mieten. Die Jungunternehmer wollen Nachhaltigkeit und soziale Nähe fördern, damit zukünftig weniger gekauft wird und zugleich weniger ungenutzte Dinge herumliegen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Perspektiven - auf der Suche nach Lösungen | 30.05.2023 | 10:47 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Netzwelt

Illustration: Zwei Hände umfassen eine Glühbirne © NDR

NDR Info Perspektiven: Auf der Suche nach Lösungen

In der Reihe NDR Info Perspektiven beschäftigen wir uns mit Lösungsansätzen für die großen Herausforderungen unserer Zeit. mehr

Ein Smartphone mit einem eingeblendeten NDR Screenshot (Montage) © Colourbox Foto: Blackzheep

NDR Info auf WhatsApp - wie abonniere ich die norddeutschen News?

Informieren Sie sich auf dem WhatsApp-Kanal von NDR Info über die wichtigsten Nachrichten und Dokus aus Norddeutschland. mehr

Karte von Norddeutschland. Im Vordergrund eine Lupe. © NDR

Mieten, Alter, Single-Haushalte: Zensus-Daten für Ihre Gemeinde

Wie ist die Altersverteilung in Ihrer Stadt? Welche Berufe haben die Menschen in Ihrer Gemeinde? Finden Sie es heraus. mehr

Eine Frau schaut auf einen Monitor mit dem Schriftzug "#NDRfragt" (Montage) © Colourbox

#NDRfragt - das Meinungsbarometer für den Norden

Wir wollen wissen, was die Menschen in Norddeutschland bewegt. Registrieren Sie sich jetzt für das Dialog- und Umfrageportal des NDR! mehr

Mehr Nachrichten

Die Geschwister Helmtrud und Albrecht von Hagen wurden in ein Nazi-Kinderheim in Bad Sachsa verschleppt. Ihr Vater war am Attentat auf Hitler beteiligt und wurde am 8.8.1944 hingerichtet. © NDR

80 Jahre nach dem Hitler-Attentat: Gedenken auch im Harz

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurden die Kinder der Hitler-Attentäter von Nazis verschleppt. Auch nach Bad Sachsa. mehr