Schiffe ändern nach der Havarie der "Ever Given" ihre Route

Stand: 26.03.2021 13:40 Uhr

Nach der Havarie im Suezkanal ändern erste Schiffe ihren Kurs um die Südspitze Afrikas. Auch die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd arbeitet aktuell an Plänen, ihre Schiffe ums Kap der Guten Hoffnung zu schicken.

Sechs Schiffe von Hapag-Lloyd stecken derzeit vor dem Suezkanal oder mittendrin fest. Darunter auch der 360 Meter lange Frachter "New York Express", der in der Kanalmitte auf dem Großen Bittersee ankern muss. Mehrere Dutzend Schiffe, die noch einige Tage bis zum Suezkanal brauchen würden, nehmen jetzt den langen Umweg um Afrika. Eines von ihnen ist die "Ever Greet", ein Schwesterschiff der "Ever Given", die den Kanal blockiert. Die "Ever Greet" sollte eigentlich Mitte April in Hamburg ankommen. Durch den Umweg um Südafrika verschiebt sich der Fahrplan voraussichtlich um 10 bis 15 Tage.

Auch mehrere Tanker haben bereits mitten auf dem Indischen Ozean oder dem Atlantik ihre Routen geändert. Wann der Suezkanal wieder freigegeben werden kann, ist unklar. Ein Vertreter des niederländischen Bergungsunternehmens, das vor Ort im Einsatz ist, spricht von Tagen oder Wochen.

Auswirkungen auf Hamburger Hafen

Die Havarie wird sich auch auf den Hamburger Hafen auswirken und hier voraussichtlich in der Woche nach Ostern zu weniger Umschlag führen. Die Hafenwirtschaft fürchtet, dass bei einer längeren Blockade des Kanals auch Industriebetriebe zeitweise stillgelegt werden müssen. Mehr als 150 Schiffe sind betroffen, die Fahrpläne auf der Haupthandelsroute von Europa nach Südostasien kommen durcheinander. Das Mega-Containerschiff "Ever Given", das im Suezkanal festsitzt, sollte ursprünglich am 8. April in Hamburg festmachen.

Extra-Schichten wohl notwendig

Angela Titzrath, die Chefin des Hafenbetreibers HHLA, hofft, dass es nicht zu langfristigen Störungen im Kanal kommt. Sie räumte aber ein, dass bereits seit Anfang des Jahres viele Schiffe unpünktlich sind. Gunther Bonz, Chef des Unternehmensverbands Hafen Hamburg sagt, um den Stau wieder aufzuholen, seien wahrscheinlich zusätzliche Schichten notwendig.

Kein Einlaufen mehr in europäische Häfen?

Nach Informationen von NDR 90,3 wird auf EU-Ebene bereits darüber diskutiert, ob man dem Schiff künftig verweigern kann, einen Hafen in Europa anzulaufen. Der Hauptgrund: Es ist bereits das zweite Mal, dass die "Ever Given" aufgrund von technischen Problemen havariert ist. 2019 hatte sie den Anleger "Blankenese" gerammt.

Schiff wird manövrierunfähig

Die 2018 gebaute "Ever Given" ist 400 Meter lang und 59 Meter breit. Sie fährt unter der Flagge Panamas und wird von einer Tochtergesellschaft der Hamburger Reederei Bernhard Schulte gemanaget. Das Schiff war in der Nacht zum 24. März im Suezkanal in einem Sandsturm vom Kurs abgekommen und auf Grund gelaufen. Es kam aus China und war auf dem Weg nach Rotterdam in den Niederlanden.

Weitere Informationen
Ein Frachtschiff ist im Suez-KAnal auf Grund gelaufen. © picture alliance/dpa/Suez Canal Authority/A Foto: Suez Canal Authority

Was die Havarie im Suezkanal für Hamburg bedeutet

Der Containerriese "Ever Given" hängt im Suezkanal fest - das hat auch Auswirkungen auf den Hamburger Hafen. (25.03.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.03.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Blick auf die gesperrte Autobahn 1 in Hamburg: Fertigteile einer Brücke werden eingehoben. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

Autobahn 1 in Hamburg wird für 55 Stunden gesperrt

Brückenbauarbeiten: Die A1 ist von Freitagabend bis Montag früh zwischen Moorfleet und dem Autobahnkreuz Hamburg-Ost nicht befahrbar. mehr