Willms Buhse, Leiter der Digitalberatungsfirma DoubleYuu in Hamburg, bespricht mit seiner Mitarbeiterin Luisa Paurat bei einem Spaziergang geschäftliche Projekte © NDR Foto: Verena von Ondarza

Spaziergänge statt Meetings: Team-Spirit in Corona-Zeiten

Stand: 08.10.2020 07:41 Uhr

Corona hat viele ins Homeoffice verbannt. Trotz Video-Konferenzen und Chat-Möglichkeiten bleibt zwischenmenschlich einiges auf der Strecke. Ein Hamburger Unternehmer geht dagegen an - im Wortsinne.

von Verena von Ondarza

Ein sonniger Vormittag in einem Park mit Blick auf die Elbe. Willms Buhse bespricht mit seiner Mitarbeiterin Luisa Paurat, wo sie gerade steht mit ihren Projekten. Ein Meeting als Spaziergang. Buhse leitet die Digital-Beratungsfirma doubleyuu in Hamburg. Das große Gemeinschaftsbüro hat er schon vor vier Jahren aufgegeben.

"Nur virtuell geht auch nicht"

Digital und ortsunabhängig arbeiten war für ihn und sein Team also kein Neuland. Die Erfahrung der vergangenen vier Jahre und vor allen Dingen auch der vergangenen sechs Monate hätten aber gezeigt, dass es rein virtuell auch nicht geht: "Ich glaube sehr fest, dass es diese Möglichkeiten des persönlichen Austausches auch braucht in der Strategie-Vermittlung oder auch in der Entstehung von Kreativität", sagt Buhse. "Es geht nicht um Kontrolle, sondern darum: Fühle ich mich als Teil von einer Firma? Wenn Sie diese Vorteile nicht mehr wahrnehmen, kann es schnell zu einer Entfremdung kommen."

Willms Buhse, Leiter der Digitalberatungsfirma DoubleYuu in Hamburg, bespricht mit seiner Mitarbeiterin Luisa Paurat bei einem Spaziergang geschäftliche Projekte © NDR Foto: Verena von Ondarza

AUDIO: Spaziergang gegen den Homeoffice-Blues (3 Min)

Die Atmosphäre ist eine andere

Noch herausfordernder ist es, wenn man sich noch gar nicht kennt. So war es auch bei Luisa Paurat und Willms Buhse. Denn sie begann ihre Arbeit bei doubleyuu Anfang März - in der Phase der strengen Kontaktbeschränkungen: "Wir kannten uns nur durch die Bewerbungsgespräche, die wir persönlich miteinander geführt haben. Aber dann ging es darum, eine komplett neue Arbeitsbeziehung zu definieren." Willms Buhse erinnert sich: "Ich glaube, es war sogar unser erstes Meeting, als wir uns unten an die Elbe gesetzt haben. Haben aufs Wasser geschaut und die Füße ein bisschen baumeln lassen. Es ist schon eine andere Atmosphäre als in einem Arbeitszimmer."

Körperliche Aktivität fördert die Kreativität

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In welche Projekte passt sie, wie kann sie da mitarbeiten? Viele dieser Fragen haben die beiden am Elbstrand besprochen. Luisa Paurat ist promovierende Sozialpsychologin. Unter welchen Bedingungen man am kreativsten und produktivsten arbeitet, war schon vor der Corona-Pandemie ihr Kern-Thema: "Einige Organisationen hatten ja eine Zeit lang den Trend, coole Chill-Areas einzurichten. Aber die Forschung hat nun eindeutig gezeigt, dass das - also chillen - Kreativität eher killt", sagt sie. "Körperliche Aktivität führt zu Innovationen, weil die Leute dann kreativer denken und neue Sachen miteinander besprechen. Und gerade im Gehen ist es ja so, dass manche unangenehmeren Punkte leichter besprochen werden, weil man sich nicht die ganze Zeit in die Augen sehen muss."

Rückbesinnung aufs Analoge und Persönliche

Bei ihren Meetings arbeiten die beiden deshalb bewusst nur mit Notizbuch und Kugelschreiber. Der Schritt in eine digitalere Arbeitswelt ist also auch mit einer Rückbesinnung aufs Analoge und Persönliche verbunden, wie Willms Buhse sagt: "Es gibt tatsächlich aus dem Design Thinking einige Möglichkeiten, die kreativ fördernd sind. Sich zum Beispiel Post-its auf den Rücken kleben. Aber ehrlich gesagt würde ich mich da selber hier in meiner eigenen Nachbarschaft zum Horst machen. Darauf verzichte ich."

Auch nach Corona an Spaziergängen festhalten

Bislang brauchten Willms Buhse und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maximal einen Schirm und eine Regenjacke für ihre Besprechungen im Gehen. Jetzt, im Herbst und Winter, könnte es ungemütlicher werden. Trotzdem wollen sie an den Spaziergängen festhalten - auch dann noch, wenn die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen überwunden ist: "Die Dinge werden so bleiben. Die IT-Leute werden jetzt nicht die Laptops wieder einsammeln, damit alle wieder im Büro arbeiten können", so Buhse. "Und wir als Hamburger werden rausgehen - egal bei welchem Wetter."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 08.10.2020 | 07:41 Uhr

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