Stand: 02.10.2019 20:34 Uhr

Verlegte Wilhelmsburger Reichsstraße eingeweiht

Die neue B75 in Wilhelmsburg wurde an die Bahntrasse verlegt.

Nach mehr als sechs Jahren Bauzeit ist der verlegte Teil der Wilhelmsburger Reichsstraße am Mittwoch mit einer feierlichen Zeremonie eingeweiht worden. Für den Verkehr soll der rund 4,6 Kilometer lange neue Abschnitt, der jetzt offiziell Bundesstraße 75 heißt, am Montag um 5 Uhr freigegeben werden. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, und Bahn-Vorstandsmitglied Ronald Pofalla gaben das Teilstück symbolisch durch das Durchschneiden eines Bandes frei.

Wohnungsbau auf alter Trasse

Die neue Wilhelmsburger Reichsstraße liegt neben den Fernbahn- und S-Bahngleisen. Tschentscher erklärte, durch die Bündelung der Trassen für die Straße und die Bahn werde es insgsamt in Wilhelmsburg ruhiger. "Die Verlagerung der Verkehrsachse verringert die Lärmbelastung für die Bürger in Wilhelmsburg, es wird viel leiser, und sie schafft neuen Raum für lebenswerte Stadtteile." Entlang der neuen Straße und den Schienen wurden auf insgesamt 15 Kilometern Länge vier Meter hohe Lärmschutzwände errichtet. Auf der freigewordenen alten Straßenfläche entstehen den Planungen zufolge Grünflächen und rund 5.400 neue Wohnungen.

310 Millionen Euro investiert

Um die neue Trasse mit den bestehenden Straßen zu verbinden, bleibt die B75 am Wochenende noch gesperrt. Nach der Freigabe für den Verkehr am Montag werden nach Angaben der Behörde bis 2020 noch Restarbeiten vorgenommen, darunter ein zweites Gleis für die Hafenbahn sowie der Rückbau von Bahnbrücken. Rund 310 Millionen Euro wurden investiert.

Breitere Fahrstreifen, drei Anschlusstellen

Die neue Wilhelmsburger Reichsstraße sowie die anschließenden Autobahn-Abschnitte A252 und A253 wurden einheitlich zur Kraftfahrstraße B75 umbenannt, wie die Verkehrsbehörde mitteilte. Sie hat drei Anschlussstellen: Georgswerder im Norden, Wilhelmsburg etwas verschoben in der Mitte und Kornweide im Süden. Rund 60.000 Fahrzeuge werden täglich auf der neuen Straße unterwegs sein. Die nun breiteren beiden Fahrstreifen sowie ein Standstreifen je Richtung sollen dafür sorgen, dass die Autofahrer schneller und sicherer vorankommen.

Anwohner klagen

Einen Tag vor der Einweihung des neuen Abschnitts gab es jedoch noch juristischen Ärger. Zwei Ehepaare wollen die Eröffnung der neuen Wilhelmsburger Reichsstraße stoppen. Sie wohnen hinter der S-Bahn in Wilhelmsburg. Dort seien die versprochenen Lärmschutzwände noch nicht fertig, argumentieren sie. Einer von ihnen ist Hartmut Sauer. Er sagte NDR 90,3, die Stadt habe nur den Lärmschutz direkt an der Straße errichtet, nicht aber an den parallel verlaufenden S-Bahn-Gleisen. Auch dort sehe der Planfeststellungsbeschluss aber Lärmschutz vor. Die Stadt habe ihre Zusagen nicht eingehalten, so Sauer. "Wir haben den besten Lärmschutz, den man sich vorstellen kann", erwiderte Bürgermeister Tschentscher am Mittwoch zu der aus seiner Sicht "fragwürdigen Intervention".

Entscheidung frühestens am Freitag

Die Kläger waren vor das Oberverwaltungsgericht gezogen, das den Fall am Mittwoch an das Hamburger Verwaltungsgericht verwies. Über den Eilantrag wird frühestens am Freitag entschieden. Das Verwaltungsgericht gab der Stadt und den Antragstellern bis dahin noch einmal Zeit zur Stellungnahme.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.10.2019 | 17:00 Uhr

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