Tochter Medikamente verabreicht: 37-Jährige in Hamburg verurteilt

Stand: 31.01.2023 17:06 Uhr

Das Hamburger Landgericht hat eine Krankenschwester wegen der Verabreichung von Beruhigungsmittel an ihre vierjährige Tochter zu einem Jahr und neun Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Das Gericht sah es in seinem Urteil vom Dienstag als erwiesen an, dass die Angeklagte ihrem Kind die Medikamente vor etwa zwei Jahren während eines Krankenhausaufenthalts heimlich gegeben hatte. Von einem Tötungsvorsatz der 37-Jährigen ging das Gericht dabei allerdings nicht aus. Auch die Staatsanwaltschaft war in ihrem Plädoyer von einer gefährlichen Körperverletzung sowie stark verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen. Sie forderte eine Haftstrafe von drei Jahren. Die Verteidigung der Angeklagten beantragte eine einjährige Freiheitsstrafe.

Verabreichung von Medikamenten gestanden

Die Frau hatte während des Prozesses gestanden, ihrer Tochter die Mittel in einer "Überforderungssituation "verabreicht zu haben. Sie habe die Vierjährige ruhig stellen wollen, sagte sie und erklärte dies damit, dass sie Eheprobleme gehabt habe und als Mutter überfordert gewesen sei. Sie bestritt zugleich aber, dass sie ihre Tochter töten wollte oder deren Tod billigend in Kauf nahm. Laut einem gerichtlich bestellten psychiatrischen Gutachter war die Schuldfähigkeit der Angeklagten zur Tatzeit erheblich eingeschränkt.

Erstes Urteil von Bundesgerichtshof aufgehoben

Es war bereits das zweite Mal, dass sich das Hamburger Landgericht mit dem Fall befasste. In einem ersten Prozess war die Krankenschwester im Herbst 2021 noch wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchten Mordes zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung aber teilweise wieder auf. Das Gericht musste deshalb erneut darüber verhandeln, ob ein Tötungsvorsatz tatsächlich vorlag.

37-Jährige hat Strafe schon verbüßt

Die Mutter hat fast zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Die Gefängnisstrafe, die sie nun bekommen hat, ist dadurch bereits verbüßt. Sie ist in Freiheit.

Kontakt zu Kindern untersagt

Ihre Tat hat aber Folgen, unter denen die 37-Jährige noch lange leiden wird: Fünf Jahre lang darf sie keinen Kontakt zu ihren insgesamt drei Kindern haben. Nicht einmal am Telefon. Die Mutter wischte sich mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen, als die Vorsitzende Richterin davon sprach.

Weitere Informationen
Eine Angeklagte sitzt vor Beginn der Verhandlung im Gerichtssaal neben ihrem Verteidiger. Sie hat ihr Gesicht verdeckt. © picture alliance / dpa Foto: Jonas Walzberg

Tochter mit Medikamenten fast getötet: Mutter erneut vor Gericht

Weil der BGH ein erstes Urteil gegen die 37-Jährige teilweise aufgehoben hat, wird der Fall vor dem Hamburger Landgericht neu verhandelt. (07.09.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 31.01.2023 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Ein Streifenwagen der Polizei ist mit Blaulicht im Einsatz. © dpa/picture alliance Foto: Jens Büttner

Razzia: Hamburgs Behörden gehen gegen "Muslim Interaktiv" vor

Razzia bei der Gruppe "Muslim Interaktiv" in Hamburg: Sieben Wohnungen in verschiedenen Stadtteilen wurden durchsucht. mehr