Stand: 03.04.2019 14:35 Uhr

VW testet autonomes Fahren in Hamburg

Teile der Hamburger Innenstadt werden zur Teststrecke für autonomes Fahren: Der VW-Konzern hat am Mittwoch in der Hansestadt ein Projekt vorgestellt, bei dem ab sofort fünf Elektro-Golfs vollautomatisiert unterwegs sein sollen. Ganz allein fahren die Autos allerdings nicht: Aus Sicherheitsgründen sitzt bei den Testfahrten durchgehend ein geschulter Fahrer am Lenkrad, der alle Fahrfunktionen fortwährend überprüft und im Notfall eingreifen kann.

Scanner und Kameras werten Verkehr aus

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Der Kofferraum der e-Golfs ist vollgestopft mit Computertechnik.

Die e-Golfs verfügen über elf Laser-Scanner, sieben Radare und 14 Kameras. Die Technik im Wagen tauscht sich per Internet mit Ampeln aus, die ebenfalls mit Kameras ausgerüstet sind. Die Testfahrten sollen sich jeweils über mehrere Stunden erstrecken. Die Computer dafür befinden sich im Kofferraum, sie verarbeiten bis zu fünf Gigabyte Daten pro Minute.

Drei Kilometer von insgesamt neun Kilometern Teststrecke

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Ein geschulter Fahrer wird an Bord der eGolfs sitzen. Er kann im Notfall eingreifen.

Die Autos fahren zunächst auf einem drei Kilometer langen Teilstück einer neun Kilometer langen Strecke, die Hamburg eigens für Testzwecke definiert hat und mit zusätzlicher Infrastruktur aufrüstet. Die Route verläuft von den Messehallen über Dammtor, den Rödingsmarkt, den Baumwall und St. Pauli. Die Ergebnisse der Fahrten sollen in die Forschungsprojekte des Konzerns zum autonomen Fahren und zur Optimierung des Individualverkehrs eingehen. Die Testfahrten sind Teil der strategischen Mobilitätspartnerschaft, die VW und Hamburg seit August 2016 pflegen.

"Ich bin gespannt, wie die Fahrten verlaufen werden und welche Erkenntnis wir daraus auch als Stadt mitnehmen", sagte Hamburgs Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos). Weitere interessierte Nutzer aus Industrie oder Wissenschaft seien herzlich eingeladen, ebenfalls auf der Teststrecke ihre Produkte zu testen. "Wir werden Hamburg als Modellstadt für intelligente Mobilität etablieren und der Weltöffentlichkeit beim Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme 2021 viele innovative Mobilitätsprojekte vorstellen."

Karte: Teststrecke für Automatisiertes und Vernetztes Fahren in Hamburg

VW sieht keine Datenschutz-Probleme

Axel Heinrich aus der VW-Forschungsabteilung sieht bei dem Projekt keine Datenschutzprobleme. "Die Daten werden gespeichert. Wenn der Betrachtete sagt: 'Ich bin gefilmt worden und möchte das nicht', kann er sich bei uns melden. Wir müssen natürlich die entsprechende Uhrzeit und den Namen haben, und dann werden wir die Daten löschen."

Die Hamburger Wetterbedingungen könnten die Fahrzeuge auf die Probe stellen: Regen, Schnee und Glatteis gelten nach wie vor als eine Herausforderung für die Systeme. "Am Ende sollen die Autos unter allen äußeren Bedingungen fahren, unter denen auch ein Mensch fahren könnte", sagte Helge Neuner, bei der VW-Forschung verantwortlich für autonomes Fahren. "Aber deutlich sicherer."

Grüne stellen Studie zum autonomen Fahren vor

Die Fraktion der Grünen in der Hamburger Bürgerschaft hat derweil am Dienstag eine Studie zum autonomen Fahren vorgestellt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass die Politik die neue Technik mit Gesetzen steuern muss, damit sie allen nutzt. Die Politik müsse Gesetze erlassen, damit die neuen Autos die Stadt zukünftig nicht noch mehr verstopfen. Der verkehrspolitischen Sprecher der Grünen, Martin Bill, forderte: Der Staat muss Anbietern autonomer Systeme genau vorschreiben, wie viel Platz in der Stadt sie maximal nutzen dürfen. Auch die dabei verbrauchte Energiemenge soll begrenzt werden. Nur so könnten Ziele wie weniger Abgase und weniger Stau erreicht werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.04.2019 | 13:00 Uhr

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