Tödliche Polizeischüsse in Hamburg: Neue Einzelheiten

Stand: 09.06.2021 14:14 Uhr

Nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen 36-Jährigen im Hamburger Stadtteil Winterhude sind jetzt neue Einzelheiten zu dem Fall bekannt geworden. Viele Fragen sind aber weiterhin ungeklärt.

Vor zwölf Tagen soll der 36-Jährige mit einem Messer bewaffnet Passanten bedroht und dabei "Allahu Akbar" (arabisch für: "Gott ist groß") gerufen haben. Doch warum musste ein Polizist gleich sieben Schüsse abgeben, um den Mann außer Gefecht zu setzen? Das wollte der innenpolitische Sprecher der Linken, Deniz Celik, vom Senat wissen. Detaillierte Angaben könnten nicht gemacht werden, es gehe um ein laufendes Verfahren, antwortete der Senat.

Nach Informationen von NDR 90,3 attackierte der 36-Jährige einen der Beamten mit einer abgebrochenen Messerklinge. In einem Video ist zu sehen, wie ein anderer Polizist daraufhin sieben Schüsse abgibt. Laut Senat ist der am Boden liegende 36-Jährige zunächst gefesselt worden. Die Fesselung sei anschließend gelöst worden, um den Schwerverletzten zu versorgen. Der 36-Jährige erlag aber trotz Erste-Hilfe-Maßnahmen noch vor Ort seinen Verletzungen.

Gewerkschaft der Polizei fordert Einsatz von Bodycams

Die Gewerkschaft der Polizei fordert jetzt, dass Beamtinnen und Beamte Bodycams tragen, die sich automatisch einschalten, sobald ein Polizist zur Waffe greift. Da das Obduktionsergebnis noch nicht vorliegt, ist weiter unklar, wie oft und wo der Mann von den Polizeikugeln getroffen wurde. Auch wenn der Libanese mehrfach laut "Allahu Akbar" gerufen haben soll - bei ihren Ermittlungen fand die Polizei keine Hinweise auf eine islamistische Gesinnung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.06.2021 | 14:00 Uhr

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