Rote, leere Sitze in einem Theater. © picture alliance/JOKER Foto: Gudrun Petersen

Corona und Kultur: Zwischen Verständnis und Enttäuschung

Stand: 04.12.2020 12:52 Uhr

Der Lockdown Light wird bis zum 10. Januar verlängert. Was heißt das für die Hamburger Theater, Museen und Kinos? Reaktionen aus der Hamburger Kultur.

Ein bisschen Hoffnung gab es ja doch: wenn schon die Corona-Regeln zu Weihnachten und Silvester gelockert werden, vielleicht ist ja dann doch wenigstens Ende Dezember auch ein Museumsbesuch auf Abstand möglich. Oder gar die Hygieneregeln-konforme Silvestervorstellung im Theater. Jetzt geht der Lockdown light weiter bis zum 10. Januar.

Verständnis in der Kunsthalle

"Ich kann die Verlängerung nachvollziehen", sagt Alexander Klar, Chef der Hamburger Kunsthalle. Gerne hätte er die Kunsthalle gerade über die Weihnachtsfeiertage für das Publikum geöffnet, aber "die Museen werden noch eine Weile zurückstehen müssen."  

Planen zur Zeit eine Katastrophe

Amelie Deuflhard, Intendantin der Kulturfabrik Kampnagel, hat nicht damit gerechnet, dass erst eine Woche nach der letzten Verlängerung schon wieder eine weitere erfolgt. Aber: Sie persönlich sei sogar dafür, dass "wir für Weihnachten auch strengere Regeln anwenden". Auf Kampnagel muss jetzt wieder alles umgeplant werden. "Die Planungen im Moment sind eine Katastrophe", sagt Amelie Deuflhard. Zum zweiten Mal müsse man alles verschieben. "Das schafft Unsicherheit bei der Künstlerschaft".

"Bis auf Weiteres geschlossen"

Auf der Seite des Bucerius Kunst Forums ist zu lesen: "Bis auf Weiteres geschlossen." Die Direktorin Kathrin Baumstark führt schon länger digital durch die große Georges Braque Ausstellung. Natürlich ist man auch im Kunstforum am Rathaus traurig über das bis fast Mitte Januar geschlossene Haus. Kathrin Baumstark bereitet aber schon die nächste Ausstellung für den Sommer vor. "Das hält einen über Wasser", sagt sie. "Man plant weiter die Projekte und hofft einfach, dass das Jahr 2021 für uns alle ein gutes Jahr wird."

Blick nach Holland

Die Kinos können nicht planen. Um zu öffnen, brauche man Filmstarts. Die Filmverleiher könnten aber gerade keine planen, weil unklar ist, wann wie viele Kinos öffnen dürfen. Zu groß sei dann das finanzielle Risiko, erklärt Felix Grassmann vom Abaton. Über den jetzt verlängerten Lockdown ist er enttäuscht. "Man könnte ruhig mal den Blick nach Holland wagen", schlägt Felix Grassmann vor. Da seien trotz deutlich höherer Infektionszahlen Kinos, Theater und Museen geöffnet. "Und die Infektionszahlen sinken."

Das Kulturherz muss sich in Geduld üben

Auch in der Komödie Winterhuder Fährhaus läuft jetzt weiter nichts mehr auf der Bühne. Leiterin Britta Duah hat Verständnis, wünscht sich aber früher Klarheit, um besser planen zu können. "Ich vermisse den Trubel bei uns im Haus" sagt sie. "Mein Kulturherz möchte, dass es endlich wieder losgeht, muss sich aber in Geduld üben."

Aus dem Hamburger Sprechwerk hieß es, man freue sich mitzuteilen, dass die geplante Premiere auf den 16. Januar verschoben ist. Dafür wurde heute unbeirrt den ganzen Tag geprobt. Die Sprechwerk-Intendantin Konstanze Ulmer sagt, natürlich sei es nicht schön, weiter zuzumachen, aber man habe eine gesellschaftliche Verantwortung. "Da darf man nicht immer nur an seine eigene Nase denken."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 03.12.2020 | 19:05 Uhr

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