Stand: 26.06.2018 18:38 Uhr

Schifffahrt: Flüssiggas eine Sackgasse?

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Bis 2050 soll die weltweite Schiffsflotte nur noch die Hälfte der derzeitigen Treibhausgase ausstoßen.

Flüssiggas gilt vor allem in der Schifffahrt als der Treibstoff der Zukunft und als Alternative zu Schweröl und Diesel. Eine Studie mehrerer Umweltverbände kommt nun zu dem Ergebnis, sich die Umweltbilanz mit dem Gas-Einsatz auf Schiffen nicht nachhaltig verbessern werde. Das LNG, für Liquefied Natural Gas, sei eine Sackgasse, sagte Dietmar Oeliger, Leiter Verkehrspolitik beim Bundesverband des Naturschutzbundes (NABU) im Gespräch mit NDR 90,3. Die Klimaschutzziele, zu denen sich die internationale Schifffahrtsbranche vor wenigen Wochen verpflichtet hat, seien damit nicht zu erreichen. Bis 2050 soll die weltweite Schiffsflotte nur noch die Hälfte der derzeitigen Treibhausgase ausstoßen.

Aida weist Kritik an LNG zurück

Deutschlands größte Kreuzfahrtreederei Aida wies diese Kritik zurück. Die Reederei baut zurzeit das erste ausschließlich mit LNG betriebene Kreuzfahrtschiff, das im November in Hamburg erwartet wird. Der NABU selbst habe noch im November von der Branche gefordert, mehr Flüssiggas einzusetzen, hieß es von Aida.

CO2-Ausstoß bleibt gleich

Nach der Studie des Forschungszentrums University Maritime Advisory Services (UMAS) in Großbritannien bleibt der CO2-Ausstoß aber in etwa gleich, wenn flächendeckend Flüssiggas als Treibstoff eingesetzt wird. Wenn die Technik der Flüssiggasmotoren nicht noch verbessert wird, steigt zudem der Ausstoß von Methan - einem Gas, das etwa 30 Mal klimaschädlicher ist als CO2.

Immer mehr LNG

Vor allem in Europa steigt die Zahl der Schiffe, die LNG verbrennen, stark an. Aida etwa hat als erste Kreuzfahrtreederei derzeit Schiffe im Bau, die nur mit Flüssiggas betankt werden. Die französische Reederei CMA CGM hat Frachtschiffe mit einem solchen Antrieb bestellt.

Viel in Flüssiggas investiert

Bislang sind in Europa rund eine halbe Milliarde Euro in die Infrastruktur investiert worden, damit Schiffe überhaupt mit Flüssiggas betankt werden können. Die Gesamtkosten belaufen sich auf schätzungsweise 20 Milliarden Euro. Angesichts der Klimabilanz lehnt es die Umweltschutzorganisation NABU ab, dass dafür Steuergelder eingesetzt werden.

Weitere Informationen

Stade könnte LNG-Terminal bekommen

Die Unternehmen Dow und die LNG Stade planen, in der Hansestadt ein Terminal für Flüssigerdgas zu bauen. Künftig könnten 15 Prozent des deutschen Bedarfs hierüber importiert werden. (25.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.06.2018 | 09:00 Uhr

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