Tschentscher: "Hamburgs Corona-Maßnahmen beginnen zu wirken"

Stand: 13.11.2020 18:39 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Hamburg bleibt weiter auf hohem Niveau. Aber sie gibt Anlass zur Hoffnung, wie Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitag sagte.

Tschentscher sprach davon, dass die aktuellen Corona-Beschränkungen anfangen zu wirken. Denn der Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus habe sich verlangsamt. Zuvor hatte sich der Bürgermeister mit Ärztevertreterinnen und -vertretern im Rathaus getroffen. Ob die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in den kommenden Wochen tatsächlich gelockert werden können, wollte er aber nicht zusagen. "Ich verstehe das Bedürfnis, Planungssicherheit zu haben, sehr gut", so Tschentscher. Es sei jedoch sehr schwer, jetzt in die Glaskugel zu gucken. Vieles hänge davon ab, wie sich die Infektionszahlen in den kommenden Wochen entwickelten, so der SPD-Politiker weiter. "Ich bin überzeugt, wenn wir in diesem Geist weiterarbeiten, dass wir der Pandemie weiterhin Stand halten werden und dass wir dann auch wirklich Licht am Ende des Tunnels erleben werden", ergänzte er.

Krankenhauspersonal in Hamburg wird knapp

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde lagen am Freitag zehn Corona-Patienten und -Patientinnen weniger in den Hamburger Kliniken als noch am Donnerstag. Auch die Zahl der Intensivpatienten und -patientinnen sank leicht. Aus Sicht der Krankenhäuser ist es aber noch viel zu früh, um Kontaktbeschränkungen wieder fallen zu lassen. Das sagte Stefan Kluge, Leiter der Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Er geht davon aus, dass die Zahl der Coronakranken in den Kliniken noch mindestens zwei bis drei Wochen steigt. Zunehmend werde das Personal knapp, Ärzte und Pfleger müssten nach monatelangen Einsätzen ersetzt werden. "Der Personalstamm in den Krankenhäusern ist endlich und definiert", so Kluge. "Auch wenn uns Menschen unterstützt haben, die schon im Ruhestand waren: Das Engagement ist etwas zurückgegangen", ergänzte er. Alle seien etwas müde angesichts dieser langen Pandemie.

Lobende Worte für alle, die die Regeln befolgen

Aus Sicht der Intensivmedizin sei daher jetzt nicht der Zeitpunkt, über eine Lockerung der Maßnahmen nachzudenken, so Kluge weiter. Dafür sei es noch zu früh. Gemeinsamer Tenor von Wissenschaft und Politik ist darum: die Regeln schärfen, aber nicht verschärfen. Außerdem gab es statt mahnender Worte am Freitag ein Lob dafür, dass sich die meisten Menschen an die geltenden Regeln halten. Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hambur, bedankte sich bei allen, die "mit einem hohen Maß und Selbstdisziplin dafür sorgen, dass die Verhältnisse hier in Hamburg nicht so dramatisch sind", wie man es in den Nachbarstaaten sehe. "Das ist besonders hervorzuheben, da auch der weitere Verlauf davon abhängig ist, was die Menschen tun", so Emami. Die Bemühungen von Wissenschaft, Politik und Medizin wären vergebens, wenn die Menschen nicht an einem Strang ziehen würden.

Corona: UKE-Impfstudie läuft vielversprechend

Prof. Dr. Marylyn Addo -  Leiterin der Sektion Infektiologie am UKE © picture alliance/dpa-POOL/dpa Foto: Ulrich Perrey
Sieht die Impfstudie des UKE vor dem Durchbruch: Infektionsforscherin Marylyn Addo.

Hoffnung verbreitete nach dem Spitzentreffen im Rathaus die Infektionsforscherin Marylyn Addo vom UKE. Neben dem Impfstoff des deutschen Herstellers Biontech gebe es aktuell noch zwei weitere Unternehmen, die kurz vor dem entscheidenden Durchbruch stünden. Auch die eigene Impfstoffstudie am UKE sei vielversprechend und erfolgreich. "Die Vorbereitungen für einen Rollout in der Stadt laufen schon auf Hochtouren", sagte Addo. Die Verfügbarkeit im großen Stil werde aber sicherlich erst im neuen Jahr da sein. Außerdem müsse man sich darüber im Klaren sein, dass zu Beginn nur eine gewisse Anzahl an Impfstoff zur Verfügung stehen werde, so die Medizinerin weiter.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.11.2020 | 14:00 Uhr

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