Das Gesundheitamt in Wandsbek. © NDR Foto: Screenshot

Mitten in der Corona-Pandemie: Ärger im Gesundheitsamt Wandsbek

Stand: 08.02.2021 06:59 Uhr

In Hamburg-Wandsbek hat die Chefin des Gesundheitsamtes gekündigt. Offenbar ist die Leiterin mit Entscheidungen der Bezirksamtsleitung nicht einverstanden. Probleme gibt es wohl auch bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten.

Die Chefin des Gesundheitsamts Wandsbek, Frauke Ishorst-Witte, gilt bei Vorgesetzten wie Mitarbeitenden als geschätzte Pandemie-Managerin. Die Ärztin baute während der Corona-Krise ein schlagkräftiges Team auf. Erst im November hatte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) angekündigt, eine "Task Force" mit bis zu 250 Mitarbeitenden im Gesundheitsamt Wandsbek anzusiedeln.

Zu wenig Räume im Gesundheitsamt

Dass die Leiterin des Gesundheitsamtes nun gekündigt hat, gibt wohl einen Hinweis auf mehrere Probleme in der Behörde. Ein Streitpunkt ist der Umgang mit den knappen Räumen: Die vielen zusätzlichen Mitarbeitenden, die wegen der Corona-Pandemie hinzukamen, belegen Büros anderer Abteilungen. Der Bezirksamtsleiter hatte deshalb entschieden, Teile des Gesundheitsamtes auszulagern.

Mitarbeitende kritisieren den Bezirksamtsleiter

Doch viele im Gesundheitsamt halten solche eine räumliche Trennung für falsch. Die Arbeit werde durch verschiedene Standorte extrem erschwert, heißt es in einem Brief von vielen Mitarbeitenden an den Bürgermeister. Sie sprechen darin von einer Zerschlagung des Gesundheitsamtes. Auch für Gesundheitsamts-Leiterin Ishorst-Witte war die Raumfrage wohl ausschlaggebend für ihre Kündigung.

Laut Bezirksamt wurden alle Optionen geprüft

Das Bezirksamt antwortet nur schriftlich auf die Vorwürfe: Man habe viele Optionen geprüft, trotz Homeoffice würden die Büros jetzt leider benötigt. Politiker von Grünen und Linken kritisieren diese Entscheidung. Deniz Celik, Gesundheitsexperte der Linken-Fraktion, erklärte: "Ich finde es unfassbar mitten in der Pandemie, dass jetzt Mitarbeitende im Gesundheitsamt die Räumlichkeiten verlassen sollen." Gudrun Schittek, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, meint: "Die höchste Priorität muss die Gesundheit der Menschen haben. Und das geht vor allem anderen. Andere Abläufe müssen sich dem unterordnen."

Probleme bei der zentralen Corona-Kontaktverfolgung?

Doch neben den Raumproblemen wird auch harsche Kritik an der hamburgweiten zentralen Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen geäußert, die in Wandsbek angesiedelt ist. Oft würden dort fachfremde Mitarbeitende eingesetzt, die nicht ausreichend geschult worden seien. Dadurch seien wiederholt Personen trotz Symptomen nicht auf Corona getestet worden.

Grüne wollen möglichen Missständen nachgehen

"So etwas darf nicht sein", sagte Schittek. Die oberste Weisungsbefugnis müsse immer eine kompetente Fachperson haben - und das seien die Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst. "Wir werden dem auf jeden Fall nachgehen, wenn da tatsächlich Missstände sind", erklärte die Grünen-Politikerin.

Linke befürchten Verlust von Fachpersonal

Bei der Einrichtung der zentralen Kontaktnachverfolgung seien die Gesundheitsämter kaum eingebunden worden, so die Kritik. "Das führt zu einem großen Unmut und zu einem Chaos", sagte Linken-Politiker Celik. "Wir befürchten, dass weiteres Fachpersonal abwandern könnte, das kaum zu ersetzen ist."

Sozialbehörde kommentiert die Kündigung nicht

Die Sozialbehörde wollte sich zum Thema rund um die Kündigung nicht äußern. Die Gesundheitsamts-Leiterin nimmt nun noch bis Ende Juni ihren Urlaub und gleicht Überstunden aus - und hat wohl noch keinen Anschlussjob.

Weitere Informationen
Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) berichtet über die jüngsten Entwicklungen.

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Dieses Thema im Programm:

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