Rolling-Stones-Tickets: Rösler schweigt zum Prozessauftakt

Stand: 10.11.2021 17:14 Uhr

Mehr als vier Jahre ist es her, dass die Rolling Stones im Hamburger Stadtpark gespielt haben. Am Mittwoch hat der wichtigste Prozess in der Ticket-Affäre begonnen - unter anderem gegen den früheren Bezirksamtsleiter Harald Rösler.

Insgesamt vier Männer nehmen im Hamburger Landgericht auf der Anklagebank Platz. Neben Rösler, dem früheren Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, stehen auch sein früherer Stellvertreter im Bezirksamt und zwei Verantwortliche des Konzertveranstalters vor Gericht. Rösler ist unter anderem wegen Bestechlichkeit und Untreue angeklagt. Er soll vom Veranstalter 300 Kauf- und 100 Freikarten für das Konzert verlangt und auch erhalten haben. Im Gegenzug soll er ihm bei den Gebühren für die Nutzung der Fläche im Stadtpark entgegengekommen sein.

Konzertveranstalter weist Vorwürfe zurück

Während Rösler zunächst nicht aussagen wollte, wiesen die Vertreter des Konzertveranstalters FKP Scorpio die Vorwürfe beim Prozessauftakt zurück. Für den Stadtpark habe man 2017 ohnehin wesentlich mehr bezahlen müssen, als für vergleichbare Veranstaltungsflächen. Freikarten zu vergeben sei außerdem allgemein üblich, auch wenn es um öffentliche Flächen gehe.

Röslers ehemaliger Stellvertreter sagt aus

Auch Röslers damaliger Stellvertreter sagte am Mittwoch aus und wies die Korruptionsvorwürfe zurück. Selbst der Antikorruptionsbeauftragte des Bezirksamtes habe damals keine Bedenken gegen die Freikarten gehabt - er hätte sogar selbst welche angenommen. Außerdem habe der Veranstalter den Stadtpark nicht billig bekommen, sondern viel Geld dafür bezahlt: "Das war das teuerste Freilichtereignis, das die Stadt je gesehen hat."

Der Stadt sollen mehr als 400.000 Euro entgangen sein

Im Kern der Anklage steht der Vorwurf der politischen Korruption: Für die Staatsanwaltschaft gibt es einen Zusammenhang zwischen den Freikarten und der Genehmigung des Konzerts im Stadtpark. Denn eigentlich hätten die Veranstaltenden des Rolling-Stones-Konzerts wesentlich mehr für die Nutzung des Stadtparks zahlen müssen. Das zumindest geht aus der Gebührenordnung der Stadt hervor, meinen die Ankläger. Hamburg seien so 436.000 Euro entgangen.

Rösler selbst habe zusammen mit seiner Ehefrau Konzertkarten der Kategorie Premium Gold mit Einladung zu einem Empfang im Wert von fast 1.400 Euro angenommen, sagte eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Die widerrechtlich besorgten Freikarten soll Rösler an 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Dank für deren Arbeit weitergegeben haben. Zudem hätten Freundinnen und Freunde des Hauses Tickets aus dem Kaufkarten-Kontingent erwerben dürfen. Zu dem Rolling-Stones-Konzert am 9. September 2017 waren mehr als 80.000 Fans in den Stadtpark gekommen.

Dietrich Lehmann im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
AUDIO: Prozess um Freikarten für Rolling-Stones-Konzert (1 Min)

Für Rösler steht auch die Pension auf dem Spiel

Während den Konzertveranstaltern im Fall einer Verurteilung die Nachzahlung von mehreren Hunderttausend Euro droht, steht für Rösler am meisten auf dem Spiel. Dem 71-Jährigen droht bei einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe - und er muss damit rechnen, dass ihm die Stadt die Pension streicht. Rösler war rund 50 Jahre im öffentlichen Dienst.

Weitere Informationen
Harald Rösler im Gerichtssaal.

Rolling-Stones-Affäre: Rösler ab Mitte November vor Gericht

Dem ehemaligen Leiter des Bezirksamts Hamburg-Nord wird unter anderem Bestechlichkeit und Untreue vorgeworfen. (27.10.2021) mehr

Yvonne Nische steht in einem Gerichtssaal. © NDR Foto: Reinhard Postelt

Rolling-Stones-Affäre: Geldstrafe für Hamburger Dezernentin

Wegen der Annahme von Freikarten muss Yvonne Nische aus dem Bezirksamt Hamburg-Nord rund 14.000 Euro zahlen. (26.08.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.11.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

St. Paulis Trainer Timo Schultz © IMAGO / Fotostand

FC St. Pauli: Coach Schultz an Covid-19 erkrankt

Die Hamburger müssen am Sonntag im Spiel beim 1. FC Nürnberg ohne ihren Cheftrainer auskommen. mehr