Unfalluntersuchung: Kritik an Besatzung des Lotsenschoners "No. 5 Elbe"

Stand: 02.06.2021 12:20 Uhr

Vor rund zwei Jahren stieß der historische Hamburger Lotsenschoner "No. 5 Elbe" mit einem Frachter zusammen und sank auf der Elbe. Die Untersuchungsbehörde übt nun in ihrem Abschlussbericht schwere Kritik an der Besatzung des Traditionsschiffes.

Bei einer frischen Brise war der gerade erst restaurierte Lotsenschoner am 8. Juni 2019 in Höhe Stadersand unterwegs. An Bord waren 15 Besatzungsmitglieder und 28 Fahrgäste. Fest steht jetzt: Als die Crew das Schiff wendete, ließ der Kapitän erstmal auf der falschen, nördlichen Fahrwasserseite weiterfahren. Ein Fehler, wie die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung nun in ihrem mehr als 200-seitigen Bericht schreibt.

Sie attestiert der erfahrenen Besatzung des Lotsenschoners, die Wache unzureichend organisiert zu haben und sich der kritischen Situation nicht richtig bewusst gewesen zu sein. Der Lotsenschoner wurde von dem Frachtschiff "Astrosprinter" mit Kurs Nordsee gerammt. Der Frachtercrew werfen die Ermittler vor, dass sie nicht versucht hat, den Lotsenschoner über Funk oder das Typhon zu warnen.

Nach Bergung in Dänemark repariert

Bei dem Unglück wurden acht Menschen überwiegend leicht verletzt. Die "No.5 Elbe" sank nach der Kollision, konnte aber geborgen werden. Nach der Bergung wurde der historische Schoner in Dänemark repariert. Seit Oktober 2020 ist er zurück in Hamburg.

Empfehlung: Kollisionsschotts für Traditionsschiffe

Für alle Traditionsschiffe mit mehr als zwölf Gästen an Bord empfehlen jetzt die Fachleute, dass sie sogenannte Kollisionsschotts haben und entsprechend umgebaut werden. Durch den Einbau der wasserdichten Trennwände soll verhindert werden, dass die Schiffe nach einem Zusammenstoß untergehen. Für viele historische Schiffe, die zum Beispiel beim Hamburger Hafengeburtstag unterwegs sind, könnte das das Aus bedeuten, da die Umbaukosten enorm wären.

Bewegte Geschichte

Der Lotsenschoner hat eine bewegte Geschichte. Gebaut 1883 bei der Stülcken-Werft in Hamburg, diente das Schiff mehrere Jahrzehnte dazu, Lotsen in der Nordsee an Bord der einlaufenden Schiffe zu bringen - und wieder zurück. Nach der Außerdienststellung wurde die "No. 5 Elbe" in den 1920er-Jahren in die USA verkauft. Dort diente das Schiff dem Autor und Abenteurer Warwick Tompkins und seiner Familie als schwimmendes Zuhause. Seit 2002 ist der Lotsenschoner wieder in Deutschland. Bei Tagestörns durften regelmäßig Gäste mit an Bord.

Weitere Informationen
Der Lotsenschoner "No.5 Elbe" wird zum Anlegeplatz in Hamburg geschleppt. © NDR Foto: Marco Peter

Historischer Lotsenschoner "No. 5 Elbe" zurück in Hamburg

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An der Backbordseite klafft ein Loch im Lotsenschoner. © NDR Foto: Dietrich Lehmann

"No. 5 Elbe" wird in Dänemark repariert

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.06.2021 | 09:00 Uhr

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