Urteil im IS-Prozess: Cuspert-Witwe erneut schuldig gesprochen

Stand: 22.07.2021 13:12 Uhr

Die Witwe des früheren IS-Kämpfers Denis Cuspert bleibt für insgesamt vier Jahre in Haft. Das hanseatische Oberlandesgericht verurteilte sie heute erneut, weil sie bei ihrem Aufenthalt in Syrien 2016 Sklavinnen beschäftigt hatte.

Im Gefängnis ist sie ohnehin bereits, weil sie voriges Jahr wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. In dem am Donnerstag gefällten Urteil wurde die Gesamtstrafe auf vier Jahre erhöht. "Man mag das Wort Sklavenhaltung in unserem Rechtsstaat kaum aussprechen," sagte die Vorsitzende Richterin. Die Angeklagte aber hatte im syrischen Rakka tatsächlich Beihilfe zur Sklavenhaltung geleistet. Sie hatte zwei junge Jesidinnen für sich arbeiten lassen, die bei einer Bekannten gefangen gehalten wurden. Das hat die 37-Jährige im Prozess gestanden.

Richterin warnt vor Verharmlosung der Taten

In ihrem ersten Prozess voriges Jahr hatte sie die Tat noch geleugnet. "Übernehmen Sie endlich Verantwortung - für Ihre Familie und auch für das, was Sie getan haben," mahnte die Richterin eindringlich. Sie warf der Angeklagten vor, ihre Taten immer noch zu verharmlosen. Die 37-Jährige war 2015 mit drei kleinen Kindern von Hamburg ins Gebiet des IS gereist. Dort hatte sie den früheren Rapper und IS-Kämpfer Denis Cuspert geheiratet, der auf der Terrorliste der USA stand. Eine der beiden Sklavinnen war Nebenklägerin in diesem Prozess. Sie ist im Zeugenschutzprogramm. Zur Urteilsverkündung wurde sie von mehreren Sicherheitsbeamten begleitet.

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Die Angeklagte Omaima A. steht im Gerichtssaal neben ihrem Verteidiger. Sie soll 2016 in ihrer Wohnung in Syrien zwei von der Terror-Miliz entführte Jesidinnen ihre Putzarbeiten erledigt haben lassen. © picture alliance/dpa Foto: Markus Scholz

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.07.2021 | 13:00 Uhr

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