Hamburg bleibt bei seiner Impfstrategie

Stand: 12.01.2021 21:02 Uhr

Nach Angaben der Sozialbehörde bleibt Hamburg erst einmal bei der bisherigen Impfstrategie, die zweiten Dosen jeweils zurückzuhalten. Die Kassenärztliche Vereinigung (KVH) hatte am Montag in einem Interview das Gegenteil behauptet.

Das Ziel der Sozialbehörde ist möglichst große Planungssicherheit. Das bedeutet: Wenn die Stadt 1.000 Impfdosen bekommt, werden damit nur 500 Menschen geimpft. Die andere Hälfte wird gelagert - für die zweite Impfung nach drei bis vier Wochen. Denn noch kommen die Lieferungen nicht so verlässlich, wie eigentlich vorgesehen.

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Erste Zweitimpfung am Sonntag vorgesehen

Es gelte nach wie vor eine Drei-Säulen-Strategie, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstag in der Landespressekonferenz. "Dazu zählt, dass wir sowohl Menschen in Pflegeheimen als auch Menschen über das Impfzentrum als auch in den Krankenhäusern Impfangebote machen." Und dazu gehöre auch, dass die notwendige Zweitdosis sicher sei. "Das ist wirklich sehr wichtig. Gerade ältere Menschen brauchen diese Zweitimpfung im relevanten Zeitraum, weil sie ein geschwächtes Immunsystem in aller Regel haben."

Eine erste Zweitimpfung sei erstmals an diesem Sonntag vorgesehen. Außerdem erhielten die über 80-Jährigen noch in dieser Woche einen Brief, in dem auf das Impfangebot aufmerksam gemacht würden. Der Plan, bis Mitte Februar allen Bewohnenden und Mitarbeitenden von Pflegeheimen ein Impfangebot zu machen, sei jedoch fallengelassen worden, "sodass wir theoretisch (...) in einer der folgenden Kalenderwochen, sollte eine Lieferung ausbleiben, dann mal nur die Zweitimpfungen machen können und nicht weitere Erstimpfungen", erläuterte die Senatorin.

Laut KVH wird zweite Impfstoff-Dosis nicht zurückgehalten

Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg © dpa/picture alliance Foto: Markus Scholz
KVH-Chef Plassmann meint, dass Hamburg seine Impfstrategie überarbeiten müsse.

Aus Sicht der KVH geht die Rechnung der Sozialbehörde aber bereits in den nächsten Tagen nicht mehr auf: Dann schrumpfen schon die Lagerbestände. Hintergrund ist, dass die Impfungen in den Pflegeheimen beschleunigt werden, der Impfstoff aber immer noch relativ knapp ist. Der KVH-Vorstandsvorsitzende Walter Plassmann hatte am Montag im TV-Sender Hamburg 1 gesagt, die zweite Dosis Impfstoff, die jeder Geimpfte nach einigen Wochen bekommen soll, werde in Hamburg nicht mehr aufgehoben, um jetzt mehr Menschen impfen zu können. "Wenn wir dann Ende Januar mit der zweiten Impfung beginnen, müssen wir hoffen, dass wir bis dahin neuen Impfstoff erhalten haben."

Nach einem Beschluss von Bund und Ländern sollten bis Mitte Februar alle über 80-Jährigen in den Pflege- und Altenheimen geimpft werden, sagte Plassmann. "Das hat dazu geführt, dass wir in Hamburg unsere Impfstrategie deutlich überarbeiten mussten. Wir müssen jetzt mit Ausnahme der 500 Impfungen, die wir täglich im Impfzentrum durchführen können, alle anderen Dosen in den Heimen verimpfen."

Moderna-Impfstoff wird ausgeliefert

Für etwas Entspannung sorgt derweil die Ankunft des zweiten Impfstoffs des US-Herstellers Moderna, der jetzt an die Bundesländer ausgeliefert wird. Hamburg erhält anfangs rund 1.200 Impfdosen, mit denen Krankenhäuser versorgt werden. In den Pflegeheimen und im Impfzentrum in den Messehallen bleibt es erst einmal beim Impfstoff von Biontech/Pfizer.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.01.2021 | 19:30 Uhr

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